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Gutachten soll Schuld am Flugzeugunglück bei Burg klären

Dieses Ultraleichtflugzeug stürzte auf einer Wiese bei Burg ab. Der 51-jährige Pilot kam dabei ums Leben.
Dieses Ultraleichtflugzeug stürzte auf einer Wiese bei Burg ab. Der 51-jährige Pilot kam dabei ums Leben. FOTO: Archivfoto: Hottas
Die Ermittlung der Ursachen, die am 6. März 2002 zum Absturz eines Ultraleichtflugzeuges bei Burg (Spreewald) führten, gestaltet sich aufwändiger als erwartet. „Die bisher vorgelegten Gutachten reichen nicht aus, um diese Frage befriedigend zu klären“, sagt Gregor Lucas, Vorsitzender Richter am Landgericht Bautzen. Von Uwe Menschner

Dort begann ein vom Freistaat Sachsen angestrengter Schadensersatzprozess gegen eine Kamenzer Flugschule, die dem späteren Absturzopfer das Flugzeug vermietete, sowie gegen dessen Hersteller. Der Freistaat fordert von den Beklagten 44 000 Euro zurück, die er als Sterbegeld und als Witwenrente an die Ehefrau des Piloten auszahlte. Der Verunglückte, ein damals 51-jähriger Musikprofessor aus Dresden, stand als Hochschullehrer in Diensten des Bundeslandes.
Kurze Rückblende: Am 6. März 2002 um 11.10 Uhr mietete Michael L. bei einer am Flugplatz Kamenz ansässigen Flugschule ein Ultraleichtflugzeug. Um 12.20 Uhr bemerkten Zeugen im Spreewaldgebiet stark auf- und abschwellende Flugzeuggeräusche. Wenig später lösten sich die rechte Tragfläche und weitere Teile von dem Flugzeug, das daraufhin abstürzte. Der einzige Insasse verstarb noch am Unglücksort.
Die im Zuge der Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Cottbus in Auftrag gegebenen Gutachten deuten nach Ansicht des Freistaates Sachsen darauf hin, dass Fehler am Flugzeug zu dem Absturz führten. "Es wurden mehrere mögliche Unglücksursachen benannt", so Richter Gregor Lucas. So könnte ein deformiertes Propellerblatt Vibrationen ausgelöst haben, die zum Bruch der Tragfläche führten. Außerdem sei es denkbar, dass die Kollision des Flugzeuges mit einem Verkehrsschild wenige Tage vor dem Absturz beim Rangieren am Boden zu unerkannten Materialschäden geführt habe. Schließlich werfen die Gutachten die Frage auf, warum das installierte Rettungssystem nicht ausgelöst wurde. "Hier kam man zu dem Ergebnis, dass der Pilot zwar den Griff betätigte, der Seilzug aber verklemmt war und deshalb nicht reagierte", so der Vorsitzende Richter. Allerdings habe der Flugze ughersteller darauf verwiesen, dass das im Wrack vorgefundene Rettungssystem nicht mit dem original eingebauten übereinstimmte.
Die Beklagten hingegen bestreiten, dass Material- oder technische Fehler zum Absturz führten. Sie verweisen auf ein Gewitter, das am Unglückstag über dem Spreewald niederging und durch heftige Windböen wahrscheinlich den Absturz verursacht habe.
"Die bisherigen Erkenntnisse sind leider nicht hieb- und stichfest, deshalb müssen wir durch einen eigenen Sachverständigen klären lassen, ob Konstruktionsfehler als Unglücksursache in Frage kommen", so Gregor Lucas. Gleichzeitig betonte er, dass „alles noch völlig offen“ sei. Am 16. Februar will das Gericht nun einen „Beweisbeschluss“ fassen, auf dessen Grundlage das neue Gutachten erstellt wird.