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Aus dem Gericht
Dachdecker auf der Anklagebank

Cottbus. Rumänische Handwerker sollen Hausbesitzer betrogen haben. Jetzt sollen sie finanzielle Wiedergutmachung leisten. Von Stephan Meyer

Im Saal 030 des Cottbuser Amtsgerichts in der Thiemstraße müssen zu Prozessbeginn erst einmal Stühle gerückt werden. Der Platz rechts vor dem Richtertisch ist dieses Mal besonders eng. Sechs Angeklagte, acht Rechtsanwälte sowie vier Dolmetscher müssen Platz finden. Die Angeklagten stammenden aus Rumänien. Ihnen wird versuchter Betrug vorgeworfen.

Es geht um einen Vorfall, der im Frühling 2015 Schlagzeilen in der Region machte. Die Angeklagten sollen den, bei Prozess anwesenden, Geschädigten Dachdeckerarbeiten zu besonders günstigen Preisen angeboten haben, um nach getaner Arbeit horrende Nachforderungen zu stellen. In einem Fall hätten ein Angeklagter einen Auftraggeber zu einer Bankfiliale begleitet, um das Geld entgegenzunehmen. Eine Bankangestellte sei daraufhin misstrauisch geworden und habe die Polizei kontaktiert. Ein Gutachten habe ergeben, dass für die erbrachten Leistungen selbst die ursprünglich, von den Angeklagten verlangten Summen ungerechtfertigt waren.

Zur Verlesung der Anklage kommt es beim Prozess nicht. Angeklagte, Dolmetscher, Sachverständige und Zeugen müssen den Saal räumen. Fast eine Stunde verständigen sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger. Die geschädigten Zeugen, überwiegend Senioren-Ehepaare, warten ungeduldig. Gelegentlich tritt einer der Rechtsanwälte heraus und tauscht sich mit seinem Mandanten aus.

Kurz nach zehn Uhr öffnen sich die Türen zum Gerichtssaal erneut, und alle Beteiligten werden wieder hereingebeten. Das Verfahren wird auf Kosten der Staatskasse unter der Auflage eingestellt, dass die Angeklagten einen Teil des Schadens wiedergutmachen. Die zu zahlenden Beträge variieren zwischen 50 und 1000 Euro.

Einige der Geschädigten sind sichtlich unzufrieden mit den Summen. Die Richterin erklärt, die Zeugen könnten nur Teilbeträge zurückerstatten, da die Angeklagten nicht über genügend Geld verfügen würden. Erst wenn die Angeklagten innerhalb einer Frist von sechs Monaten den Zahlungen nachkommen, gilt das Verfahren als beendet. Darüber hinaus müssen die vermeintlichen Handwerker auf alle Ansprüche verzichten, die sich auf ihre geleisteten Dachdeckerarbeiten beziehen.

Nach dem Prozess erzählt einer der Zeugen, der nicht namentlich genannt werden möchte, dass die Angeklagten mit den Beträgen doch gut weggekommen wären. Diese hätten mit den Forderungen für ihre Arbeiten bis zu 6000 Euro eingenommen und müssten jetzt insgesamt nur rund 3000 Euro Schadenswiedergutmachung leisten. Zwar benötigten die Angeklagten vor Gericht Dolmetscher, aber als sie ihre Dienste den Hausbesitzern anboten, habe es keine Verständigungsprobleme gegeben. „Die sind sehr freundlich, zuvorkommend und weltoffen herüber gekommen“, erzählt der Betroffene.