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| 17:06 Uhr

Cottbus
Hinter den Kulissen eines Einkaufsmarktes

Marktleiter Dirk Zander und die Fischfachverkäuferin Grit Krüger schauen nach, zu welchen Fischsorten Kundeninformationsmaterial bestellt werden soll.
Marktleiter Dirk Zander und die Fischfachverkäuferin Grit Krüger schauen nach, zu welchen Fischsorten Kundeninformationsmaterial bestellt werden soll. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Die RUNDSCHAU hat sich angeschaut, wie der Marktkauf Groß Gaglow funktioniert und wie er sich auf den Ansturm vor Feiertagen vorbereitet. Von Stephan Meyer

Volle Gänge, ewiges Suchen und lange Schlangen an den Kassen sind der Albtraum eines jeden Kunden. Im Hinblick auf die bevorstehenden Ostervorbereitungen hoffen viele auf einen stressfreien Großeinkauf. Doch damit die Regale für die Kunden ausreichend gefüllt sind, stehen auch die Lebensmittelhändler vor den Feiertagen vor Herausforderungen. Die RUNDSCHAU hat sich beim Marktkauf in Groß Gaglow umgeschaut, wie Marktleiter Dirk Zander und seine Kollegen die Aufgabe meistern.

Ich kaufe regional 4c
Ich kaufe regional 4c FOTO: LR

4Uhr Von Obst und Gemüse bis zu Fleischwaren und Käse, von Drogerieartikeln bis zu Elektrogeräten – zahlreiche Produkte füllen die Regale, auf der rund 7000 Quadratmeter großen Ladenfläche des Einkaufsmarktes. Doch das alles muss erst einmal dorthin kommen, bevor die Kunden Salami, Tomaten oder Nudeln in den Einkaufswagen legen können. Ein Job für Frühaufsteher. „Die Warenannahme beginnt bei uns circa vier Uhr“, erklärt Marktleiter Dirk Zander. Fünf bis sieben große Lkw beliefern die Filiale über den Tag. Sie kommen aus ganz Deutschland. Drei Vierzigtonner aus dem Zentrallager fahren den Markt schon in den frühen Morgenstunden an. Die Warenmenge sei dabei immer unterschiedlich. „Montag und Mittwoch sind jedoch besondere Tage“, so Zander. Dann käme schon etwas mehr als üblich an.

Damit die Lkw nicht alle auf einmal auftauchen, gibt es für jede Spedition und jeden Lieferanten ein vorher vereinbartes Zeitfenster, in der sie abladen können, wie Jürgen Rittich erläutert. Er betreut die Technik des Marktes und kümmert sich auch um die Warenannahme. Das Lager des Marktkaufs ist leider etwas klein, wie Zander zugibt. Jürgen Rittich muss daher schauen, wie er die Paletten verteilt. „Wo etwas hinkommt, das hängt vom Warendurchfluss ab“, sagt Rittich. Vorher werden die Lieferscheine und die Ware geprüft. „Bei kühlpflichtigen Lebensmitteln messen wir die Temperatur vorher“, erläutert Zander.

Während Verkäuferin Jacqueline Mudrack die Kühlregale auffüllt, nimmt ihr Kollege Marcel Scheppan mit einem Barcodescanner bereits neue Bestellungen auf.
Während Verkäuferin Jacqueline Mudrack die Kühlregale auffüllt, nimmt ihr Kollege Marcel Scheppan mit einem Barcodescanner bereits neue Bestellungen auf. FOTO: Stephan Meyer / LR

6Uhr „Zwischen sechs und acht Uhr ist viel Bewegung im Markt“, so die Erfahrung des Marktleiters. Laut Zander werden dann die meisten Regale bestückt. „Aber wir kriegen nicht alles in den zwei Stunden bewegt“, sagt er. Nebenbei guckt das Personal nach, wie weit der restliche Regalbestand vom Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) entfernt ist. Bei sensiblen Produkten, wie zum Beispiel Fleisch, wird später eine Extrarunde durch den Markt gedreht und das MHD überprüft. Im Laufe des Tages werden auch die restlichen Lücken in den Regalen aufgefüllt. 150 Mitarbeiter sind im Schichtbetrieb für den Markt tätig. Darunter auch Teilzeitkräfte.

Marktleiter Zander zufolge gibt es zum Teil eine gewisse Routine in den Abteilungen des Einkaufsmarktes. Von dieser sei er jedoch ausgenommen. „Jeder Tag ist anders“, gesteht er. Und gerade das sei die Herausforderung. Ein Plan könne nach anderthalb Stunden wieder obsolet sein, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert.

Jürgen Rittich kümmert sich um die Warenannahme. Seit morgens um 4 Uhr ist er im Markt auf den Beinen. Dann kommen die ersten Lkw und bringen neue Lebensmittel für den Marktkauf.
Jürgen Rittich kümmert sich um die Warenannahme. Seit morgens um 4 Uhr ist er im Markt auf den Beinen. Dann kommen die ersten Lkw und bringen neue Lebensmittel für den Marktkauf. FOTO: Stephan Meyer / LR

8Uhr Die Marktkauf-Filiale öffnet ihren Eingangsbereich für ihre Kunden. Es dauert nicht lange, bis die ersten Einkaufswagen durch die Gänge gefahren werden. „Es ist teilweise so, dass 7.45 Uhr die ersten zehn bis 15 Kunden schon auf die Öffnung warten“, erklärt Zander. Ab jetzt sind die Kassen besetzt. Viele würden denken, Abkassieren sei ein einfacher Job, den jeder machen könne, so der Marktleiter. „Das kann jeder gerne mal ausprobieren“, fügt Zander an. Die große Kunst sei es, dabei immer freundlich zu bleiben. Die Verkäufer sitzen bis zu vier Stunden an einer Kasse. Wo Bedarf ist, wird eine zusätzliche Kasse geöffnet. Ab circa 9 Uhr beginnt der Kundenansturm.

Die Suche nach einem bestimmten Artikel, der auf der Einkaufsliste steht, kann manchmal zu einer Sisyphosarbeit werden. „Früher war das noch einfach, als es keine Selbstbedienung gab“, sagt Zander. Er und seine Kollegen stellen sich bei der Sortierung von Produkten immer die Frage: Wie würde der Kunde suchen? „Doch die wird man nie zu 100 Prozent klären können.“ So suchen manche Marktbesucher Kaffeefiltertüten beim Kaffee, andere hingegen im Regal bei den Haushaltsfolien. „Wir schauen, was Sinn macht“, erklärt Zander. Bei der Gestaltung des Marktes gebe es zwar Vorgaben, aber er habe auch einen gewissen Gestaltungsfreiraum.

Verkäuferin Jacqueline Mudrack füllt die Kühlregale auf, ihr Kollege Marcel Scheppan kümmert sich derweil um die Disposition. Mit einem Barcodescanner geht er die Fächer durch und bestellt Ware nach. „Der Kunde kauft bedeutend weniger, wenn die Regale nicht voll sind“, verrät er. Laut Zander werden die Regale aber nach Sinnhaftigkeit gefüllt. Die Ware wird direkt in den Abteilungen bestellt. Während einige Mitarbeiter ausschließlich für Obst und Gemüse verantwortlich sind, kümmern sich andere nur um Getränke. Dennoch käme es vor, dass jemand mal in einer anderen Abteilung einspringen muss. Auch der Marktleiter stellt sich mal an die Kasse, wenn es beim Personal einen unvorhergesehenen Engpass gibt.

12Uhr Jetzt wird die Warenannahme geschlossen. Nach den großen Lkw-Lieferungen in der Früh kamen vormittags Lieferungen über Paketdienste. „Das sind in der Regel kleinere Positionen, meist Zehner-Kartons“, weiß Zander. Darunter oft von regionalen Produzenten wie die Kaffeerösterei aus Cottbus oder das Labieratorium. Jene Hersteller kämen manchmal auch mit ihren eigenen Fahrzeugen. Zander ist es wichtig, auch regionale Artikel im Sortiment zu haben. Für die sei es darüber hinaus ebenfalls von Vorteil, im Sortiment des Marktes zu sein. „Die Produzenten haben dadurch die Chance, mehr potenzielle Kunden anzusprechen.“

Im Hinblick auf die Feiertage macht Zander einen gelassenen Eindruck. „Das Einkaufsverhalten der Kunden ist dann schon ein anderes, und wir brauchen mehr als üblich“, erklärt er. Aber die Planung beginne schon anderthalb bis zwei Wochen eher. „Dann kommt halt ein Lkw mehr am Tag als sonst.“

Während üblicherweise ab 12 Uhr ein Mittagsloch einsetzt, bleibt der Kundenansturm vor den Feiertagen konstant. Manchmal fragt sich Marktleiter Zander schon, wann seine Kunden sich die Zeit nehmen, die ganzen Lebensmittel zuzubereiten und zu essen, die sie vor Festtagen kaufen. Nicht selten seien diejenigen, die vor Kassenschluss mit übervollen Einkaufswagen in der Schlange stehen, nach den Feiertagen die ersten Kunden im Markt.

15Uhr Um diese Zeit beginnt der zweite große Kundenansturm. Vor allem Berufstätige kaufen jetzt nach Feierabend ein. Bis Ladenschluss ist das Kundenaufkommen meist gleichbleibend hoch.

21Uhr Die Kassen im Groß Gaglower Marktkauf schließen. Der häufigste Artikel, der an diesem Tag über das Band ging, war schlicht das Weizenbrötchen. Mehr als 6000 Stück wurden verkauft. Bananen und Butter landen ähnlich häufig in den Einkaufsbeuteln der Kunden. Die letzten Mitarbeiter verlassen den Einkaufsmarkt. An Sonnabenden ist bereits eine Stunde eher Feierabend. Hinter den Kulissen der Filiale passiert nun nicht mehr viel. Nach Ladenschluss übernimmt ein Dienstleister schließlich die Reinigung des Marktes.

Und was passiert mit Waren, die bald ablaufen? Weggeschmissen werde nichts, wie Zander mitteilt. „Nähern sich Lebensmittel dem Mindesthaltbarkeitsdatum, werden sie reduziert angeboten.“ Wenn das nicht funktioniert, gehen die Lebensmittel an die Tafel. Aber der Markt dürfe nicht alles abgeben. Aus hygienischen Gründen werde beispielsweise Fleisch nicht weitergegeben und landet in einer Biogasanlage.