In den Praxis-Räumen gibt es keine Trennung von Fußboden, Wänden und Decke. Alles ist in fließenden Formen miteinander verbunden. 90-Grad-Win-kel gibt es in diesen Räumen nicht. Verzerrte Bilder schmücken die Wände. Je nach Blickwinkel bewegen sie sich scheinbar und lösen sich aus der Nähe betrachtet in Punkte auf. Das Bild-Raster besteht aus immerhin 130 000 Punkten.
Die Schwierigkeit ihrer Arbeit liege vor allem darin, das Kreative mit dem Technischen in Einklang zu bringen, erklärt Markus Hillegaart. Am Rechner haben die zwei die Wandbilder simuliert und das dort erzielte Ergebnis später analog an die Wand gebracht. Die künstlerische Idee mit zeitgemäßen Techniken zu verbinden, betrachtet das kreative Duo immer wieder als „einen großen Spaߓ . Mit der Schwierigkeit steige der Antrieb, die eigenen kunsthandwerklichen Fähigkeiten zu entwickeln, betont Thomas Strauss. Am Ende gewännen sein Partner und er immer mehr kreativen Freiraum. In den zehn Jahren, die sie zusammenarbeiten, sind die Autodidakten spürbar vorangekommen. „Früher haben wir einfach ein Bild an eine Wand gemalt“ , sagt Markus Hillegaart. „Heute spielen wir mit der Fassade, schaffen ein stimmiges Farbkonzept, in dem wir ein fotorealistisches Bild geschickt unterbringen.“
Dass sie keinen Hochschulabschluss haben, stört dabei weder die Gestalter noch ihre Auftraggeber. „Es gibt keinen Beruf, der das enthält, was wir tun“ , sagt Hillegaart. Voraussetzung für ihren Erfolg seien einerseits Kreativität, andererseits handwerkliches Geschick sowie Einfühlungsvermögen beim Umgang mit Kunden.
Es wäre schon nützlich, Maler zu sein, räumt Thomas Strauss ein. Genauso sinnvoll wäre aber auch ein Kunst-, Architektur- oder Bauinge-nieurstudium. Wofür hätte man sich entscheiden sollen?
Nach dem Abitur am Ludwig-Leich-hardt-Gymnasium haben Strauss und Hillegaart die Empfehlung eines erfahrenen Unternehmensberaters beherzigt, die da hieß: Ein erfolgreiches Unternehmen stoppt man nicht. „Wir hatten einfach eine Lücke gefunden“ , schätzt Thomas Strauss ein. Was sie tun, sei „pure Leidenschaft“ . „Früher fanden wir Graffiti toll, haben das aber nie praktiziert“ , erinnert sich sein Kollege. Beide lassen sich von Architektur genauso faszinieren wie von Kunst. „Die großen Wandbilder im Fernsehen“ seien anfangs eine wichtige Anregung gewesen, sagt Strauss. Und Markus Hillegaart bekennt: „Was uns antreibt, ist der Drang, die Grenzen immer wieder zu verschieben.“
Der typische Airbrush-Fantasy-Stil allerdings widerstrebt beiden. „Das war nie unsere Ästhetik“ , sagt Hillegaart. Großen Spaß hingegen haben sie daran, so genannte Eyecatcher zu schaffen. Auf den „kurzen Moment, wo es Klick macht“ , arbeiten sie hin. Deshalb sind auch ihre Bilder so klar strukturiert. Wie die
historische Stadtansicht am Nordausgang der Sprem. Oder ein überdimensionaler Schrank und ein riesiges Aquarium an Plattenbau-Fassaden in einem Senftenberger Wohngebiet. Arbeiten, die für die Künstler zu ihren Lieblingsbildern geworden sind.
Das Duo harmoniert perfekt. „Ich bin der, der mehr redet“ , meint Hillegaart schmunzelnd und lobt die „Genialität“ seines Partners beim fotorealis-tischen Malen. Zum Beweis präsentiert der junge Cottbuser das Erstlingswerk von Thomas Strauss: ein Frauen-Porträt von 1992, das ein wenig an Madonna erinnert. Und versichert: „Da hatte Thomas zum ersten Mal die Airbrush-Pistole in den Händen.“ Eigentlich habe Markus seine Jeans mit dem Spritzapparat verschönern wollen, ergänzt der Freund die Anekdote über den Ausgangspunkt einer unvergleichlichen Cottbuser Erfolgsgeschichte.

Hintergrund Strauss-Hillegaart-Werke
 Das haben die beiden Cottbuser Gestalter unter anderem geschaffen: 2005: Historische Malereien für die Dr.-Oetker-Welt in Bielefeld
2004: Kinderland für die VW- Autostadt
2000: den Expo-Pavillon für Bertelsmann