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| 18:55 Uhr

Ortsjubiläum
Urkunde belegt 550 Jahre Guhrow

 Die Guhrower haben mit ihrem Auftritt beim Heimat- und Trachtenfest in Burg zu ihrem eigenen Dorfjubiläum am 14. und 15. September eingeladen.
Die Guhrower haben mit ihrem Auftritt beim Heimat- und Trachtenfest in Burg zu ihrem eigenen Dorfjubiläum am 14. und 15. September eingeladen. FOTO: Marion Hirche
Guhrow. Ort feiert 550 Jahre seiner Ersterwähnung. Dazu ist ein Buch mit Dorfgeschichten erschienen. Von Marion Hirche

Der brandenburgische Kurfürst hat 1469 seinem Kammerknecht einen Anteil am Dorf „Ghor“ bei Cottbus vermacht. Diese Schenkung wurde in einer Urkunde festgehalten. Diese ist der älteste schriftliche Beweis, dass es zu dieser Zeit den Ort Guhrow gab und für die Guhrower heute der Grund, das 550-jährige Bestehen ihres Ortes zu feiern. Das große Festwochenende ist am 14. und 15. September.

Der Höhepunkt wird der große Festumzug am Sonntag ab 14 Uhr sein. Eine kleine Kostprobe von dem, was da zu sehen ist, gab es bereits beim großen Festumzug des Burger Heimat- und Trachtenfestes. Gut gelaunt zeigten die Guhrower mehrer Facetten ihres dörflichen Lebens auf dem Traktor-Anhänger. In wendischen Trachten verteilten sie Einladungen zu ihrem großen Jubiläumswochenende.

Beim Umzug am 15. September in Guhrow werden dann viele Begebenheiten, die in dem jetzt neu erschienenen Buch über die Guhrower Geschichte enthalten sind, lebendig. Aus Beiträgen von 14 Autoren und fünf Fotografen sowie Bild- und Schriftmaterial aus verschiedenen Nachlässen ist eine  lesenswerte Zusammenstellung aus 550 Jahren  Geschichte  dieses Spreewalddorfes geworden.

Fehlende Schultüten

Im ersten Kapitel geht es um die frühesten Spuren der Besiedlung, um die Guhrower Herren, um den Dreißigjährigen Krieg. Der Leser erfährt, dass der Vater  des Dichters Heinrich von Kleist das Gut Guhrow 1781 kaufte. Nach dem Tod von  Joachim Friedrich von Kleist 1790 verkauften seine sieben Kinder das Gut an die Adelsfamilie Wackerbarth.
Ulrich Bely weiß in seinem Beitrag von fehlenden Schultüten im September 1948 zu berichten: „Am 1. September 1948 hatte ich meinen ersten Schultag. Da gab es für keinen Schüler eine Schultüte. Warum? Weil die Flüchtlinge und Vertriebenen sich diese Tüten nicht leisten konnten. Das war Solidarität“.

Die Veröffentlichung enthält den Nachweis über wendisches Leben in Guhrow, von wendischen Flurnamen bis zu wendischen Bräuchen. Jutta Kaiser hat interessante historische Fotos zusammengetragen, die beweisen, dass in Guhrow lange die Haube getragen wurde. Leser finden hier auch eine Aufnahme von Marie Bossan, die 2007 verstorben ist und eine der letzten täglichen Trachtenträgerinnen war.

Spannendes zur Wirtschaft

Bürgermeisterin Kerstin Jaser hat das Kapitel über Handwerk und Gewerbetreibende geschrieben. Hier hat sich einiges verändert: Bis 1973 gab es eine Schmiede, bis 2000 eine Gaststätte. Die Schneiderei ist jetzt in Ruben. Der Fliesenfachmarkt ist erst nach der Wende entstanden, das Getränkestübchen wurde 1997 eröffnet. Der Milanhof ist für außergewöhnliche Hochzeitsfeiern in ganz Brandenburg bekannt.

Einen Fuhrbetrieb gibt es schon seit Mitte der 50er Jahre. Ebenso gehören ein Friseursalon, ein Bau- und  KFZ-Betriebe zur Wirtschaft des Dorfes. Das wohl traditionsreichste Unternehmen ist die Tischlerei Jaser. Sie wurde als Stellmacherei 1892 gegründet und wird heute von Hartmut Jaser in vierter Generation geführt.

Umzug mit Turnergruppe

Oskar Jaser, der Gründer dieses Handwerksunternehmens, ist auch Mitinitiator der Guhrower Sportvereins 1912 gewesen. In dem Jubiläumsbuch kann man vieles über den nun schon mehr als 100 Jahre alten Verein lesen. Fotos von der historischen Turnergruppe bereichern den Text.

Garantiert ist beim Umzug am 15. September auch wieder eine Männerturngruppe zu sehen. Gezeigt wird, dass man sich nach dem Krieg zu Turnerbällen traf. Das Buch zur Dorfgeschichte wird es während des Festwochenendes zu kaufen geben. Bestellungen sind bei Bürgermeisterin Kerstin Jaser möglich.