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| 14:49 Uhr

Gulben
Blume für Kleist-Schwester Maximiliane

Die Grabstelle befindet sich auf dem Gulbener Gutsfriedhof.
Die Grabstelle befindet sich auf dem Gulbener Gutsfriedhof. FOTO: Elsner / LR
Gulben. Auf dem kleinen Gutsfriedhof hinter der Gulbener Kirche erinnert ein Grabstein an Maximiliane Auguste Catharina von Pannwitz, geborene von Kleist. Am 29. Januar jährt sich ihr Todestag zum 200. Mal. Geboren wurde sie am 4. November 1778 in Frankfurt (Oder). Der Kolkwitzer Pfarrer Klaus Natho erinnert aus diesem Anlass an die um ein Jahr jüngere Schwester von Heinrich von Kleist:

Während Heinrich von Kleist eine sehr enge Beziehung zu seiner drei Jahre älteren Halbschwester Ulrike hatte und mit ihr in einem sehr engen Briefkontakt stand, ist keinerlei Briefwechsel zwischen ihm und seiner Schwester Maximiliane Auguste bekannt. In Kleists erhaltenen Briefen wird sie nur nebenbei erwähnt. So bittet er in einem Brief vom 13. März 1793 seine Tante Helene von Massow, bei „Gustchen“ Verzeihung dafür zu erwirken, dass er ihr nicht schreibt. Und in einem Brief an seine Halbschwester Ulrike bittet er am 19. Februar 1802 um Informationen über die neuen Verhältnisse nach „Gustels“ Heirat.

Während Kleists Mutter eine geborene von Pannwitz war und einen von Kleist geheiratet hatte, hatte seine Schwester Wilhelm Ludwig Theodor von Pannwitz geheiratet. Sie zog nach Gulben in das Haus, aus dem ihre Mutter stammte. Die Hochzeit wurde 1802 gefeiert. In den 16 Jahren ihrer Ehe hat Maximiliane Auguste sechs Kinder zur Welt gebracht – vier Töchter und zwei Söhne. Ein Sohn starb bereits im Alter von einem Jahr. Die Töchter wurden erwachsen, aber keine erreichte das 60. Lebensjahr. Maximiliane Auguste starb bereits mit 39 Jahren an „Auszehrung“, was auf Tuberkulose oder eine Krebserkrankung hindeuten kann.

Ihr Ehemann war Offizier in der preußischen Armee und kämpfte 1806 bei Jena und Auerstedt gegen die Franzosen. Er stand in häufigem Briefwechsel mit dem preußischen und dem sächsischen König. Zu dem lag er in einer gut dokumentierten Dauerfehde mit dem Cottbuser Magistrat.

Von ihr ist keine Zeile überliefert. Allein ein niemals zugestellter, aber noch existierender Brief von Wilhelmine von Zenge, Kleists Verlobter, gibt einen kleinen Eindruck von der Persönlichkeit der Maximiliane Auguste. Sie schreibt: „Ich habe mich sehr gewundert, dass Auguste als Braut so zärtlich war, da sie doch sonst immer so dagegen sprach ...“ Alles Weitere bleibt im Dunkel der Geschichte. Maximiliane Auguste Catharina von Pannwitz gehört zu den Menschen, die nicht in der ersten Reihe stehen und gern übersehen oder gar vergessen werden. Gerade deshalb wird am 29. Januar eine Blume auf ihrem Grabstein liegen.

(red/pos)