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| 18:09 Uhr

Hilfe und Herzlichkeit für Flüchtlinge

Dank der Spenden, die das Menschenrechtszentrum und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte gesammelt hatten, konnten 1000 Weihnachtspakete für die Menschen im Flüchtlingslager Dawdye gepackt werden. Die dankbaren Flüchtlinge halfen beim Entladen.
Dank der Spenden, die das Menschenrechtszentrum und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte gesammelt hatten, konnten 1000 Weihnachtspakete für die Menschen im Flüchtlingslager Dawdye gepackt werden. Die dankbaren Flüchtlinge halfen beim Entladen. FOTO: MRZ
Cottbus/Dohuk. Das Cottbuser Menschenrechtszentrum (MRZ) setzt sein Engagement für Flüchtlinge in Lagern im Nordirak fort. Bei ihrem jüngsten Besuch konnten das MRZ und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) 1000 Weihnachtspakete verteilen. Außerdem gab es eine Weihnachtsfeier für die Christen vor Ort. Nicole Nocon

Sylvia Wähling ist erst vor wenigen Tagen aus Kurdistan zurückgekehrt. Ihre Eindrücke sind noch ganz frisch. Wenn sie von ihren Erlebnissen und den Begegnungen mit den Menschen im Nordirak erzählt, ist ihre Begeisterung fast mit Händen zu greifen. "Unsere Kurdistanweihnachtsreise ist nun vorbei - leider! Ich kann für mich sagen, dass es das schönste Erlebnis meines Lebens war - und ich habe einiges erlebt", sagt die Leiterin des Menschenrechtstzentrums.

Mit ihren Partnern von der IGFM mit Sitz in Frankfurt am Main und weiteren Helfern war Sylvia Wähling bereits zum zweiten Mal in Kurdistan. Ende Oktober hatten das MRZ und die IGFM von Spendern medizinische Hilfsmittel zusammengetragen und persönlich in eines der großen Flüchtlingslager nahe der kurdischen Stadt Dohuk gebracht. Vor Weihnachten hatten MRZ und IGFM zu Spenden für eine Paketaktion aufgerufen. "Es konnten 1000 Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln im Wert von insgesamt 40 000 Euro gepackt werden. Auf das Spendenkonto des Menschenrechtszentrums sind hierfür rund 8000 Euro eingegangen", informiert Sylvia Wähling.

Die Pakete wurden am Tag vor Heiligabend nach Erbil geflogen. Am Flughafen wurden sie von kurdischen Peschmerga übernommen und in das 240 Kilometer entfernte Flüchtlingslager in Dawdye transportiert. "Im Lager Dawdye im Nordosten der Millionenstadt Dohuk in den Bergen Kurdistans sind zurzeit 785 Familien, insgesamt über 4600 Jesiden, Christen und einige moslemischen Turkmenen untergebracht. Sie leben in 900 Metallcontainern, die den harten Witterungsverhältnissen angepasst sind. Die Versorgung lässt jedoch zu wünschen übrig", sagt Sylvia Wähling. Die Pakete wurden am 25. und 26. Dezember an die jesidischen und muslimischen Flüchtlinge verteilt. "Die Menschen waren einfach glücklich", freut sich Sylvia Wähling, die sich für die christlichen Flüchtlinge und die christliche Bevölkerung des Dorfes Dawdye eine besondere Überraschung überlegt hatte. "Ich hatte die Eingebung, für sie ein richtiges Weihnachtsfest zu organisieren. Ich wusste einfach, ich muss das machen: ein Fest für 600 Menschen. Wir haben vor Ort eine große Zimmertanne gekauft und Christbaumkugeln. All das war in Kurdistan zu haben. Viele Häuser waren weihnachtlich geschmückt. Fernsehmoderatoren trugen Weihnachtsmannmützen. Während im Iran und in Pakistan Christen und besonders Konvertiten um ihr Leben fürchten müssen, ist im benachbarten irakischen Kurdistan der 25. Dezember sogar ein offizieller Feiertag. Ich war sehr beeindruckt von der Religionsfreiheit und der Toleranz, die in Kurdistan herrschen", betont Sylvia Wähling. Sie ist glücklich, dass ihre Weihnachtsfeier unter einem guten Stern stand. "Frost, Schnee und Regen hätten unsere Pläne zunichte gemacht, denn das Fest sollte auf dem Schulhof von Dawdye stattfinden. Aber wir konnten am 27. Dezember bei blauem Himmel und frühlingshaften Temperaturen feiern", erzählt Sylvia Wähling. Es seien Reden gehalten und Lieder gesungen worden. "Ich hatte die Bundeswehr aus Erbil eingeladen. Der Kommandeur kam mit zehn Offizieren. Wir deutschen Helfer bildeten mit ihnen spontan einen Chor und wechselten uns mit den jungen Frauen des Dorfchores ab, die aramäische Lieder sangen. Es war toll. Auch dass das bestellte Essen viel zu spät geliefert wurde, störte niemanden. Ein DJ legte kurdische Volksmusik auf und wir tanzten zusammen: Flüchtlinge, Dorfbewohner, Helfer und die Bundeswehr. Die Leute waren einfach glücklich und konnten für ein paar Stunden ihre Sorgen beseiteschieben", freut sich Sylvia Wähling. Eine Reaktion der Flüchtlinge habe sie ganz besonders berührt: "Nach der Weihnachtsfeier haben sie uns gesagt, dass sie noch von keiner Hilfsorganisation so viel Herzlichkeit erlebt hätten."

Das MRZ und die IGFM planen bereits ihren nächste Reise nach Kurdistan. "Wir werden im März wieder hinfahren. Auch dann wollen wir nicht mit leeren Händen kommen", sagt Sylvia Wähling. Derzeit bemühe sie sich, zwei Busse zu organisieren. Diese sollen die Flüchtlingskinder, die derzeit nicht beschult werden, aus den Lagern in die umliegenden Schulen bringen. "Außerdem brauchen wir Schulinventar: Möbel und Ausstattung für den naturwissenschaftlichen Unterricht", unterstreicht Sylvia Wähling. Spenden seien willkommen.

Obwohl die Kampfzone des so genannte IS nur wenige Kilometer entfernt war, habe sie sich nie bedroht gefühlt. "Ich wusste, dass die Peschmerga sehr gut auf uns aufpassen und uns nicht dort hinbringen, wo es für uns gefährlich werden könnte", sagt die Leiterin des Cottbuser Menschenrechtszentrums.

Gemischter Chor: Die Helfer aus Deutschland und Bundeswehrsoldaten singen für die Flüchtlinge bei der Weihnachtsfeier.
Gemischter Chor: Die Helfer aus Deutschland und Bundeswehrsoldaten singen für die Flüchtlinge bei der Weihnachtsfeier. FOTO: MRZ