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Hier sitzen Migranten, Polizisten und Krimiautoren im Hörsaal

Cottbus. Zufrieden blicken die Mitarbeiter des Weiterbildungszentrums (WBZ) der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg auf ein Vierteljahrhundert ihrer Tätigkeit zurück. Schon 1991 führte die damalige Technische Universität Cottbus Bildungsmaßnahmen nach dem Arbeitsförderungsgesetz im Auftrag des Arbeitsamtes durch. Georg Zielonkowski

Die ersten 32 Absolventen erhielten am 16. Juni 1993 vom Gründungsrektor Professor Dr. Günther Spur ihre Diplome. In den ersten 15 Jahren, damals wurde auch groß gefeiert, haben über 16 600 Personen an 894 Weiterbildungen und weiterbildenden Studien teilgenommen.

Dennoch konnte sich wohl der erste Leiter der damaligen Zentralstelle für Weiterbildung, Klaus-Dieter Pietsch, die Vielfalt der Angebote heute kaum vorstellen. "Keineswegs sind es nur Absolventen unserer Universität, die sich bei uns vorstellen, um nach ihrem Masterstudium weiterführende Maßnahmen zu genießen", erklärt die Leiterin des Weiterbildungszentrums, Pädagogin Birgit Hendrischke.

Um mit der Schriftstellerin Franziska Steinhauer auf einen ganz prominenten Vorlesungsgast zu verweisen: Die Kriminalautorin hat an der BTU ihr berufsbegleitendes Masterstudium "Forensic Sciences" abgeschlossen, jetzt sitzt sie in der gleichnamigen öffentlichen Ringvorlesung, frei übersetzt: "Der Tat auf der Spur". Ihr Anspruch sei, für ihre Arbeit noch tiefer in den Themenalltag der Kriminalisten und eben ins wahre Leben einzudringen: Sie weiß nun mehr über Spurensuche, Laborarbeit, Rechtsmedizin und lässt das in ihre Romane einfließen.

Übrigens sind es derzeit bis zu 300 Menschen, die sich 14-tägig freitags im "Tatort Hörsaal" einfinden, um den Vorträgen der Experten zu lauschen und anschließend zu diskutieren. Daneben ist das Feld der Angebote des WBZ gut sortiert. Den Akademikern werden berufsbegleitend Abschlüsse, gegebenenfalls im Interesse einer beruflichen Neuausrichtung, ermöglicht. Für die Senioren gibt es seit 15 Jahren eine Senioren-Universität, um hier "lebensbegleitend zu lernen".

Eine immer wichtigere Facette der Angebote ist die Integration von Migranten. Das Weiterbildungszentrum kümmert sich besonders um jene, die im Heimatland einen akademischen Abschluss erworben haben, gute Deutschkenntnisse haben und dennoch nicht ausbildungsadäquat beschäftigt sind. Diese "Brückenqualifizierung" war erstmalig im September 2015 an der BTU angeboten worden. "Von den 21 Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Iran und Russland, die dieses Angebot begonnen hatten, haben 18 einen erfolgreichen Abschluss erreicht. Fünf von ihnen konnten wir einen Job bei unseren Partnern in der Wirtschaft anbieten", so die Projektleiterin Isabell Lorenz-Kleitz. Aktuell sind 22 Migranten in dem Projekt unterwegs. Die Projektleiterin hofft, dass auch aus dieser Gruppe möglichst viele Absolventen mit dem Universitäts-Zertifikat in der Tasche und einem Praktikum ihren Platz in der Gesellschaft finden. Die ersten 18 Absolventen bekamen ihr Universitäts-Zertifikat zur Jubiläumsveranstaltung des Weiterbildungszentrums am 6. Dezember von Staatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt überreicht.