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Hermann Hammerschmidt

cottbus.. Heute vor 120 Jahren, am 21. August 1887, ist in Cottbus Hermann Hammerschmidt geboren worden. Er war der älteste Sohn des angesehenen Cottbuser Rechtsanwalts und Justizrates Abraham Ludwig Hammerschmidt.


Nach dem Gymnasiumbesuch in seiner Heimatstadt studierte er - wie später auch seine jüngeren Brüder Hans, Fritz und Walter - Jura und stieg nach erfolgreichem Staatsexamen in die väterliche Praxis in der Bahnhofstraße 62 ein (wo heute ein Stein im Gehsteigpflaster an die Familie Hammerschmidt erinnert).
Im Ersten Weltkrieg war er Soldat in Frankreich und in Russland, wo er sich in den Pripjetsümpfen eine schwere Nierenbeckenentzündung und Gelenkrheumatismus holte, die ihn "frontuntauglich" machten. In den 1920er-Jahren erholte sich die Praxis Hammerschmidt von den Kriegsfolgen. Im April 1933 wurde die Kanzlei von SA-Leuten besetzt, im Jahr 1935 auf Veranlassung der Nazibehörden das Notariat geschlossen. Am 20. Oktober 1938 verlor Hermann Hammerschmidt die Zulassung als Rechtsanwalt. In der Pogromnacht im November 1938, als die Synagoge brannte, wurde Hermann Hammerschmidt verhaftet, sein Büro in der Bahnhofstraße verwüstet.
Aus dem Gefängnis entlassen, wurde er in der Seminarstraße 35 (dem mit seinem Bruder Hans erbauten Wohnhaus) als "Hermann Israel Hammerschmidt, Konsulent" ins Gewerberegister eingetragen, allerdings nur zuständig für die rechtliche Beratung und Vertretung von Juden. Im Sommer 1942 erfolgte die dritte Haussuchung bei der Familie, rituelle Gegenstände des Großvaters und Bücher aus jüdischen Verlagen wurden beschlagnahmt. Anfang des Jahres 1944 wurden die beiden Söhne Helmut und Wolfgang, von den Nazibehörden als "Halbjuden" geführt, zur Zwangsarbeit deportiert.
Im Dezember 1944 wurde Hermann Hammerschmidt in das Gestapo-Lager Schwetig östlich von Frankfurt/Oder verschleppt. Der ebenfalls in Schwetig eingesperrte Cottbuser Kommunist Alfred Donath, der das Lager überlebte, berichtete später, dass Leute einen Tag nach Hammerschmidts Ankunft dessen nackte Leiche mit einem Kopfschuss in einer offenen Güllegrube gefunden hat.
Auf dem jüdischen Teil des Südfriedhofes erinnert ein Säulenportal an den Ermordeten wie an weitere Opfer des Faschismus aus der Familie Hammerschmidt. (dl/hhk)