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| 02:34 Uhr

Gute Prognosen für ein einstiges Sorgenkind

Cottbuser Baumfachleute besichtigen auf einem Stadtrundgang Naturdenkmäler der Stadt – die RUNDSCHAU war dabei.
Cottbuser Baumfachleute besichtigen auf einem Stadtrundgang Naturdenkmäler der Stadt – die RUNDSCHAU war dabei. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Cottbuser Bäume haben ganz besondere Geschichten zu erzählen. "Vieles hat auch mich überrascht." Das sagt Umweltamtsleiter Thomas Bergner. Während der jüngsten Umweltwoche ist deshalb die Idee entstanden, markante Bäume der Stadt einmal etwas genauer vorzustellen. Heute geht es um den Ginkgo. Sven Hering

Einen umfangreichen Beitrag hat der frühere Revierförster Manfred Rescher im Cottbuser Heimatkalender 2001 dem Ginkgo gewidmet. Der markanteste Vertreter dieser Art steht im Stadtzentrum, Karl-Marx-Straße/Ecke Puschkinpromenade.

Dabei sah es vor einigen Jahren nicht gut aus für den Baum. Trockene Zweigspitzen und angewelktes Laub schon im Sommer bereiteten Sorgen. Erste laienhafte Rettungsversuche bestanden laut Rescher darin, zusätzlich Wasser zu geben, versetzt mit dem stickstoffhaltigen Dünger Piaphoskan. Nach der Wende seien die Bemühungen wesentlich professioneller geworden. So wurde dem Ginkgo Depot-Dünger zugeführt, gleichzeitig der Wurzelraum mit Druckluft belüftet. Der Baum bedankte sich für diese Bemühungen, so Rescher. "Er zeigt sich vitaler und grüner als je zuvor."

Allerdings: Aktuell schätzen die Experten den Zustand als eher schlecht ein. Baumdoktor Jörg Lohmann plädiert deshalb für Tiefendüngung und Belüftung. Vorteilhaft erweise sich an dieser Stelle das noch vorhandene DDR-Pflaster. Das sei durchlässiger als die heute verlegten Pflaster, die Fläche um den Baum werde deshalb nicht so stark versiegelt. Die Prognose für den Ginkgo ist trotz der täglichen Belastung des Baumes durch die Autoabgase gut. "Wenn man sich um ihn kümmert, dann kann er noch ewig stehen", sagt Lohmann.

Der Ginkgo ist laut Heimatforscherin Dora Liersch inzwischen reichlich 150 Jahre alt. Der Standort habe sich dabei mehrfach durchaus gravierend verändert. Seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte der Baum im Gartenpark des Kaufmanns Nathaniel Gottlob Krüger. Mitte der 1930-er Jahre wurde das Grundstück bei der Anlegung der Hindenburgstraße (spätere Karl-Marx-Straße) verkleinert. Als die Straße begradigt und auf die Bahnhofstraße ausgerichtet wurde - das war in den 70er-Jahren - habe sich die Umgebung des Baumes erneut verändert. Dem Gartenbauingenieur Joachim Scherzer sei es zu verdanken, dass der Ginkgo bei den Wohnungs- und Straßenbauten in den Jahren 1971 und 1972 bewahrt wurde.

Auch den behördlichen Restriktionen widerstand der Baum bis heute erfolgreich. So entspricht die Breite des Radweges am Baum nicht der heute geforderten Norm, schreibt Manfred Rescher im Heimatkalender. "Doch der Baum behauptet sich und bestimmt wohltuend das Straßenbild." Das soll möglichst noch lange so bleiben, betont Thomas Bergner.

Zahlen & Fakten
Der Ginkgo in der Karl-Marx-Straße ist der älteste Baum dieser Art in der Stadt. Er ist schätzungsweise gut 160 Jahre alt. Wahrscheinlich ist der Ginkgo die älteste Baumpflanze der Welt. Heute soll es in China noch Exemplare geben, die mehr als 4000 Jahre alt sind. Bäume dieser Art können 30 bis 40 Meter hoch werden. Der Cottbuser Ginkgo misst derzeit etwa 16,5 Meter. Der Stammumfang beträgt 189 Zentimeter. Der Durchmesser der Krone liegt bei neun Metern. 1961 wurde der Ginkgo durch den Rat der Stadt in die Liste der Naturdenkmale aufgenommen. Der Ginkgo ist in der Stadt relativ häufig vertreten. So gibt es etwa 36 Bäume in der Bonnaskenstraße. Weitere Ginkgos stehen in der Lessingstraße, Schmellwitzer Straße, an der Paul-Werner-Gesamtschule, an der Bebelstraße oder an der Parkplatzauffahrt zu Galeria Kaufhof. Auch am Nordring und entlang der Pappelallee finden sich diese Bäume. Die Nüsse des Baums werden in Asien als Medizin bei Asthma oder Verdauungsbeschwerden verwendet. Der getrocknete Extrakt aus den Blättern soll gut für die Blutzirkulation sein. Der Ginkgo ist wegen seiner Widerstandsfähigkeit ein beliebter Straßenbaum in Großstädten.