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Cottbus
Heiligabend ohne die Familie

Küchenchef Andreas Choschzick bereitet mit seinem Team im Carl-Thiem-Klinikum besondere Feiertagsessen. Dazu gibt es Heiligabend für jeden Patienten einen Schoko-Weihnachtsmann.
Küchenchef Andreas Choschzick bereitet mit seinem Team im Carl-Thiem-Klinikum besondere Feiertagsessen. Dazu gibt es Heiligabend für jeden Patienten einen Schoko-Weihnachtsmann. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Wo an den Feiertagen die Arbeit selbstverständlich und doch etwas Besonderes ist. Von Daniel Steiger und Peggy Kompalla

Eine psychologische Gratwanderung ist die Weihnachtszeit in der Justizvollzugsanstalt Dissenchen. Anstaltsleiter Oliver Allolio: „Für Inhaftierte sind die kommenden Tage eine besondere Zeit. Da denken viele über die eigene Situation nach. Wir bemühen uns, einen Wechsel von weihnachtlichen Veranstaltungen und sportlichen Wettkämpfen zu organisieren.“ Das soll für Ablenkung sorgen. Ansonsten geht es hinter Gittern durchaus weihnachtlich zu. Im Mehrzweckgebäude steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, es gab eine große Adventsfeier, auf den Tellern landen an den Weihnachtstagen Kartoffelsalat und Würstchen, Hirschgulasch und Kaninchenkeule. Auch Pakete treffen in dieser Zeit verstärkt in Dissenchen ein. „Die Inhaftierten bekommen vor allem Weihnachtsgebäck, Tabak und Kaffee geschickt“, weiß Allolio. Selbst an die Inhaftierten, die keine Post von Partnern oder Familienangehörigen bekommen, wird gedacht. Auf Initiative der Caritas werden für sie in den umliegenden katholischen Gemeinden Päckchen gepackt. In diesem Jahr sind es 30. Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gab es in diesem Jahr für 27 Inhaftierte: die Freiheit. Im Rahmen der Weihnachtsamnestie wurde ihre Zeit im Gefängnis vorzeitig beendet. Oliver Allolio: „Das sind Menschen, deren Haftzeit nicht mehr allzu lange dauert und die nicht gegen die Hausordnung verstoßen haben.“ Eine besondere Zeit sind die Weihnachtstage auch für die Beamten. „Das ist kein einfacher Dienst“, sagt Allolio. „Die Beamten sind hier besonders als Ansprechpartner gefragt.“

Auch am Carl-Thiem-Klinikum (CTK) ist Weihnachten eine besondere Zeit. Damit Patienten trotzdem etwas vom Fest haben, lässt sich die Küche immer etwas Besonderes einfallen. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es Ente mit Rotkohl und Klößen, am zweiten Feiertag Kaninchen mit Rosenkohl und Kartoffeln – beide Male mit Dessert und Weihnachtsgebäck. Kliniksprecherin Susann Winter verrät: „Außerdem bekommt jeder Patient am 24. Dezember einen Weihnachtsmann auf sein Essenstablett.“ Für festliche Atmosphäre in der Klinik sorgen im Advent die Bläser der Cottbuser Kirchgemeinden, genauso wie der Gemischte Chor Limberg. Besonders ist die Weihnachtsfeier der Medizinischen Schule für die jungen Patienten der Kinderklinik. In diesem Jahr wurde „Frau Holle“ aufgeführt. Die Pflegeschüler haben das Bühnenbild selbst gebaut, sich um Kostüme gekümmert und das Stück einstudiert. Natürlich kamen auch Weihnachtsmann und Christkind mit Geschenken.

Bei der Cottbuser Feuerwehr beginnt das Weihnachtsprogramm bereits im Advent. In den beiden großen Wachen an der Dresdener und der Ewald-Haase-
Straße werden Weihnachtsbäume aufgestellt. Die Fenster der Leitstelle werden geschmückt. Feuerwehrchef Jörg Specht verrät: „An den Feiertagen zaubern sich die Kollegen ein eigenes Weihnachtsmenü und es wird an einem langen Tisch gemeinsam gegessen, wenn die Einsatzfrequenz dies zulässt. Alle zur gleichen Zeit an den Tisch zu bekommen, ist allerdings so gut wie unmöglich.“ Außerdem gibt es an den Feiertagen Besuch aus der Chefetage auf den zwei Feuerwachen und in der Leitstelle. „Dabei gibt es keine großen Geschenke“, sagt Specht. „Aber ein Päckchen Kaffee oder eine Stolle als kleines Trostpflaster dafür, dass die Kollegen nicht bei ihren Familien sein können.“

Heiligabend stehen die Straßenbahnen und Busse nicht still. Für die 31 Mitarbeiter von Cottbusverkehr, die an dem Feiertag im Dienst sind, gibt es zumindest etwas Kleines. In diesem Jahr sind es Mini-Baumkuchen, die den Dienst versüßen sollen. Unternehmenssprecherin Christin Heldt: „Auch wenn die Mitarbeiter lieber zu Hause bei der Familie sind, gibt es immer genug freiwillige Meldungen für die Feiertagsdienste. Da ist eine Anerkennung selbstverständlich.“

Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann hält für die Mitarbeiter zu Heiligabend einen kleinen Weihnachtsgruß bereit.
Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann hält für die Mitarbeiter zu Heiligabend einen kleinen Weihnachtsgruß bereit. FOTO: Christin Heldt / Cottbusverkehr