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| 13:46 Uhr

Aus der Stadthistorie
Blick auf dritte Carl-Blechen-Schule

 Die Sandower Schule.
Die Sandower Schule. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt von der Schulgeschichte im Cottbuser Stadtteil Sandow.

Das Dorf Sandow gehörte im Mittelalter zur Herrschaft Cottbus, ab Mitte des 16. Jahrhunderts zum Amt Cottbus. Auch kirchlicherseits war Sandow mit Cottbus verbunden, es war nach Cottbus zur Klosterkirche, der wendischen Kirche, eingepfarrt.

Zu dieser frühen Zeit sind bisher nur Andeutungen über den Schulunterricht für Kinder der ärmeren Bevölkerung bekannt. Meist waren es die Küster, die Kantoren der beiden Cottbuser Kirchen, die in ihren Wohnungen gegen ein Entgelt die Kinder unterrichteten. Im September 1717 erließ König Friedrich Wilhelm von Preußen eine Anordnung zum Schulbesuch und zum Schulgeld. Beklagt wurde besonders, dass die Eltern vom Lande ihre Kinder nicht zur Schule schickten. Bekannt ist, dass im Jahr 1740 der Küster Kurtz von der wendischen Kirche das Schulmeisteramt verwaltete, und um das Jahr 1752 war es Georg Slomke. Als dieser 20 Jahre später verstarb, wurde als Berufsbezeichnung nicht nur Küster und Vorsänger, sondern auch Catechet von Sandow angegeben. Für diese Zeit wird erstmals ein „Schullocal“ für Sandow angegeben. Es soll das alte Hirtenhaus gewesen sein.

Erst in den Jahren 1883/1884 ist in Sandow neben dem alten Friedhof ein aus Backsteinen bestehendes Schulhaus erbaut worden. Zwischen Planung und Ausführung der Arbeiten lagen so viele Jahre, dass das neue Gebäude nicht mehr dem Bedarf entsprach und bei seiner Fertigstellung bereits viel zu klein war. Erst nach der Eingemeindung von Sandow zu Cottbus im Jahr 1904 konnte an einen Schulneubau gedacht werden.

Zuerst aber wurde 1909/1910 die dringend benötigte Turnhalle erbaut. Der Berliner Architekt Diplom-Ing. Dr. Mäckelt entwarf das neue Schulgebäude, zu welchem im Frühjahr 1912 der Grundstein gelegt werden konnte. Die Bauausführung bekam die Cottbuser Firma von August Patzelt zugesprochen. Viele Baugewerke und Handwerker aus Cottbus waren an dem Bau und der Innenausstattung beteiligt. Am 13. Oktober 1913 fand die festliche Einweihung des prächtigen Schulgebäudes statt.

Aus Anlass „100 Jahre Schule am Muskauer Platz“ ist von den Städtischen Sammlungen Cottbus in Zusammenarbeit mit der Carl-Blechen-Grundschule und dem Regia Verlag Cottbus im Jahre 2013 ein umfangreiches Buch zur Schulgeschichte mit vielen Illustrationen und Berichten, auch von ehemaligen Schülerinnen und Schülern, herausgegeben worden. Darin kann man Vieles nachlesen. Das Schulhaus war zweizügig als Doppelschule errichtet. Sie bekam die Bezeichnung 5. Gemeindeschule für Knaben und 6  Gemeindeschule für Mädchen.

Dementsprechend gab es auch zwei Haupteingänge, die deutlich auf der alten Postkarte zu sehen sind. Auch waren diese Eingänge ursprünglich auf der heutigen Rückseite des Gebäudes, weil der Straßenverlauf seinerzeit ein anderer war und sogar die Straßenbahn vor der Schule vorbei fuhr.

Bis zum Winter 1944/1945 diente das Gebäude als Schule. Dann wurde der Schulbetrieb eingestellt und das Haus als Notunterkunft für die Flüchtlinge eingerichtet, die aus den Ostgebieten vertrieben wurden.

Als am 15. Februar 1945 die anglo-amerikanischen Bomberverbände ihre todbringende Last über Cottbus abwarfen, blieb auch das prächtige Schulgebäude nicht verschont. Der nördliche Flügel wurde getroffen. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist bis heute nicht bekannt.

Zum 1. Oktober 1945 wurde in der damaligen sowjetischen Besatzungszone der Schulunterricht wieder aufgenommen. Auch in dem erhaltenen Rest der Sandower Schule begann nach Sicherungs- und Aufräumungsarbeiten der Unterricht.

In dem Bericht der Stadtverordnetenversammlung vom 28. September 1948 heißt es zur Sandower Schule, die zu der Zeit die Bezeichnung 2. Einheitsschule trug: „. . ..da die Schäden besonders groß waren, ist sie in keinem guten Zustand. Die Verglasung konnte restlos durchgeführt werden, jedoch ist das Hauptdach erst zu 50 Prozent eingedeckt. Bei schlechter Witterung ist das Schulgebäude bis zum Erdgeschoß z.T. unbenutzbar.“ Und fast ein Jahr später heißt es vor demselben Grenium: „In der 2. Schule ist der Wiederaufbau des zerstörten Flügels unter allen Umständen im kommenden Jahre aufzubauen.“

Wir wissen, dass dieses Schulhaus nie mehr vollkommen aufgebaut wurde. Im Jahr 1952 wurde endlich die Kriegswunde geschlossen. Das Haus ist um einen Ziergiebel kürzer. Auch der Eingangsbereich an der Ostseite mit den beiden Eingangsportalen, besteht nicht mehr.

Nur ein Eingang ist erhalten geblieben, und der heutige Haupteingang befindet sich auf der Westseite des Gebäudes und ist über den alten Schulhof erreichbar. Wegen baulicher Mängel musste die Schule 2008 geschlossen werden.

Nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten konnten die Schülerinnen, Schüler und ihre Lehrkräfte der Carl-Blechen-Grundschule das Gebäude, das speziell für ihre Bedürfnisse ausgebaut worden war, in Besitz nehmen.

Vorhergehende Carl-Blechen- Schulen waren die Gebäude Karl-Liebknecht-Straße 136 und Rudolf-Rothkegel-Straße/Elisabeth-Wolf-Straße 31 a.

 Einst diente das Gebäude als Gemeindeschule.
Einst diente das Gebäude als Gemeindeschule. FOTO: Sammlungen Krause
 Die Sandower Schule.
Die Sandower Schule. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
 Einst diente das Gebäude als Gemeindeschule.
Einst diente das Gebäude als Gemeindeschule. FOTO: Sammlungen Krause