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Drogenkriminalität
Harter Kampf gegen Crystal Meth

N-Methylamphetamin (umgangssprachlich abgekürzt Meth oder Crystal).
N-Methylamphetamin (umgangssprachlich abgekürzt Meth oder Crystal). FOTO: dpa
Cottbus. Gerichtsprozesse, die sich mit Crystal-Handel beschäftigen, nehmen deutlich zu, sagt Olaf Jurtz. "Ich habe in diesem Jahr so viele Fälle gehabt wie noch nie", sagt der für den Bereich Drogenkriminalität zuständige Cottbuser Staatsanwalt. Daniel Schauff

Wie viele Crystal-Konsumenten es in Cottbus allerdings gibt, ist unklar. Eine Meldepflicht für Drogenabhängigkeit und -missbrauch gibt es nicht, erklärt der Cottbuser Sozialdezernent Berndt Weiße (parteilos) in einer Antwort auf eine Anfrage des Stadtverordneten Jürgen Maresch (parteilos) in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Er könne nur von denjenigen ausgehen, die sich den Weg zur Suchtberatung Tannenhof finden. Die arbeitet im Auftrag der Stadt.

39 Betroffene aus Cottbus und Umgebung haben es laut aktuellen Zahlen von Tannenhof in eine Beratung geschafft, wohl nur ein kleiner Bruchteil der Konsumenten. Auch deshalb sollen die Präventions- und Beratungsangebote in Cottbus kurzfristig zahlreicher werden. Seit Oktober eine zusätzliche Stelle bei den Suchtberatern eigens für die Beratung von Crystal-Meth-Konsumenten, berichtet Michael Leydecker, Leiter der Cottbuser Suchtberatung, im Sozialausschuss. Seitdem kann Tannenhof auch eine Spätsprechstunde für Betroffene anbieten. Finanziert werde die Stelle fürs aktuelle und nächste Jahr von Land und Stadt.

Wie viele Cottbuser ein Crystal-Problem haben, kann auch Leydecker nicht abschätzen. Zudem, sagt er, reagierten Konsumenten unterschiedlich auf die Droge - trotz des hohen Suchtpotenzials würden nicht alle gleich abhängig und krank. Wer glaubt, seinen Crystal-Konsum "im Griff" zu haben, werde sich kaum professionell beraten lassen. Außerdem landeten einige Abhängige aufgrund von Beschaffungskriminalität auch hinter Gittern und damit außerhalb der Reichweite für die Suchtberater.

Crystal ist eine Partydroge, putscht auf und ist zudem einigermaßen preiswert. Die Konsumenten sind oft jung, bei Tannenhof sind die Crystal-Nutzer neben den Cannabis-Konsumenten die jüngsten. Das Durchschnittsalter lag 2015 bei rund 27 Jahren, bei Cannabis-Konsumenten bei 26 bei Betreuungsbeginn. Das heißt: Der Konsum muss mitunter lange zuvor begonnen haben. Zum Vergleich: Der Betreuungsbeginn beim Alkoholmissbrauch lag bei gut 45 Jahren. "Da sind die meisten Messen schon gesungen", sagt Leydecker im Hinblick auf die zu erwartende kurze Lebenserwartung stark Alkoholkranker.

Umso wichtiger ist es daher, potenzielle Crystal-Konsumenten frühzeitig anzusprechen und aufzuklären. Für neue und ergänzende Maßnahmen der Suchtberatung in Cottbus, speziell für Crystal-Konsumenten, sind laut Sozialdezernent Weiße für das Haushaltsjahr 2018 entsprechende Zuwendungsvoraussetzungen geschaffen worden, um eine Landesförderung von 50 000 Euro in Anspruch nehmen zu können. Die Stadt plant einen Eigenanteil von 12 500 Euro.

Laut Leydecker soll die Suchtberatung insbesondere für Drogenkonsumenten ausgebaut werden - eine wöchentliche Motivationsgruppe, spezifisches Fallmanagement, angeleitete Selbsthilfe für Drogenkonsumenten und eine intensivierte Kontaktaufnahme und Betreuung gehörten dazu. Ebenso soll die Präventionsarbeit verstärkt werden - insbesondere in Schulen und mit Jugendlichen..

Zum Thema:
Die Droge putscht auf, unterdrückt Müdigkeits-, Hunger- und Durstgefühl. Die Dosis muss schnell erhöht werden, um den gleichen Effekt wiederholt erzielen zu können.