ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:36 Uhr

Bürgerschaftliches Engagement in Cottbus
Teestunde in einem Denkmal

Die Organisatoren des Haus- und Hoffests Holger Kretzschmar (l.) und Hagen Stoletzki sowie Schülerin Frederike wollen dazu beitragen, dass der Japanische Pavillon am Samstag zu  einem Ort der Kultur wird.
Die Organisatoren des Haus- und Hoffests Holger Kretzschmar (l.) und Hagen Stoletzki sowie Schülerin Frederike wollen dazu beitragen, dass der Japanische Pavillon am Samstag zu einem Ort der Kultur wird. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Der Japanische Pavillon im Cottbuser Zentrum ist ein beliebtes Fotomotiv, aber hin und wieder auch Ziel von Vandalismus. Ein Haus- und Hoffest am Samstag soll ein Zeichen für seine positive Nutzung setzen. Von Ulrike Elsner

Teetrinken mit Musik und weiteren Kulturbeiträgen  – welcher Ort wäre für ein solches Vorhaben besser geeignet  als der Japanische Pavillon zwischen Stadthalle und Töpferstraße? Und weil dieser Ort direkt vor ihrer Haustür liegt, nutzen die Bewohner des benachbarten Jugendstilhauses den Pavillon an diesem Samstagnachmittag ab 16.30 Uhr für ein etwa einstündiges Haus- und Hoffest. „Wir wollen damit ein positives Zeichen für Cottbus setzen“, bekennt Holger Kretzschmar vom Organisationsteam. Die Stadt dürfe „nicht nur als sozialer Brennpunkt gesehen werden, sondern mehr noch als Beispiel für bürgerschaftliches Engagement“, sagt der Mitarbeiter eines Berliner Reiseverlags.

Damit knüpfen die Organisatoren an den Ursprung des charmanten Baudenkmals an. Denn entstanden ist es auf Initiative des Verschönerungsvereins auf der vormals etwas verwilderten Fläche zwischen Klosterstraße und Luckauer Wall, berichtet Heimatforscherin Dora Liersch. Der Entwurf stammt vom Architekten Arno Pasig. Die Einweihung erfolgte am 26. November 1906. „Der Stil ist japanisch, auch wenn die Farbgebung eher ägyptisch anmutet“, sagt Dora Liersch. Die Stadt habe das bis heute reizvolle Bauwerk dem damaligen Zeitgeist  zu verdanken, der die Welt auch zu denen brachte, die kein Geld zum Verreisen hatten.

Heute treffen sich hin und wieder Liebespaare am Pavillon. Auch Brautpaare nutzen ihn gern als Kulisse fürs Hochzeitsfoto, und Postkutscher Kai-Uwe Geske stößt hier regelmäßig für die Gäste seiner Stadtführungen ins Horn. Alles das kann Holger Kretzschmar von seiner Wohnung aus gut beobachten. Aber eben auch Grafitti-Schmierereien, Herumgegröle und Müllablagerungen.

Dem wollen die Hausbewohner und ihre Gäste mit ihrer Aktion am 2. Juni entgegentreten. Den Auftakt gibt ein Streicherduo aus dem benachbarten Konservatorium.  Frederike, Schülerin der 6. Klasse an der Erich Kästner-Grundschule, liest aus ihrer Stadtentdecker-Projektarbeit über das charmante Denkmal vor, und Hagen Stoletzki vom Teehaus Oblomow schenkt ganz stilecht chinesischen Tee aus.

Ihm sei das Kleinod sofort aufgefallen, als er im Jahr 2001 mit seiner Familie nach Cottbus zog, sagt der Teehändler. „Den Japanischen Pavillon nehme ich als einen städtischen Gegenentwurf zu Pücklers Pyramiden wahr“, so Stoletzki. „Beides gehört traditionell nicht in unsere Landschaft und fügt sich doch so wunderbar ein, wirkt nicht als Fremdkörper, sondern bereichert uns in seiner Andersartigkeit, regt unsere Gedanken und unsere Fantasie an.“

Mit der Teestunde am Japanischen Pavillon wollen die Beteiligten die Cottbuser für das Kleinod im Cottbuser Zentrum sensibilisieren. „Wir möchten, dass die Stadt ihren Pflichten als Eigentümer Rechnung trägt und diesen Pavillon sauber hält“, sagt Hagen Stoletzki. „So wie sie das auch mit dem Rathaus, den öffentlichen Straßen, Plätzen und Grünanlagen handhabt.“ Denn derzeit sei das Bauwerk bei näherer Betrachtung kein Aushängeschild für die Stadt, sondern biete eher einen traurigen Anblick der Verwahrlosung.

Die Stadt sorge für die Reinigung und Instandhaltung des Einzeldenkmals, könne aber nicht ständig vor Ort sein, erläutert Stadtsprecher Jan Gloßmann. Der Japanische Pavillon sei „ein schöner Hingucker, wenn er nicht als Papierkorb oder Grafitti-Fläche missbraucht wird“. Er ist regelmäßiger Anlaufpunkt für Stadtführungen und Stadtspaziergänge. Vielleicht könne aus der Teestunde am Pavillon ja auch eine bürgerschaftliche Initiative zu seiner Pflege erwachsen. Das würde Holger Kretzschmar gern erreichen.

Dass das Denkmal stärker in den Fokus gerät, wünscht sich auch Geskes Postkutscher-Kollege Ronne Noack. So könnten  der Blick  aus Richtung Ebertstraße und weitere Sichtachsen auf das Bauwerk freigelegt und der zugewucherte Steinplattenweg vom Unkraut befreit werden. „Der Japanische Pavillon ist mein Lieblingsbauwerk“, stellt Ronne Noack fest. „Hier würde ich gern mit meinen Gästen sitzen.“