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| 15:06 Uhr

Hilfe bei Schulproblemen
Der Traum von einer Produktionsschule in Cottbus

 In der Herzberger Produktionsschule können Jugendliche ihre Talente entdecken und sich auf eine Ausbildung vorbereiten.
In der Herzberger Produktionsschule können Jugendliche ihre Talente entdecken und sich auf eine Ausbildung vorbereiten. FOTO: Rudow
Cottbus. Es ist eher ungewöhnlich, dass im Cottbuser Sozialausschuss über Träume gesprochen wird. Sven Mochmann, Leiter des Jobcenters, hat es gewagt: Er hat den Stadtverordneten von seinem eigenen Traum erzählt. Er wünscht sich eine Produktionsschule in der Stadt. Von Andrea Hilscher

Es ist eher ungewöhnlich, dass im Cottbuser Sozialausschuss über Träume gesprochen wird. Sven Mochmann, Leiter des Jobcenters, hat es gewagt: Er hat den Stadtverordneten von seinem eigenen Traum erzählt. Er wünscht sich eine Produktionsschule in der Stadt.

Derartige Einrichtungen gibt es im ganzen Bundesgebiet, auch Herzberg, Wildau, Neuruppin und die Prignitz haben eigene Produktionsschulen. Die Grundidee: Hier sollen junge Menschen, meist im Alter zwischen 14 und 27 Jahren, eine zweite, dritte oder gar vierte Chance auf Bildung bekommen. „Es geht um junge Menschen, die wir mit herkömmlichen Angeboten nicht mehr erreichen können“, so Mochmann.

Produktionsschulen nehmen die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen der Jugendlichen zum Ausgangspunkt, legen besonderen Wert auf Wirksamkeitserfahrungen und die Eigenmotivation der Lernenden. Lernen ist systematisch mit praktischem Handeln verschränkt. Mochmann: „Wenn man eine solche Schule aufbauen will, fördert das Land 75 Prozent, die Stadt müsste 25 Prozent der Kosten übernehmen.“ In seinen Augen eine sinnvolle Investition: Junge Menschen, die dauerhaft auf Hartz IV angewiesen sind, seien eine teure Alternative.

Derzeit beziehen 9300 Einwohner Leistungen vom Jobcenter, 1600 von ihnen sind jünger als 25. Unter ihnen sind 523 asylberechtigte Jugendliche, ohne sie läge die Zahl der jungen Leistungsempfänger bei circa 1100. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt aktuell bei 4,6 Prozent. „Wir haben nur noch eine handvoll junger Menschen mit Ausbildung, die arbeitslos gemeldet sind“, so Mochmann.

Das Problem: 355 junge arbeitssuchende Kunden des Jobcenters haben keinerlei Berufsabschluss, 109 Jugendliche verfügen nicht einmal über einen Schulabschluss. Viele von ihnen haben keine ordentliche Wohnung, sind an keinerlei Tagesstruktur gewöhnt. Probleme mit der Familie, Alkohol, Drogen oder Schulden verschärfen die Lage. „Bevor diese Probleme nicht gelöst sind, müssen wir erst gar nicht in die Vermittlung gehen.“ Derzeit setzt das Jobcenter in derart schwierigen Fällen auf eine Art von aufsuchender Sozialarbeit. Ein kleiner Bus fährt dorthin, wo die Jugendlichen sich aufhalten. Bei einer Tasse Tee kann geredet werden, die Berater des Jobcenters können ihnen Hilfsangebote unterbreiten.