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| 20:07 Uhr

Hebammen am CTK Cottbus:
„Wir arbeiten aus Berufung“

Maria Struppek (l.) und Dana Werner lassen sich von Kathrin Neumann, Leitende Hebamme am CTK, Details einer anstehenden Geburt erläutern.
Maria Struppek (l.) und Dana Werner lassen sich von Kathrin Neumann, Leitende Hebamme am CTK, Details einer anstehenden Geburt erläutern. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Hebammen am Carl-Thiem-Klinikum wehren sich gegen das schlechte Image ihres Berufes. Sie sagen: „Unsere Arbeit ist schön. Viel schöner, als immer erzählt wird.“ Von Andrea Hilscher

Vorab eine kleine Lesewarnung: Alle Vorurteile, die man dem Hebammenberuf gegenüber hegt, scheinen zu stimmen: Der Personalmangel macht den Alltag stressig und unberechenbar, Schichtdienste sind eine Belastung, die Bürokratie ist ein böser Zeitfresser. Trotzdem scheint es kaum einen schöneren Beruf zu geben, sagen die Hebammen am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK).

Eine von ihnen ist Kathrin Neumann, seit Januar 2018 als Leitende Hebamme am CTK tätig. Mit ihr betreuen derzeit 16 Hebammen die werdenden Mütter, eine von ihnen geht jetzt in Rente, zwei andere sind schwanger. Mindestens drei Stellen müsste Kathrin Neumann also besetzen, fünf wären optimal. Dann könnte sie auch mehr Personal für Stillberatung und Wöchnerinnenbetreuung einsetzen. Doch es fehlt an geeigneten Bewerbern. Im April 2019 könnte sie einige der Schülerinnen übernehmen, die dann ihre Ausbildung an der Medizinischen Schule beenden. „Ich würde mich sehr freuen, wenn diese jungen, motivierten und gestaltungsfreudigen Hebammen unser Team bereichern würden“, sagt Kathrin Neumann.

Trotz des aktuellen Mangels hält sie die ethischen Grundsätze ihres Berufsstandes hoch. „Jede Frau verdient unseren Respekt“, sagt sie. „Die werdenden Mütter sollen gefragt werden, was sie wollen – und was nicht.“ Jede Frau habe das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte, Ruhe und Geduld seien oberste Hebammenpflicht. „Das versuche ich, unseren werdenden Hebammen immer wieder nahe zu bringen“, sagt die erfahrene Geburtshelferin, die sich auch selbst immer wieder Tipps und Kniffe bei Kolleginnen abschaut.

„Jede hat ihre ganz eigene Art und eigenes Wissen.“ Und auch jede Geburt sei immer wieder anders. Nur eines, so sagt sie, bleibt immer wieder gleich. Das wunderbare Geschenk, am Beginn eines Lebens dabei sein zu dürfen. „Dafür bedanke ich mich bei den Müttern nach jeder Entbindung.“

Maria Struppek und Dana Werner sind gerade erst dabei, die tiefen Geheimnisse des uralten Frauenberufes zu erforschen. Sie stehen im dritten Ausbildungsjahr, werden am 31. März 2019 fertig – „und dann beginnt für sie die eigentliche Zeit des Lernens“, sagt ihre Chefin lächelnd. Beide wollen zunächst Klinikerfahrung sammeln, später die Chance nutzen, zum Teil auch freiberuflich zu arbeiten.

Doch schon jetzt haben sie das Wichtigste ihres künftigen Berufes gelernt: Er ist viel mehr als nur knuddelige Babys auf dem Arm zu halten und werdenden Müttern die Stirn zu kühlen. So oder so ähnlich hatten sie sich ihre berufliche Zukunft vorgestellt, das geben beide lachend zu. Die Realität mit all ihren Überraschungen, mit Stress und Müdigkeit, mit Adrenalin, Emotionen und vor allem mit jeder Menge Verantwortung sieht anders aus. „Wir müssen immer wachsam sein, schnell Entscheidungen treffen und einen kühlen Kopf bewahren“, so die jungen Frauen.

Felizitas Kronbügel, Fachbereichsleiterin für die Hebammenausbildung am CTK, drückt es so aus: „Sie müssen den Moment erkennen, wenn sich die Physiologie in Richtung Pathologie entwickelt, wenn sich also während eines normalen Geburtsverlaufs urplötzlich Risiken ergeben.“ Felizitas Kronbügel bildet aktuell 15 werdende Hebammen für ihren Einsatz an Brandenburger Kliniken aus. Im nächsten Ausbildungsdurchgang ab April 2019 hat sie wieder 18 Plätze zu vergeben. „Es wäre schön, wenn wir sie alle vergeben können, der Bedarf an Nachwuchskräften ist groß.“

Die Bewerber sollten mindestens einen qualifizierten  Abschluss der zehnten Klasse vorweisen. „Die meisten haben aber Abitur“, sagt die Ausbilderin. Neben guten Noten in Deutsch und Naturwissenschaften sei vor allem eines wichtig: „Herzblut, Esprit und ein starker Charakter.“