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Gute Besserung für die Apotheke

Die ausgelernte Pharmazeutisch-Technische Assistentin Laura Stehr (20) arbeitet gern in der Apotheke am Goethepark.
Die ausgelernte Pharmazeutisch-Technische Assistentin Laura Stehr (20) arbeitet gern in der Apotheke am Goethepark. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Der Bedarf an Pflegeberufen steigt vor allem in Brandenburg kontinuierlich an. Medizinbasiertes Fachpersonal wird vor allem in der Lausitz immer stärker benötigt, wie sich kürzlich auf der Bildungsmesse Vocatium in der Cottbuser Lausitzarena gezeigt hat. Jenny Theiler

Die Landesapothekenkammer nutzte die Messe, um mit dem inzwischen eingestaubten Berufsbild des Apothekers aufzuräumen und um künftige Ausbildungsanwärter zu gewinnen. "Viele glauben, dass ein Pharmazeutisch-Technischer Assistent nur Regale wischt und an der Kasse steht", sagt Bettina Greinke von der Landesapotheker Kammer Brandenburg (LAKBB). Dabei seien die drei apothekenbasierten Ausbildungen deutlich vielseitiger und böten vor allem berufliche Aufstiegschancen, weist die Ansprechpartnerin für den Ausbildungs- und Notdienst hin.

Erklärungen für den Fachkräftemangel in der Lausitz bestehen dennoch. Zum einen berichtet Sabrina Kühn aus der Apotheke am Goethepark von einem hohen Leistungsdruck im gesamten Pharmaziestudium. Vor allem kritisiert die 31-jährige Apothekerin das stark verschulte Studium, nach dessen Ende erst das sogenannte "praktische Jahr" begonnen werden kann. "Viele möchten allerdings nicht in einer öffentlichen Apotheke arbeiten, weil man für diese Position auch ein gewisses Redetalent benötigt", weiß Sabrina Kühn. Ausreichendes Einfühlungsvermögen und Empathie würden sich viele Pharmazieabsolventen nicht zutrauen und stattdessen lieber als Laborant und weit weg von den Patienten arbeiten.

Hinzu kommt die im Studium entstandene Verbundenheit zur Ausbildungsstätte. Sabrina Kühn stammt aus Altdöbern und hat in Braunschweig studiert. Nach dem praktischen Jahr kehrte sie dann aus familiären Gründen wieder nach Cottbus zurück und arbeitet jetzt in der Apotheke am Goethepark. Dennoch versteht sie, dass viele junge Apotheker nach Ausbildung keine Ambitionen haben, in ihre Heimatorte zurückzukehren. "Wer Pharmazie studiert hat, bleibt für gewöhnlich auch in seiner jeweiligen Ausbildungsstätte", bestätigt auch Apothekerin Ulrike Mann von der Elisenapotheke Cottbus.

Vom Problem der weit entfernten Ausbildungsstätten sind auch die Auszubildenden zum Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) und zum Pharmazeutisch-Kaufmännischen Angestellten (PKA) betroffen. Laura Stehr (20) aus Cottbus besuchte die Berufsschule in Dresden und pendelte zwei Jahre lang, da sie keine Ausbildungsfinanzierung erhielt.

Laura-Jane Belka legte 2014 die Prüfung zur PKA ab und gehörte damit zum letzten Jahrgang dieses Ausbildungsfachs der Berufsschule in Cottbus. "Viele Vorgesetzte stellen gar keine PKA mehr ein, weil die PTA unsere Arbeit auch machen können", erklärt die 27-Jährige aus der Sandower Apotheke. Ihrer Ansicht nach wäre aber vor allem in großen Städten der Einsatz von PKA durchaus sinnvoll, da die ausgelernten Assistenten zusammen mit dem Apotheker eine gut funktionierende, verzahnte Hierarchie bilden, bei der sich jeder auf den anderen verlassen kann.

Das Hauptproblem für die fehlenden Fachkräfte stellt wohl der demografische Wandel in den kommenden zehn Jahren dar. Julia Bang, LAKBB-Sprecherin, prognostiziert den Wegfall von knapp 30 Prozent des derzeitigen Apothekenpersonals, das bereits das Rentenalter erreicht hat. Das Problem liegt vor allem in den rar gewordenen Studienplätzen: "Nicht mal der Pharmaziestudiengang in Berlin schafft es, mit dem ausgebildeten Fachpersonal den Apothekerbedarf in Brandenburg abzudecken."

Zum Thema:
Apotheker: Studium der Pharmazie (vier Jahre) und ein praktisches Jahr (davon mindestens sechs Monate in öffentlicher Apotheke)Pharmazeutisch-Technischer Assistent: zweijährige Ausbildung mit anschließendem Anerkennungspraktikum von sechs MonatenPharmazeutisch-Kaufmännischer Angestellter: dreijährige Berufsausbildung