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| 06:17 Uhr

Großer Schaden bei Guhrow
Unbekannte vernichten Futtervorrat eines Rinderzüchters

 Die aufgeschlitzten Futterballen sind nun ein Fall für die Polizei. Marcus Schilka schätzt den entstandenen Schaden auf 6000 Euro.
Die aufgeschlitzten Futterballen sind nun ein Fall für die Polizei. Marcus Schilka schätzt den entstandenen Schaden auf 6000 Euro. FOTO: Schilka Marcus
Guhrow. Für Marcus Schilka ist die Vernichtung von 130 Siloballen am Wochenende eine Katastrophe. Er weiß noch nicht, wie er den Schaden ersetzen kann. Denn Futter ist knapp in diesem Jahr.

Marcus Schilka ist noch immer schockiert. Unbekannte haben zwischen dem 20. und 21. Juli unweit von Guhrow an der Spree 130 Ballen Silage aufgeschlitzt – dringen benötigtes Winterfutter für seine Rinder. „Für uns eine totale Katastrophe“, sagt er.

Als der Biobauer aus Guhrow den Schaden bei der Polizei gemeldet hat, war er zunächst von 120 Ballen ausgegangen, bei genauem Nachzählen weiß er jetzt: 130 Ballen sind betroffen. Die Silage war als Winterfutter gedacht, Schilka züchtet Deutsch Angus und Mastfärsen für den Berliner Biomarkt.

„In diesem Jahr ist die Futtersituation im Spree-Neiße-Kreis noch dramatischer als im vergangenen Jahr“, sagt Schilka. „Es kommt auf jeden Ballen an, wenn wir unsere Tiere durch den Winter bringen wollen.“ Der Guhrower ist sicher, dass es sich bei der Tat nicht um einen Zufall handelt. „Das war kein dumme-Jungen-Streich oder ein Betrunkener“, sagt er. „Dafür dauert es viel zu lange und ist zu anstrengend, derart viele Ballen aufzuschlitzen.“ Er sieht in der Tat einen gezielten Angriff.

Schon jetzt sei es schwierig für die Tiere, auf den vertrockneten Weiden ausreichend Gras zu finden. Für die Zukunft sieht es noch trüber aus. „Der erste Schnitt Heu war bei uns schlechter als 2018. Ob wir einen zweiten machen können, ist noch ungewiss. „Ich schaue andauern auf die Wetterprognose, hoffe auf Regen.“ Vielenh Landwirten in Südbrandenburg geht es inzwischen ähnlich. Über Futterbörsen versuchen sie länderübergreifend, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen und Versorgungslücken zu schließen.

Leere Vorratskammern

Die Vorräte, die jeder Bauer sicherheitshalber immer lagert, hat Marcus Schilka im vergangenen Jahr aufgebraucht. In diesem Jahr hat er verstärkt auf Maisanbau gesetzt, um ausreichend Futter zu bekommen. „Aber der Mais ist vertrocknet, ebenso unsere Sonnenblumen.“ Noch wisse er nicht, wie er seine Herde durchbringen soll. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er.

Im Notfall muss er seinen Tierbestand verkleinern, doch auch das sei bei einem Biohof nicht so einfach. „Wir haben Verträge und klare Vorgaben, was wir wann schlachten dürfen.“

Die Silage droht zu verderben

Momentan versucht er, den Schaden, den die Planenschlitzer angerichtet haben, zu minimieren. Einen teil der Silage kann er verfüttern, bevor das Futter schlecht wird. Durch Milchsäuregärung haltbar gemacht Silage verdirbt schnell, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommt.

„Wir haben bei vielen befreundeten Betrieben nachgefragt, aber die haben natürlich alle anders geplant.“ Er hofft, dass er bei ihnen wenigstens einen Teil seines Vorrates abgeben und gegen Heu eintauschen kann. Auch bei einer Biogasanlage will er anfragen, ob seine Silage dort Verwendung findet. „Aber ich schätze, dass ich die Hälfte der 130 Ballen als Verlust abschreiben kann.“

Für den Biobauern stellt sich immer öfter die Frage, ob sich seine Arbeit noch lohnt. „Wir werden in der Öffentlichkeit angegriffen und als Tierquäler oder Massenmörder angegriffen. Das ist schwer auszuhalten.“ Wirtschaftliche Probleme machen ihm zunehmend das Leben schwer. Der Getreidepreis ist am Boden, für Roggen bekommt er nur noch 200 statt früher 350 Euro pro Tonne.

 Rinderzüchter Marcus Schilka.
Rinderzüchter Marcus Schilka. FOTO: Schilka Markus / privat
(fh/hil)