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| 14:45 Uhr

Theaterstreit
Evan Christ wehrt sich vor Gericht – wird es einen Vergleich geben?

Evan Alexis Christ verlässt nach dem Gütetermin das Arbeitsgericht in Cottbus.
Evan Alexis Christ verlässt nach dem Gütetermin das Arbeitsgericht in Cottbus. FOTO: LR / Ida Kretzschmar
Der Generalmusikdirektor klagt gegen seine Kündigung. Die Querelen am Staatstheater sind am Montag vor dem Arbeitsgericht gelandet. Bei der Güteverhandlung einigt man sich nicht.

Eigentlich werden Güteverhandlungen am Cottbuser Arbeitsgericht im Viertelstunden-Takt angesetzt. Diese dauert fast eineinhalb Stunden. Das öffentliche Interesse ist groß, alle regionalen Medien sind vor Ort, hat doch der Streit zwischen dem Generalmusikdirektor und Ensemblemitgliedern wochenlang für Gesprächsstoff und große Emotionen in der ganzen Lausitz und darüber hinaus gesorgt. So ist es sicher kein Zufall, dass es die letzte Güteverhandlung des Tages ist. Den erwarteten Ansturm auf die öffentliche Verhandlung gibt es allerdings nicht. Nur einige wenige Vertreter aus dem Theater sind gekommen, darunter der Geschäftsführende Direktor René Serge Mund und der Vorsitzende des künstlerischen Personalrates.

Der wegen seines Führungsstils umstrittene Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus, Evan Alexis Christ, wehrt sich mit einer Klage gegen drei außerordentliche Kündigungen vom Ende Mai bis Anfang Juni. Zuvor war er von seiner Arbeitgeberin, der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus – Frankfurt (Oder) bereits beurlaubt worden.

Die Vorsitzende Richterin Anja Thum-Will stellt den Parteien frei, zunächst die Sachlage zu erörtern oder gleich nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Am Ende wird es eine Mischung aus beidem. Eine Einigung aber gibt es noch nicht.

Der Hamburger Rechtsanwalt Joachim Benclowitz, Syndikus des Deutschen Bühnenvereins, der mit Verwaltungsleiterin Claudia Drews auf der Stiftungsseite sitzt, plädiert dafür „zum Wohle der Kunst zu einem Ergebnis zu kommen.“ Man müsse weitere Beschädigungen sowohl der Personen wie auch des Hauses vermeiden. Der künstlerische Personalrat habe das Ensemble noch einmal befragt. Es kann sich mehrheitlich eine weitere Zusammenarbeit mit Evan Christ nicht vorstellen. Bei aller künstlerischer Wertschätzung gehe es darum, ein Klima zu schaffen, in dem die Künstler wieder aufatmen können und ein Neuanfang möglich wird. Intendant Martin Schüler hat mit seinem Rücktritt den Weg dafür freigemacht. Auch Angebote für einen Vergleich mit dem gekündigten Generalmusikdirektor habe es gegeben. Von einem Jahresgehalt von rund 100 000 Euro ist die Rede.

Es habe dazu bereits Gespräche gegeben, bestätigt Annette Krause, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mediatorin aus Potsdam. Sie erklärt, dass es auch im Interesse von Evan Christ liegt, eine schnellstmögliche Lösung zu finden. Von ihrer Seite aus gibt es allerdings mehrere Ansätze. Christ könne sich auch die Weiterbeschäftigung als Generalmusikdirektor bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens vorstellen – mit der längst überfälligen Aufarbeitung der Vorwürfe gemeinsam mit dem Orchester. „Im Dezember 2017 habe ich eine Vertragsverlängerung bis 2024 bekommen. Im Februar dieses Jahres hat mir der Personalrat bescheinigt, dass wir in der Zusammenarbeit mit dem Orchester auf gutem Weg sind. Ich bin noch immer überzeugt, dass es durch Mediation miteinander klappen könnte“, sagt Evan Christ.

Was das Angebot der Stiftung betrifft, sei er bislang von fünf Jahresgehältern ausgegangen: „Meinen ruinierten Ruf wieder herzustellen, kostet viel Zeit und Geld“, bekräftigt er. Und er habe eine junge Familie zu versorgen.

Richterin Anja Thum-Will kann trotz einiger Vorschläge in der Güteverhandlung noch keine Einigung erzielen. Aber man verständigt sich darauf, in den nächsten acht Wochen Vorschläge für einen möglichen Vergleich einzureichen. So lange ruht das Verfahren. Der Stiftungsrat hat bereits am 4. Juli Gelegenheit, das mit auf die Tagesordnung zu nehmen. „Solange wir miteinander reden, ist das durchaus positiv“, kommentiert Vorstandsvorsitzender René Serge Mund.