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Handwerkermesse: Handwerk ist der Wirtschaftsmotor

Handwerkermesse in Cottbus: Rund 300 Handwerksbetriebe der verschiedenen Zünfte sowie Klein- und Kunsthandwerker aus der Region, neun weiteren Bundesländern sowie aus den Nachbarländern Polen und Tschechien präsentieren sich am Samstag und Sonntag von jeweils 9 bis 17 Uhr in den Messehallen am Cottbuser Stadtring.
Handwerkermesse in Cottbus: Rund 300 Handwerksbetriebe der verschiedenen Zünfte sowie Klein- und Kunsthandwerker aus der Region, neun weiteren Bundesländern sowie aus den Nachbarländern Polen und Tschechien präsentieren sich am Samstag und Sonntag von jeweils 9 bis 17 Uhr in den Messehallen am Cottbuser Stadtring. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Zahlreiche Betriebe haben am Wochenende die Gelegenheit genutzt, sich bei der Cottbuser Handwerkermesse zu präsentierten. Die Firmen freuen sich aktuell über eine sehr gute Auftragslage. Sorgen bereitet den meisten jedoch der Fachkräftemangel Stephan Meyer

Rund 9000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, knapp 300 Aussteller - die Cottbuser Handwerkermesse wird von den Betrieben sehr gut angenommen. Der Forster Steffen Jentsch, der mit seinem Unternehmen dort bereits zum siebten Mal ausstellt, glaubt auch zu wissen warum. "Die Messe ist am besten besucht, dauert bloß zwei Tage, und das allgemeine Interesse ist groß, da die Kunden gezielt hierherkommen", sagt er. Manche Handwerksbetriebe sind mittlerweile Stammgäste der Messe. Drei von ihnen wurden daher bei der Messeeröffnung am Sonnabendvormittag für ihre 20-jährige Treue mit dem goldenen Specht ausgezeichnet. Acht silberne Spechte wurden an Firmen verliehen, die sich zum zehnten Mal als Aussteller präsentierten.

"Das Handwerk ist der Wirtschaftsmotor in der Region", sagte Martina Münch, Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur bei der Eröffnung. Es sei jedoch mittlerweile schwer, einen Handwerker zu finden, wenn wenn er benötigt wird. Damit verweist Münch auf die vollen Auftragsbücher der Handwerksbetriebe. "Man muss teilweise lange warten, was aber auch schön ist." Die langen Wartezeiten seien ein Indiz dafür, dass es dem Handwerk gut geht. "Die Stimmung war insbesondere nach der Wende nicht immer gut", so die Ministerin.

Tatsächlich haben die Aussteller wenig Grund zur Beschwerde. "Wir haben eine Auslastung von knapp hundert Prozent", erzählt David Schwarz, zweiter Geschäftsführer der Firma KLS. Das Auftragspotential sei sehr groß. Viele könnten jedoch aufgrund fehlenden Personals nicht jeden Auftrag annehmen. "Definitiv sind auch wir vom Fachkräftemangel betroffen", weiß Schwarz aus eigener Erfahrung. Obwohl KLS überwiegend über größere Bauunternehmen und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Aufträge akquiriert, präsentiert sich die Firma auf der Messe, um das Privatkundengeschäft zu fördern. "Es geht aber auch um das Sehen und Gesehen werden. Wir betreiben hier auch Netzwerkpflege", so Schwarz.

Auch bei der Schweizer GmbH in Guhrow ist die Auftragslage sehr gut. "Für das erste Halbjahr haben wir schon viel zu tun. Wenn das Wetter besser wird, sind wir in den Startlöchern", stellt Bauleiter Hans Ließmann freudig fest. Wie die KLS, so hat auch die Schweizer GmbH mit der Herausforderung zu kämpfen, geeigneten Nachwuchs zu finden. "Es ist schwierig, Azubis zu gewinnen", so Ließmann. In manchen Jahren konnte seine Firma lediglich einen Lehrling finden. "Die jungen Leute wollen halt nichts Handwerkliches lernen." Bernd Golnik von der Krautz Bau GmbH hingegen hat bisher immer Auszubildende gefunden. "Man muss halt gucken und sich kümmern," erzählt der Geschäftsführer, der bereits über Einstiegsqualifizierungen geeignete Azubis gewonnen hat. "Ich finde es auch gut, wenn die jungen Leute vorher Praktika wahrnehmen", sagt er.

In der Tat ist der Fachkräftemangel das große Problem der Handwerksbetriebe. Laut André Schellhase von der Handwerkskammer ergreifen die Firmen jedoch nicht immer die Initiative. "Die Handwerksbetriebe nehmen sich oft nicht die Zeit, mit uns in die Schulen zu gehen. Eine Onlineanzeige zu schalten, reicht aber nicht mehr aus, um einen Azubi zu finden." Berufsorientierungsmaßnahmen an Schulen stehen in Zukunft im Fokus, da die Schulen ab diesem Jahr verpflichtet sind, entsprechende Konzepte vorzulegen. Den Fachkräftemangel machte auch Martina Münch in ihrer Eröffnungsrede zum Thema. Ein weiteres Problem seien Sicherheitsdefizite im grenznahen Raum. Diese machen den Handwerkern oft das Leben schwer. Gleichzeitig lobte Münch jedoch die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Polizei. Dass es dennoch Nachholbedarf gibt, weiß auch David Schwarz. "Diebstahl, insbesondere von Maschinen, Werkzeugen und Pkw, ist ein Thema. Das war aber 2014 und 2015 schlimmer." Mittlerweile habe er den Eindruck, dass die Zahl der Diebstähle abnehme. Ebenfalls viel aufzuholen gibt es laut Münch bei der Digitalisierung, die für die Handwerker zunehmend wichtiger wird. Bei dem Ausbau von Breitbandinternet müssten die Firmen noch besser werden.