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| 14:55 Uhr

Aus dem Gericht
Haftstrafe nach Bluttat von Werben

Unvorstellbar: Bert K. hatte versucht, seine ganze Familie zu töten.
Unvorstellbar: Bert K. hatte versucht, seine ganze Familie zu töten. FOTO: Lausitzer Rundschau Medienverlag / Schauff Daniel
Werben/Cottbus. 2013 versuchte ein 26-Jähriger, seine Familie zu töten. Drei Jahre lang soll er nun hinter Gitter. Von Daniel Schauff

Im Prozess um das blutige Familiendrama von Werben ist am Donnerstag ein Urteil vor dem Cottbuser Landgericht gefallen. Drei Jahre lang soll der heute 30-jährige Täter hinter Gitter dafür, dass er im August 2013 seine Mutter, seinen Adoptivvater und seinen Halbbruder mit Messerstichen verletzte. Das Urteil lautet auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Neun Stich- und Schnittwunden bei der Mutter, 14 bei seinem Adoptivvater, eine schwere Brustverletzung beim Bruder, so die Bilanz der Nacht, in der der damals 26-Jährige seine Familie und dann sich selbst auslöschen wollte.

Gleich mehrere Gründe führt das Gericht für die vergleichsweise milde Strafe an: Bereits im Jugendalter hat sich bei dem heute als Arzt praktizierenden eine neurotische Störung ausgeprägt, zur Zeit der Tat litt er zudem nach Überzeugung des Gutachters unter einer Anpassungsstörung. Beides führt zu einer verminderten Schuldfähigkeit. Zudem hat der Täter nach der Schreckensnacht von Werben und einem weiteren Selbstmordversuch kurz darauf sein Leben in den Griff gekriegt, hat sich psychiatrisch behandeln lassen, sein Medizinstudium abgeschlossen und fast 50 000 Euro an seine Familie gezahlt.

Von der dreijährigen Haftstrafe sollen dem Urteil zufolge aufgrund der langen Dauer bis Prozessbeginn drei Monate bereits verbüßt sein. Fraglich ist, ob der Arzt nach einer Haftstrafe wieder praktizieren darf. Sein Anwalt kündigt an, in Revision zu gehen, um eine Bewährungsstrafe zu erreichen.