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| 02:33 Uhr

Heftige Debatte um Gesamtschule

Elf Kindertagesstätten der AWO sind am 23.02.2017 teilweise ganztägig im Warnstreik
Elf Kindertagesstätten der AWO sind am 23.02.2017 teilweise ganztägig im Warnstreik FOTO: Dmitri Maruta (126109331) | Fotolia
Cottbus. Die Bildungsausschüsse von Cottbus und Spree-Neiße waren am Donnerstag zusammengekommen, um sich über die Schulentwicklungsplanung bis zum Jahr 2022 auszutauschen und zentrale gemeinsame Probleme zu beraten. Wichtigstes Thema: die Frage nach der Gründung einer neuen Gesamtschule. Andrea Hilscher

Eva Szramek, Leiterin des Schulverwaltungsamtes in Forst: "Wir rechnen für die kommenden Jahre mit stabilen bis steigenden Schülerzahlen, erst ab 2028 wird es einen Rückgang geben." Bei der Erarbeitung der jetzigen Planungen habe sich deutlich gezeigt, dass im südwestlichen Kreis eine weiterführende Schule fehlt. Ein zusätzliches Angebot und die Berücksichtigung der Elternwünsche nach einer Gesamtschule im Kreis seien angemessen."

Cornelia Orphal, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Cottbus, mahnte: "Cottbus und Spree-Neiße sind nicht zu trennen, die Abgeordneten müssen über den Tellerrand schauen und gemeinsam planen."

Bei den Spree-Neiße-Abgeordneten zeigte sich rasch, dass sie sich ziemlich einhellig für eine neue Gesamtschule am Standort Kolkwitz aussprechen - Träger der weiterführenden Schulen im Kreis sind allerdings die Gemeinden. Trotzdem sagt Jürgen Türk (Sachkundiger Bürger, Kreis): "Den Elternwillen sollten wir nicht ignorieren. In Kolkwitz stünde ein Gebäude zur Verfügung, da sollten wir uns doch alle zusammensetzen."

Bei den Cottbuser Kollegen stößt er damit allerdings auf breiten Widerstand. Joachim Bischoff vom Cottbuser Schulverwaltungsamt präsentierte den Kreistagsabgeordneten, was aus seiner Sicht passieren würde, wenn es eine weitere Gesamtschule gibt.

Variante Eins: Der einzige Schulbau in Cottbus, der groß genug wäre, ist das Leichhardt-Gymnasium. Würde dort eine Gesamtschule eingerichtet, fehlt es an einem Gymnasium, die Sachsendorfer Oberschule müsste wegen Schülermangels schließen.

Variante Zwei: Ein Neubau in Cottbus würde zehn Millionen Euro kosten, mittelfristig würden der Sachsendorfer Oberschule und dem Humboldt-Gymnasium die Schüler ausgehen.

Variante Drei: Im Kreis öffnet eine neue Gesamtschule. Auch hier würden Schüler aus Cottbus abwandern, zudem würden Kosten für Schülerbeförderung anfallen.

Soweit die - hinreichend bekannte - Argumentation der Cottbuser Verwaltung. Problematisch:

Zeitgleich muss Bildungsdezernent Berndt Weiße (parteilos) vermitteln, dass er dringenden Bedarf an einer neuen zweizügigen Oberschule in Cottbus hat, die auch Kinder mit Förderbedarf aufnimmt. Außerdem sollen die Theodor-Fontane-Schule, die Sachsendorfer und die Paul-Werner-Oberschule im kommenden Schuljahr eine zusätzliche 7. Klasse einschulen. Lena Kostrewa (Cottbuser SPD-Fraktionschefin) war nicht die Einzige, die den Widerspruch zwischen Schließungsangst und dem Bedarf an neuen Klassen nicht nachvollziehen konnte. Berndt Weiße erklärte ihn mit kurzfristigen Bedarfen durch Flüchtlingskinder. Einigkeit gab es am Ende nicht. Nur den resignierten Hinweis von Gudrun Breitschuh-Wiehe (Grüne): "SPN kann ja eine Schule gründen, damit hat niemand ein Problem."

Zum Thema:
Die Gäste aus dem Kreis waren optimal vorbereitet: Zur gemeinsamen Sitzung mit dem Cottbuser Bildungsausschuss legten sie einen fertig ausformulierten Schulentwicklungsplan vor - und mahnten mehrfach - und mit sichtlichem Genuss an, dass sie sich auch von Cottbus eine derartige Zuarbeit gewünscht hätten. Die aber musste Bildungsdezernent Berndt Weiße (parteilos) schuldig bleiben, seine Vorlage wird erst kommende Woche fertig. Als die Gäste aus SPN den Saal verlassen hatten, gab Lothar Nagel (SPD) zu: "Die haben keine schlechte Show hier abgezogen." Und ein sachkundiger Bürger schimpfte: "Wir haben ganz schön alt ausgesehen. Nächstes Mal müssen wir besser vorbereitet sein."