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| 02:32 Uhr

Gutes Leinöl darf nicht bitter sein

Birgit Hanschke und René Schulze haben aus ihrer Vorliebe für gute Öle eine Geschäftsidee entwickelt und sind damit erfolgreich.
Birgit Hanschke und René Schulze haben aus ihrer Vorliebe für gute Öle eine Geschäftsidee entwickelt und sind damit erfolgreich. FOTO: Nocon
Cottbus. Schmellwitz erlebt gerade einen Ölboom. Nach Erdöl wird im Cottbuser Norden nicht gebohrt. Trotzdem lässt sich dort, versteckt hinter einer unscheinbaren Fassade, eine Ölquelle finden: die Bio-Ölmühle der Ölfreunde. Nicole Nocon

René Schulze bringt Besucher schnell unter die Haube. Denn ohne Kopfbedeckung und in Straßenschuhen darf niemand seinen Ölpressen zu nahe kommen - das verlangt die Hygiene.

In den modernisierten Nebengebäuden eines alten Bauerngehöfts am Schmellwitzer Anger arbeiten seit 2015 die Ölpressen. "Im vergangenen April haben wir unsere Produktion von Bonn nach Cottbus verlagert. Ich stamme aus Cottbus und mein Mann aus Berlin. Wir wollten zurück in die Heimat", sagt Birgit Hanschke. Sie hat sich zunächst vorübergehend von ihrer Arbeit in der Verwaltung beurlauben lassen. Für René Schulze, den gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann, ist das Öl-Geschäft, in das er 2010 professionell eingestiegen ist, inzwischen zum Fulltime-Job geworden: "Ölfreund" heißt die Firma der beiden. Ein Ladengeschäft gibt es nicht in der Schmellwitzer Ölmühle. Über www.oelfreund.de vertreiben René Schulze und Birgit Hanschke ihre Produkte.

"Wir verarbeiten ausschließlich Saaten mit Bio-Zertifikat. Das ist bei kalt gepressten Ölen ein absolutes Muss, weil Pestizide fettlöslich sind", informiert René Schulze. Über große Trichter rieseln Leinöl- oder Leindottersaat, Sonnenblumenkerne, Hanfnüsse und Schwarzkümmel in die vier Pressen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Fleischwölfen haben und nach demselben Grundprinzip arbeiten. "Bei der industriellen Ölherstellung werden die Rohstoffe zermahlen, bis zu 190 Grad erhitzt und während des Produktionsprozesses zeitweise mit Chemikalien versetzt, um den maximalen Presserfolg zu erzielen", weiß René Schulze. Seine Öle sind alle nativ. Die naturbelassenen Ölsaaten und Nüsse werden kalt gepresst. Das heißt, dass das Öl rein durch mechanischen Druck gepresst wird, ohne dass die Rohstoffe erwärmt werden. "Das ist etwa beim Leinöl ganz wichtig. Wird es über 42 Grad erwärmt, werden die Vitamine und Fettbegleitstoffe zerstört. Wenn Leinöl vor dem Pressen geröstet wird, zerfallen die Omega-3-Fettsäuren", erklärt der Cottbuser Ölmüller. Deshalb sei es wichtig, Leinöl im Kühlschrank aufzubewahren und schnell zu verbrauchen. "Länger als zwei Monate sollte es nicht gelagert werden. Wenn Leinöl bitter schmeckt, ist das ein Zeichen dafür, dass es nicht mehr gut ist. Aus diesem Grund haben wir kein Leinöl am Lager. Wir pressen es auf Bestellung", betont Schulze.

Der Gesundheitsaspekt ist den Ölfreunden wichtig. "Meine Mutter ist an Krebs gestorben. Dadurch habe ich angefangen, mich vermehrt mit Gesundheitsfragen zu beschäftigen und viel gelesen, auch über Öle. Im Koran wird zum Beispiel dem Schwarzkümmelöl eine Heilwirkung zugesprochen. Heilpraktiker und Ärzte empfehlen Öle gegen Haut- und Herz-Kreislauferkrankungen. Uns rufen Leute an, die mit Leinöl ihren hohen Blutdruck in den Griff bekommen haben", berichtet René Schulze.

"2008 haben wir auf einem Bio-Markt frisch gepresstes Leinöl probiert. Daraufhin haben wir uns eine Ölmühle gekauft, um Öl für den Eigenbedarf zu pressen. Wir haben unsere Familie und Freunde versorgt. Aus der Nachfrage, die immer größer wurde, entstand die Geschäftsidee", erinnert sich der Ölmüller. 5000 Kunden hat "oelfreund.de" inzwischen. "Täglich kommen fünf bis acht Neukunden hinzu", freut sich Birgit Hanschke, die am Tag bis zu 40 Pakete packt und bundesweit versendet.

Neun verschiedene Öle vertreibt die Cottbuser Ölmühle: acht selbst gepresste Bio-Öle. Im Angebot sind auch importierte Bio-Olivenöle aus Griechenland und Italien. "Auf unseren Reisen verbinden wir das Private mit dem Geschäftlichen und besuchen Olivenbauern, die hochwertige Öle herstellen", berichtet Birgit Hanschke.

Auf ihren Urlaubsreisen sei auch der Anstoß zur Erweiterung der Produktpalette gekommen. "In Myanmar ist uns aufgefallen, wie toll die Menschen dort ganz natürlichen Gewürzen und ohne Zusatzstoffe kochen. So haben wir angefangen, uns mit Gewürzen zu befassen und damit, wie sie harmonieren und sich ergänzen. Wir haben viel gelesen und selbst ausprobiert", erzählt René Schulze. Mittlerweile haben die Ölfreunde auch 47 Bio-Gewürze im Angebot, Altbekannte wie Rosmarin oder Basilikum aber auch Exoten wie Kaffirlimettenblätter oder Kubebenpfeffer. Die Gewürze sind ausschließlich im Online-Shop zu haben. "Einige unserer Öle sind seit Kurzem auch bei ,Heimat + Herz' in der Cottbuser Sprem erhältlich", informiert René Schulze.

www.oelfreund.de