Schon jetzt ist es ruhig geworden auf dem GBV-Gelände in der Deulowitzer Straße direkt am Gubener Stadtpark. Nur noch 60 der insgesamt 303 Jugendlichen aus ganz Südbrandenburg, die vom Berufsbildungsverein ausgebildet werden oder an einer der berufsbildenden Maßnahmen teilnehmen, lernen und arbeiten noch hier. Der Großteil der angehenden Gartenfachwerker, Beiköche, Hauswirtschaftshelfer, Holzbearbeiter, Metallbearbeiter und Helfer im Gastgewerbe bekommt die Grundlagen seines Berufes schon heute in Cottbus vermittelt. "Wenn die diesjährigen Prüfungen für das dritte Lehrjahr vorbei sind, gibt es keine Ausbildung mehr in Guben", sagt GBV-Geschäftsführer René Breske. Geschlossen werden soll auch die Ausbildungsstätte in Eisenhüttenstadt. Lediglich Verwaltung, technischer Service und der Bereich Wohnen/Service mit insgesamt rund 25 Mitarbeitern verbleiben den Angaben zufolge am Gubener Standort. Der Rest der 119 Angestellte zählenden Belegschaft muss nach Cottbus pendeln. "Für die meisten ist das schon heute Realität, weil der Prozess der Orientierung nach Cottbus bereits 2010 begonnen hat", so Breske. Als Grund für die Verlagerung des Bildungsgeschäftes nennt der Geschäftsführer die Ausschreibungsbedingungen der Bundesagentur für Arbeit für die von der Behörde geförderten Ausbildungsprojekte. "Bildungsmaßnahmen wurden in den letzten Jahren nahezu ausschließlich für den Standort Cottbus ausgeschrieben", sagt Breske.

Seinen Vermutungen zufolge spart sich die Bundesagentur dadurch die Kosten für die Unterbringung der Maßnahmeteilnehmer im Internat sowie die ganztägige Betreuung der Auszubildenden. "Cottbus ist verkehrstechnisch günstiger gelegen als Guben, die Jugendlichen können jeden Tag nach Hause fahren, was häufig aber andere Probleme für sie mit sich bringt."

Das Gubener Wohnheim, in dem zu Spitzenzeiten mehr als 300 Jugendliche ganztägig betreut wurden, bietet jetzt nur noch 23 Azubis eine Unterkunft auf Zeit. Es wirkt verlassen, an den Eingangstüren kleben Schilder, dass nach 16 Uhr abzuschließen ist. Mittlerweile werden die GBV-Wohnheime zunehmend als Pension genutzt.

"Immerhin haben wir die Bildungsmaßnahmen, wenn auch an einem anderen Standort, behalten können. Allerdings stehen dadurch in Guben Ausbildungsobjekte leer, in Cottbus mussten wir unsere Rücklagen in die Hand nehmen und uns neu aufstellen", sagt Breske. Auch das sei neben dem demografischen Wandel und der stärkeren Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt ein Grund für die wirtschaftlich schwierige Situation des GBV.

Von Insolvenz will der Geschäftsführer ausdrücklich nicht sprechen. Mit einem Sanierungskonzept versucht der Bildungsträger, seine Lage zu verbessern. Für die Mitarbeiter brachte das Entgeltreduzierungen zwischen fünf und 15 Prozent, denen die überwiegende Mehrheit der Belegschaft Breske zufolge freiwillig zugestimmt hat. Nicht betr iebswichtige Immobilien und Ausstattungsgegenstände in Guben werden bereits veräußert. Auch betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgesprochen. Näher will sich der Geschäftsführer dazu aber mit Verweis auf noch laufende Prozesse vor dem Arbeitsgericht nicht äußern.

"Die Stimmung ist angespannt", bestätigt Betriebsratsvorsitzende Marion Swietza. Einige Mitarbeiter suchen nach Alternativen. Auch Swietza wird das Unternehmen demnächst verlassen. "Ich wünsche dem GBV, dass er die Durststrecke bald überwunden hat", sagt sie.

Breske setzt seine Hoffnung auf die Ausschreibung für das Jahr 2013, auf die Erstellung "eines guten Angebotes und die Akzeptanz auskömmlicher Preise durch den Auftraggeber", wie er sagt. Zudem will der Bildungsträger neue Geschäftsfelder erschließen. "Gearbeitet wird beispielsweise an einer Produktionsschule in Guben sowie an grenzüberschreitenden Maßnahmen mit Polen", so der GBV-Geschäftsführer.