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Wahlforum
Heiße Debatte und viel Publikum

Forst. Die vier Kandidaten für die Landratswahl haben sich am Sonntag Wählerfragen gestellt.

Dass Schwarze Jule, ein beliebtes Forster Bier, und Politik zusammenpassen, bewies der politische Frühschoppen am Sonntagvormittag im Haus der Musik- und Kunstschule Forst. Von Politikverdrossenheit war jedenfalls keine Spur, als Moderator Andreas Wolff und die zahlreichen Gäste die vier Kandidaten für die Landratswahl am 22. April ins Kreuzverhör nahmen.

Sein Slogan „Dynamisch weiter“ bedeute, die noch offenen Aufgaben in Angriff zu nehmen, erläuterte Amtsinhaber Harald Altekrüger (CDU). Dazu gehöre neben der Einrichtung eines kostenfreien Schülerverkehrs die Etablierung eines Bürgerbusses.

Er wolle ein Signal setzen, „damit es deutlich schneller vorwärts geht“, erläuterte Herausforderer und Landrats-Stellvertreter  Hermann Kostrewa (SPD). Schwerpunkte sehe er ebenfalls beim ÖPNV. Dabei gehe es auch darum, dass Beschäftigte aus der Gastronomie nach der Arbeit noch mit dem Bus nach Hause kommen.

„Wir müssen die Bürger bei Entscheidungen stärker einbeziehen“, forderte Landratskandidat Steffen Kubitzki (AfD). Probleme sollten ehrlich und offen angesprochen werden, betonte er. „Zuhören. Nachdenken. Entscheiden!“, ist der Wahlslogan von Matthias Loehr (die Linke).

Der Landtagsabgeordnete will sich, wenn er Landrat wird, dafür einsetzen, „dass die Wege für die Bürger kürzer werden“. Den Vorschlag einer gemeinsamen Kfz-Zulassungsstelle Cottbus/Spree-Neiße hält er für anachronistisch. Im Digital-Zeitalter müsse es in jeder Kommune mit eigener Verwaltung möglich sein, ein Fahrzeug anzumelden.

Welche Entscheidung im Landkreis bewegt die Kandidaten zur Zeit ganz besonders?, wollte Andreas Wolff wissen.

Das wichtigste Thema sei die weitere wirtschaftliche Entwicklung, sagte Hermann Kostrewa. Für die Wirtschaftsregion Lausitz werde allerdings nach wie vor ein Geschäftsführer gesucht. „Wir müssen dafür sorgen“, so der 1. Beigeordnete, „dass wir ein Konzept haben und mit einer Stimme auftreten.“ Der Kreis müsse in dem Gremium unbedingt vertreten sein.

Neben dem wirtschaftlichen Strukturwandel in der Region hält Steffen Kubitzki die Probleme an der Bundesstraße 169, die „braune Spree“ und die Digitalisierung für vordringlich. Es dürfe in der Debatte nur um Fragen gehen, die auf Landkreis-Ebene gelöst werden können, konterte Matthias Loehr. Ihn bewege unter anderem die Schulpolitik.

Der Wunsch nach einer weiteren weiterführenden Schule im Landkreis sei sehr ausgeprägt. Dazu müssten die Bürgermeister und Amtsdirektoren an einen Tisch geholt werden, um ihnen auf Grundlage der Schülerzahlen einen Vorschlag zu unterbreiten.

Ulrich Märbert aus Forst eröffnete die Frage-Antwort-Runde zwischen Publikum und Kandidaten mit einer  Frage an Steffen Kubitzki und Matthias Loehr. Der Unternehmer und Sportenthusiast schilderte seine Bemühungen um die Öffnung der Forster Sportstätten während der Ferien für den Vereinssport. Die Hallen sollten in den Ferien genutzt werden können, erklärte Steffen Kubitzki, „denn wir können die Jugend nur mit Vereinen in der Region halten“. Und Matthias Loehr  fragte rhetorisch: „Was spricht dagegen? Mir ist nichts eingefallen. Deshalb werde ich einen Weg finden.“

Manfred Geißler aus Forst hinterfragte drei der sechs Ziele im Wahlkampf-Flyer von Amtsinhaber Altekrüger. Dabei ging es unter anderem um den Ausbau von Pflegeeinrichtungen sowie um die zügige und konsequente Bestrafung von Straftätern. Geißlers Frage: „Wie stellen Sie sich das vor?“ Und: „Inwieweit kann der Landkreis darauf Einfluss nehmen?“ Richtig geärgert habe ihn das Vorhaben, die Verwaltung als serviceorientierten Dienstleister zu entwickeln. Er frage sich, wieso der Landrat das nach achtjähriger Amtszeit noch als Ziel formulieren müsse.

Er sehe die Verwaltung „als Partner für die Pflegeeinrichtungen“, um die Situation „nach vorn zu bringen“, erläuterte Harald Altekrüger.

Um eine konsequentere Bestrafung von Straftätern zu erreichen,  müsse die Verwaltung „eng mit der Landespolizei zusammenarbeiten“.

Die Entwicklung zu einem serviceorientierten Dienstleister sei nicht nach einer Legislaturperiode abgeschlossen, sagte Altekrüger. Vor allem die Entwicklung hin zu einer digitalen Welt stelle die Verwaltung ständig vor neue Aufgaben.

(ue)
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