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| 19:54 Uhr

Festumzug in Guhrow
„Hebamme Anna hat uns alle auf die Welt geholt“

 Corinne Stecklina erinnerte beim Umzug zum 550. Jubiläum von Guhrow an die Eiersammelstelle des Ortes.
Corinne Stecklina erinnerte beim Umzug zum 550. Jubiläum von Guhrow an die Eiersammelstelle des Ortes. FOTO: Marion Hirche
Guhrow. Guhrow feiert begeistert mit Einwohnern, Freunden und Nachbarn 550 Jahre Ersterwähnung. Von Marion Hirche

Mit 47 Bildern war der Festumzug in Guhrow am Sonntag der Höhepunkt des  Festwochenendes zur 550. Wiederkehr der Ersterwähnung des Ortes. Der preußische Kurfürst hatte seinem Knecht Hans Czinke einen Teil des Dorfes „Ghor“ vermacht. Das war 1469. Diese Urkunde ist der Grund für die Feier in Guhrow.

Im Festumzug am Sonntagnachmittag wurde an viele  Ereignisse und Einwohner des kleinsten Ortes im Amt Burg erinnert. „Hebamme Anna hat uns alle auf die Welt geholt“, war von Bernd und Birgit Teschner und deren Schwester Gudrun Lampel  beim Bierchen nach dem Umzug zu erfahren. Alle drei gehörten zu den zahlreichen Aktiven in dem bunten Zug. „Meine Oma Anna Grabia war in Guhrow 40 Jahre lang als Hebamme tätig. Sogar in ihrer eigenen Hochzeitsnacht wurde sie zum Dienst gerufen. Deshalb habe ich die Hebamme im Umzug gespielt“, sagte Gudrun Lampel.

Ihre Schwester Birgit Teschner schlüpfte in die Rolle der Krankenschwester Fräulein Knabe, die bei  Dr. Fröhlich bis 1980 tätig war. Noch eine gesellte sich zu der Schar der „Anna-Kinder“: Renate Ulrich. Die Cottbuserin hatte einen Vater aus Guhrow und bekannte: „Ich fand den Umzug sehr interessant, da gab es viele Erinnerungen“.

Bernd Teschner spielte den „Alten Töpper“, der eine Kaninchenfellabgabestelle betrieb. Er erzählte fröhlich: „In 25 Jahren können wir’s nicht mehr so machen, drum lassen wir es heute krachen“. Das war wohl Devise für viele Einwohner des Dorfes. Im Umzug erinnerten sie an die Milchmesserin Marie Pehla, an die Viehzähler und -besamer im Ort.

Torsten und Katrin Pehla präsentierten die von Klaus Pehla 1974 gegründete und 1990 geschlossene Gemüseaufkaufstelle. Die Bewohner der Neubaugebiete zeigten, warum Guhrows Einwohnerzahl mächtig gewachsen ist, und die Volleyballer des Sportvereins Guhrow 1912 suchten neue Mitspieler.

Gruppen aus den Nachbardörfern übermittelten Jubiläumsgrüße in wunderschönen Trachten: aus Ruben, Briesen, Werben, Dissen, Striesow, Papitz, Gulben und Ströbitz. Der älteste Umzugsteilnehmer war Adolf Pank mit 95 Jahren. Der englische Oldtimer, in dem er kutschiert wurde, ist Baujahr 1947 und damit 23 Jahre jünger als er selbst.

Familie Schilka stellte die Guhrower Landwirtschaft vor. Der Traktor der LPG „Eintracht“ von 1965 trug die rote Fahne des Rates des Bezirkes und den Wimpel der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Die Schilkas gehörten zu den Familien, die sich das ganze Wochenende lang richtig ins Zeug legten. Bereits am Samstag öffneten sie ihren Hof, beköstigten die Gäste mit Spezialitäten vom Bio-Weiderind. „Der Ansturm war groß, sodass alles alle geworden ist“, sagte  Betriebschef Markus Schilka. Auch auf sieben weiteren Höfen wurden die Besucher liebevoll umsorgt.

Die Mitglieder der Domowina-Ortsgruppe Guhrow glänzten beim Umzug mit schönen wendischen Trachten und stellten den Erntebrauch des Hahnschlagens vor. Nach der „Historien-Parade“ ermittelten sie ihre Erntekönige. Die Kinder bewiesen, dass sie den Umgang mit dem Dreschflegel beim Schlagen auf den Topf gut beherrschen.

Das schwerste Geschenk für das Jubiläumsdorf kam vom Burger Amtsdirektor Tobias Hentschel: eine  massive Holzbank mit Inschrift.  Gezimmert wurde das Stück in Werben. 35 Stunden Arbeit stecken drin, verriet der Werbener Bürgermeister Joachim Dieke.

Am späten Sonntagnachmittag stellte der Guhrower Einwohner Thomas Troppa fest: „Es ist schon toll, dass sich so viele Einwohner beteiligt haben. Es war ein sehr schönes Fest“. Das schönste Geschenk haben sich die Guhrower allerdings selbst gemacht: Es gibt ein Buch über die Geschichte des Ortes mit vielen Erzählungen und Fotos.

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