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| 18:21 Uhr

Cottbus
Grundschulen tragen größte Last

Die Mehrzahl der betroffenen Schüler besucht eine der 13 öffentlichen Grundschulen der Stadt.
Die Mehrzahl der betroffenen Schüler besucht eine der 13 öffentlichen Grundschulen der Stadt. FOTO: Katrin Janetzko / LR
Cottbus. Mehr als 800 Kinder und Jugendliche in Cottbus brauchen zusätzlichen Deutschunterricht. Die Mehrzahl von ihnen besuchen die erste bis sechste Klasse. Von Peggy Kompalla

In Cottbus besuchen derzeit 854 fremdsprachige Kinder und Jugendliche eine Schule, deren Deutschkenntnisse nicht für den Unterricht ausreichen. Darüber informiert Bildungsdezernentin Maren Dieckmann (parteilos) auf eine Anfrage der CDU-Fraktion.

Demnach besucht die Mehrzahl der betroffenen Schüler eine der 13 öffentlichen Grundschulen der Stadt (siehe Grafik). In den Klassenstufen eins bis drei und sieben bis neun seien derzeit kaum freie Schulplätze vorhanden. Die Klassenstärke variiere zwischen 18 und 30 Schülern. „Pro Klasse lernen teilweise bis zu 13 Einzugliedernde – also Schüler mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen – zusammen mit deutschsprachigen Kindern“, so die Bildungsdezernentin.

Wie groß die Belastung an den Schulen ist, belegt eine Zahl sehr eindrücklich. Demnach nahm die Anzahl der Schüler innerhalb nur eines Jahres von September 2016 bis September 2017 an den Grund-, Ober- und Gesamtschulen um rund 400 Kinder zu. „Diese Zahl beinhaltet ausländische und deutsche Schüler“, ergänzt Maren Dieckmann. Mehr Schüler brauchen mehr Lehrer. „Um den Unterricht abzusichern, wurde bereits ab dem Schuljahr 2016/17 eine Zusatzausstattung aller Schulen durch das Staatliche Schulamt vorgenommen.“

Je einzugliedernden Schüler handele es sich um eine zusätzliche Lehrerwochenstunde. „Diese Zusatzausstattung wird vor allem genutzt, um einen gezielten Unterricht im Bereich Deutsch als Fremdsprache beziehungsweise Deutsch als Zweitsprache parallel zum Regelunterricht abzusichern“, sagt die Dezernentin. Die nötigen Lehrkräfte würden teilweise von den Schulen selbst akquiriert. Dabei handele es sich oft um Lehrer aus den Herkunftsländern der Schüler.

Mit dem überwiegenden Teil der Eltern mit Migrationshintergrund gebe es eine gute Zusammenarbeit. „Aber auch Distanz und Ablehnung werden erlebt“, berichtet Maren Dieckmann. Das größte Hindernis sei die Sprachbarriere. „Der Einsatz von Sprachmittlern bereitet an den Schulen personelle und organisatorische Schwierigkeiten“, sagt sie und fügt an: „Hier wären feste Anwesenheitszeiten in den Schulen dringend erforderlich.“ Problematisch sei es, wenn Eltern mit unzureichenden Deutschkenntnissen zum Arzt oder aufs Amt müssten. „Dann nehmen sie oftmals ihre Kinder aus dem Unterricht, damit sie dolmetschen können.“

Die Schulen müssen sich durch die ausländischen Kinder einer Vielzahl von Herausforderungen stellen. Je mehr sich an einer Schule konzentrieren, umso geballter seien die Probleme. Die größte Aufgabe ist und bleibt die Sprachbarriere. Einige Schüler hätten zudem nur mangelnde oder gar keine schulische Vorbildung. Es gebe sogar Analphabeten. Zudem sei es bisweilen schwer, die Kinder ihren Jahrgangsstufen zuzuordnen. Für Zusatzunterricht fehlten oft die Räume. Nicht zuletzt führen kulturelle Unterschiede zu Auseinandersetzungen. Dazu gehöre auch, dass Frauen insbesondere bei Schülern aus Tschetschenien weniger akzeptiert würden. In jedem Fall müssen die Schulen einen höheren Verwaltungs- und Beratungsaufwand stemmen.