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| 19:13 Uhr

Heimatkunde
Cottbuser gräbt in Vergangenheit

Hartmut Schatte hat den zweiten Teil seiner Guben-Trilogie geschrieben und stellt das Buch am 22. November erstmals öffentlich vor.
Hartmut Schatte hat den zweiten Teil seiner Guben-Trilogie geschrieben und stellt das Buch am 22. November erstmals öffentlich vor. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Hartmut Schatte berichtet in seinem Buch über Handwerker, die für Fürst Pückler arbeiteten. Von Silke Halpick

Der Cottbuser Autor Hartmut Schatte legt nach: Ein Jahr nach dem Erscheinen seines Buches über den Gubener Turnsport gibt es jetzt mit „Zeitfenster“ den zweiten Teil seiner Guben-Trilogie. Darin erzählt er auch von vielen Querverbindungen nach Cottbus. So haben Gubener Handwerker einst für den Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau gearbeitet und der Cottbuser Mediziner Carl Thiem hielt Vorträge zum Unfallschutz in den Fabriken an der Neiße.

„Die Holzvertäfelungen im Speisezimmer des Schlosses sind immer noch zu sehen“, sagt Schatte. Gefertigt wurden sie von einem Gubener Handwerker, dessen Name allerdings nicht überliefert sei. Der Autor zeigt auf ein Bild im Korrekturexemplar seines neuesten Buches. Fast 400 Seiten ist es stark. Fünf Jahre Recherche- sowie ein Jahr Schreibarbeit stecken darin. Gedruckt wird das Buch im Regia-Verlag mit einer Auflage von 150 Exemplaren. Erstmals öffentlich vorgestellt wird es am 20. November in der Stadtbibliothek in Guben.

Die Geschichte der Gubener Region lässt den Autoren einfach nicht los, obwohl er selbst schon seit mehr als 30 Jahren in Cottbus lebt. Sein erstes Buch über die Geschichte von Groß Drewitz schrieb er noch als Gefälligkeit für einen Verwandten. Dass es „so gut einschlug“, habe er nicht erwartet. „Mehr als 200 Menschen kamen zur Präsentation in den Kastanienhof“, erzählt er. Das war 1995. Danach standen die Ortsbürgermeister bei ihm Schlange. Zahlreiche Dorfchroniken wie von Krayne, Grano, Sembten, Lauschütz, Lübbinchen und Drewitz entstanden. Aber auch für den Cottbuser und Burger Heimatkalender schrieb Schatte regelmäßig Beiträge.

Als „kurios“ bezeichnet der Autor die Episode in seinem neuen Buch, in der Fürst Pückler das Gubener Transportunternehmen Wilhelm Wilke barsch kritisiert. Offenbar habe es Schwierigkeiten beim geplanten Pferdetransport gegeben, woraufhin Pückler von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Spediteur konsequent „absah“. „Das hat dem Ruf des Unternehmens aber nicht geschadet“, stellt Schatte klar. Das Gubener Transportunternehmen feierte im Vorjahr sein 200-jähriges Bestehen und ist damit eines der ältesten aktiven Firmen im Land Brandenburg.

Ein separates Kapitel ist dem frühen Gubener Gesundheitswesen gewidmet. Das städtische Krankenhaus wurde 1867 eröffnet und 1905 umgebaut. „In den beiden Operationssälen gab es auch schwierige Operationen wie an Magen, Leber oder Galle“, erzählt der Autor. Das Krankenhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, „kein Stein blieb auf dem anderen“, so Schatte. Eine Postkarte mit der Gesamtansicht des Gebäudes hat er jetzt von einem Gubener Zahnarzt bekommen.

Vorträge in Guben hielt auch der Cottbuser Mediziner Carl Thiem, der als Mitbegründer der Unfallchirurgie in Deutschland gilt. „In den Tuchfabriken gab es mindestens einen gemeldeten Unfall pro Tag“, berichtet Schatte. Hände, die in die Webstühle gerieten, gehörten zum Alltag. Das Spektrum reichte von Knochenbrüchen bis hin zu tödlichen Verletzungen.

„Die damals gängige Regelung war, dass sich die Betroffenen die ersten 13 Wochen selbst behelfen mussten und erst danach einen Arzt aufsuchen konnten“, sagt der Historiker. Thiem forderte stattdessen die sofortige medizinische Versorgung sowie eine finanzielle Absicherung für die Geschädigten. 1884 wurde das Unfallversicherungsgesetz in Deutschland eingeführt.

Auch bekannte Gubener Köpfe wie der Geobotaniker Heinz-Dieter Krausch, der Maler und Grafiker Klaus Janck oder der Journalist und Moderator Lutz Materne werden in „Zeitfenster“ vorgestellt. Dass es in Guben mehr als 20 Brauereien gleichzeitig gab, hat sogar den Regionalhistoriker einigermaßen überrascht. Auf die Spur des Hopfens brachte ihn seine Leidenschaft fürs Bierdeckelsammeln.

Mittlerweile arbeitet Schatte bereits am letzten Teil seiner Trilogie: „Szenenapplaus“, Geschichten rund um den Zirkus.