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Gedenkstätte
Häftlingstreffen im Menschenrechtszentrum

Cottbus . Interessierte Bürger sind am Sonnabend willkommen.

(red/ik) Das ehemalige Gefängnis zu besuchen, in dem man zu Unrecht inhaftiert gewesen ist, ist nicht jedermanns Sache. Für viele ist es lediglich eine Begegnung mit der Vergangenheit, mit der sie abgeschlossen haben, manche können keinen Fuß über die Schwelle der heutigen Gedenkstätte setzen, aber fast alle zucken zunächst zusammen und werden nachdenklich, einsilbig oder doch sehr redselig. Die meisten der in Cottbus zu Unrecht inhaftierten Männer waren gerade mal 18 oder schon 24 Jahre alt, als sie willkürlich aus dem Leben gerissen wurden, mussten sich aber hinter den Cottbuser Gittern anhören, dass sie Kriminelle sind. Am kommenden Samstag um 15 Uhr treffen sich ehemalige Häftlinge in ihrem einstigen Haftort, der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Bautzener Straße 140). Die Begegnung und der Austausch mit Leidensgenossen tut vielen noch heute gut.

Wie ist es aber 28 Jahre nach dem Fall der Mauer mit der Aufarbeitung des SED-Unrechts? Konnte die Politik alle damit verbundenen Probleme lösen? Ein prominenter Politiker aus Hamburg hatte vor einem Jahr den Vorsitzenden des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus, Dieter Dombrowski, gefragt, was noch aufzuarbeiten sei.

Die Tausenden von Opfern könnten zahlreiche offene Wunden ansprechen. Dombrowski, selbst Mitte der 1970er-Jahre in Cottbus inhaftiert, wird bei diesem Häftlingstreffen den Gesprächskreis „Stand der Aufarbeitung des SED-Unrechts“ leiten. Unbewältigte, falsch oder gar nicht angepackte Probleme werden zur Sprache kommen. Eine Lösung muss allerdings die Politik auf Bundes- und Landesebene nach 28 Jahren herbeiführen. Das Häftlingstreffen ist eine für alle interessierten Bürger offene Veranstaltung und richtet sich nicht an einen geschlossenen Kreis von Betroffenen.

Ab 18 Uhr bietet die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, Sylvia Wähling, für interessierte Bürger einen Vortrag zum Friedens- und Versöhnungsmarsch durch das irakische Kurdistan vom vergangenen April an.

Der Besuch der Gedenkstätte ist an diesem Tag frei.