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| 02:33 Uhr

Heino Neumann will großes Kino

FOTO: rur1
Cottbus ". Als mehrfacher Sieger der Filmschau des Cottbuser Festivals ist Heino Neumann vielen Cineasten der Region schon ein Begriff. Von Heimat, der Lausitz und den hier lebenden Menschen handeln die meisten seiner Streifen. Künftig sollen seine Formate wachsen. Ronald Ufer / rur1

Der erste Streifen stammt aus der Zeit, als es in der Lausitz noch Dinosaurier gegeben hat", scherzte Heino Neumann am Freitag zu Beginn seiner kleinen Werksschau in der Galerie Fango. Ein Dutzend Jahre sind seit der Entstehung dieses improvisiert wirkenden Beitrags über das Mensa-Essen an der Fachhochschule Lausitz vergangen. Neumanns jüngster Film trägt den Titel: "Von hier nach Vechta und zurück - vom Suchen und finden der Heimat".

Leichter Grusel

Auch wenn künstlerisch eine kleine Welt zwischen beiden Werken liegt, der damals für Campus-TV gedrehte Beitrag funktioniert noch immer. Das Publikum schüttelt sich bei den Bildern vom Nudel-Gemüse-Auflauf, atmet auf, als dieser überwiegend im Abfall landet. Es glaubt dem Autor aufs Wort, wenn er behauptet, er habe noch nie so schlecht gegessen.

Was folgte waren filmische Blicke auf die Lausitz. Mal nahm Neumann die sorbische Perspektive ein. Mal zeigte er heiter und hintergründig Schattenseiten von Cottbus. Auch einen Teil der Einwohner sparte er nicht aus.

Lausitz mit der Lederhose

Viel Ironie schwingt mit, wenn in einem Neumann-Streifen vorgeblich der niederbayrische Fremdenverkehrsverband in schönstem Dialekt Zuschauern die Lausitz nahebringen will. Bei allem Lachen und Schmunzeln bleibt beim Zuschauer das Denken gefragt, denn manches, was als scheinbar übertriebene Lobpreisung daherkommt, stimmt wirklich.

In der Galerie Fango fand der Streifen das passende Publikum, keine Selbstverständlichkeit, denn Ironie ist bekanntermaßen nicht jedermanns Sache.

Immer geht es bei Heino Neumann um Menschen, als Figuren in seinen Filmen und als Adressaten, die er berühren möchte. Besonders einfühlsam gelang ihm das mit kurzen Beiträgen zu Gedichten sehr junger Poeten, deren Texte er in bewegende Bilder umgesetzt hat. Dabei kamen Heino Neumann auch seine beruflichen Erfahrungen zugute. Er hat in Cottbus Sozialwissenschaften und an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Medienwissenschaften studiert. Und er begleitet als Bildungsreferent der RAA Brandenburg mehrere sozialpädagogische Projekte in Schulen.

Ungezählte Arbeiten

Sieben bis acht Streifen hat der Hobbyfilmemacher mit diversen Partnern und Helfern in manchen Jahren gedreht, in anderen waren es drei bis vier. Wie viele es insgesamt schon sind, kann er selbst nicht sagen. Die Zeit als Kurzfilmer jedoch soll sich dem Ende zuneigen. "Ich bin bereit für den nächsten Schritt", sagte Heino Neumann nach dem Filmabend, während er sich seiner zweiten Leidenschaft widmete, der Musik. Nicht umsonst taucht sein Name im Abspann oft als Autor der musikalischen Untermalung auf. Die Zuversicht, auch mit einem großen Streifen bestehen zu können, brachte ihm der mit dem Publikumspreis der Filmschau belohnte Streifen "Von hier nach Vechta und zurück - vom Suchen und finden der Heimat". Die elfminütige Dokumentation zeigt einen Lausitzer, der seit wenigen Jahren in Niedersachsen lebt, sich dort noch immer eingewöhnt, gern weiter seine Heimat besucht und hierher noch vor der Rente zurückkehren will. "So viele Menschen wie auf diesem Film haben mich noch auf kein anderes Werk angesprochen", freute sich Heino Neumann. "Bewegen und anrühren konnte ich die Zuschauer schon immer. Endlich kam jetzt die entsprechende Bild- und Filmqualität hinzu."

Um die Lausitz und ihre Bewohner könnte es auch im ersten großen Werk gehen, denn aus Cottbus will der Filmemacher nicht weg. Die Stadt habe für ihn genau die richtige Größe. Berlin beispielsweise empfinde er als zu laut und zu nervig. Für sein Ziel "großer Film" nutzt Heino Neumann sein über die Jahre gewachsenes Netzwerk, um ein Thema, Unterstützer und eine Finanzierung zu finden. Er will den Streifen nicht im Alleingang, sondern mit Partnern drehen, die ihn schon bei anderen Arbeiten zur Seite gestanden haben.