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Baustelle
Gulbener Gastronomen fehlt die Hälfte des Umsatzes

Sebastian Locker, Ziegenhof "Zwölf Eichen"
Sebastian Locker, Ziegenhof "Zwölf Eichen" FOTO: Schauff / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Gulben/Cottbus. Sebastian Locker ist ehrlich: "Wir hoffen, dass wir durchhalten", sagt der Chefkoch des "Meck-Café" auf dem Ziegenhof "Zwölf Eichen" in Gulben. Zwei Kollegen mussten schon gehen, nur noch rund die Hälfte des bisherigen Absatzes verzeichnet der davor florierende Ziegenhof dieser Tage. Daniel Schauff

Das Ende der Trockenphase ist zwar in Sicht, liegt aber noch in ferner Zukunft. Bis weit ins nächste Jahr hinein wird die Ortsdurchfahrt Gulben saniert. Die Folge: Vollsperrung. Eine Umleitung gibt es, auch einen Weg zum Ziegenhof. Für einige Kunden würde die einen 15-Kilometer-Umweg bedeuten, sagt Locker. "Und für ein Schälchen Käse fährt keiner so weit."

Wenn Locker über die Produkte vom Hof im Kolkwitzer Ortsteil erzählt, gerät er ins Schwärmen. "Ich überzeuge jeden Skeptiker", sagt er angesichts der vielen zweifelnden Blicke und Kommentare zu Ziegenkäse und -salami. Eine ganze Reihe von Kunden hat er nach eigenen Angaben schon überzeugen können - das Café, seit fünf Jahren auf dem Ziegenhof, hatte eine Stammkundschaft, die das Café-Team ordentlich hat wachsen lassen. Viele von den regelmäßigen Kunden fehlten seit Beginn der Baustelle auf der L 50, trotz Hinweisschildern an der Umleitungsstrecke.

Nicht nur der Ziegenhof leide, sagt der Koch aus dem Hof-Café. Auch gegenüber der RUNDSCHAU beklagten sich bereits Klaus Klämbt vom "Gulbener Blumentopf" und Siegmar Simon von der Landbäckerei über heftigen Kundenschwund. Letzterer sprach noch im August von einem 90-prozentigen Kundenschwund und der Drosselung der Produktion, Klämbt befürchtet noch Schlimmeres im nächsten Jahr im Zuge des nächsten Bauabschnitts, wenn gleich vor seinem Laden die Straße aufgerissen wird.

Sebastian Locker und der Ziegenhof treten in diesem Jahr die Flucht nach vorne an - sie nehmen an der Cottbuser Herbstmesse am 21. und 22. Oktober teil und drehen den Spieß um: Kommen die Kunden nicht mehr zum Hof, kommt der Hof eben zu den Kunden. Locker macht keinen Hehl daraus, dass der Auftritt auf der Messe ein Rettungsversuch ist - Wochenmärkte seien keine Option, erklärt er. Rohmilchkäse, wie er und seine Kollegen ihn anbieten, könne im Freien auf Märkten nicht angeboten werden. Dafür müsste er pasteurisiert werden, was einerseits Geld koste, andererseits aber auch nicht das sei, was die Kunden wollten.