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| 18:16 Uhr

Historische Technik zum Anfassen

Cottbus. Das Mühlrad steht still am Großen Spreewehr im Norden von Cottbus. Doch die Spreewehrmühle lebt. Dafür sorgt der Mühlenverein, der sich 2007 gegründet hat. Für junge Besucher haben die Freunde des technischen Denkmals besondere Angebote parat. Von Nicole Nocon

Der letzte Müller der Spreewehrmühle ist 1959 gestorben. Jetzt ist Jochen Rädisch der selbst ernannte Mühlenknecht der Wassermühle, deren Mühlrad sich im Jahr 1801 zu drehen begann. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Mühlenverein hat Jochen Rädisch die Spreewehrmühle, die sich im Besitz der Stadt Cottbus befindet, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 2008 können große und kleine Besucher das Innenleben des Denkmals mit der historischen Mühlentechnik besichtigen. „Wir möchten den Leuten zeigen, wie hier an der Spree Getreide geschrotet und gemahlen wurde und wie die Lebensbedingungen des Müllers um das Jahr 1800 waren“, sagt Rädisch und schließt die Tür zur Mühle auf. Drinnen müssen sich die Augen erst mal an die Dunkelheit gewöhnen. „Elektrisches Licht hatte der Müller im 19. Jahrhundert natürlich nicht“, erklärt Jochen Rädisch, bevor er dann doch die nachträglich installierten Lampen anschaltet. Die Mühlentechnik aus dunklem Holz wirkt wie ein riesenhaftes Uhrwerk. Für den Laien verwirrend. Jochen Rädisch kennt sich aus. „Ich habe mir das Wissen angelesen“, sagt er und beschreibt die zahlreichen Arbeitsgänge und Maschinen, die das Getreide durchlaufen musste, bis es zu feinem Mehl zermahlen war. Er tut dies so, dass der komplizierte Ablauf auch für technisch weniger Beschlagene und Kinder nachvollziehbar wird. „Wir bieten auch spezielle Führungen für Kinder an. Die dauern etwa 45 Minuten“, sagt Rädisch. Dabei können die Kinder dann eigenhändig die Sackausklopfmaschine ausprobieren und den Quetschstuhl, im dem Getreide zu Flocken gewalzt wird. „Wer will, kann sich hier sein eigenes Müsli herstellen“, sagt Rädisch.

Interessant für die Kinder sei es auch, die Wohnstube des Müllers zu sehen, so der ehrenamtliche Mühlenführer. Denn die gesamte Behausung des Müllers ist ein bescheiden möblierter Winkel des Mühlenraums. Aus viel mehr als einem Schrank, einer Truhe und einem Bett bestand der Hausrat des Müllers nicht. Für Besucher war nicht viel Platz, als die Mühle noch in Betrieb war. „Der Müller und sein Geselle werkelten hier alleine“, erklärt Rädisch. „Gesellschaft leisteten ihnen nur die Mäuse und Ratten, die es auf das Getreide abgesehen hatten.“

„Wer sich traut, kann auch in der Mühle übernachten“, informiert Jochen Rädisch. Doch das sei nichts für Nervenschwache, meint er lachend.

Ganz entspannt könnten Mädchen und Jungs aber einen ganzen Erlebnistag an der Mühle genießen. „Zu Beginn können zusätzlich noch das Tierheim oder die Kläranlage in der Nachbarschaft besichtigt werden.

Dann werfen wir hier den Grill an und erkunden mit den Kindern die Mühle“, sagt Rädisch. „So haben wir hier zum Beispiel schon einige Kindergeburtstage gefeiert.“

Weitere Informationen zur Spreewehrmühle in Cottbus gibt es unter Telefon 0355 700003 und im Internet auf www.spreewehrmuehle.com. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich anzumelden.

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Zum ThemaDie Cottbuser Spreewehrmühle ist die letzte Wassermühle ihrer Art im Osten Deutschlands. Sie wurde im Jahr 1801 als Pfahlbaumühle am Großen Spreewehr errichtet. Das Wasserrad wurde unterschlächtig angetrieben. In der Spreewehrmühle wurden Getreide, Graupen und Hirse gemahlen.