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| 16:49 Uhr

Cottbus
150 Keramik-Schmetterlinge als Zeichen der Hoffnung

Drei Tage beschäftigen sich die Kinder  an der Bewegten Grundschule in Cottbus im Rahmen des Butterfly-Projekts mit der Erinnerung an die im Holocaust getöteten Kinder. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Holger Kelch, Lehrern und Eltern bemalten sie in Erinnerung bunte Schmetterlinge.
Drei Tage beschäftigen sich die Kinder  an der Bewegten Grundschule in Cottbus im Rahmen des Butterfly-Projekts mit der Erinnerung an die im Holocaust getöteten Kinder. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Holger Kelch, Lehrern und Eltern bemalten sie in Erinnerung bunte Schmetterlinge. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Fünft- und Sechstklässler der Bewegten Grundschule in Cottbus setzen sich mit dem Schicksal jüdischer Kinder auseinander. Von Silke Halpick

Mit dem erschütternden Schicksal jüdischer Kinder während des Holocaust haben sich Fünft- und Sechstklässler der Bewegten Grundschule in Cottbus auseinandergesetzt.

Die Schule ist die erste in ganz Deutschland, die am weltweiten „Butterfly-Projekt“ teilnimmt. 150 Keramik-Schmetterlinge wurden bemalt. Am 25. Januar 2019 sollen sie an der Außenfassade des Schulgebäudes installiert werden und dort ein Zeichen für Toleranz, Hoffnung und Mitmenschlichkeit setzen.

„Die Welt schaut auf uns“, sagt Nicole Nocon selbstbewusst. Die zweifache Mutter ist die Initiatorin des Projektes. Vor einigen Jahren lernte sie den Amerikaner Steven Schindler kennen. Dessen Vater Alfred Schindler ist ein Holocaust-Überlebender. Er wurde 1938 im Alter von zehn Jahren von der Gestapo im Schulgebäude der Bewegten Grundschule, die damals den Namen Adolf Hitlers trug, verhaftet  und mit seiner gesamten Familie nach Polen deportiert. Nur er und sein Bruder Max überlebten. Sie wanderten nach dem Krieg in die USA aus und ließen sich in San Diego nieder.

„Die Schule pflegt einen engen Kontakt mit der Familie Schindler“, erzählt Nocon. Max Schindler ist im vergangenen Jahr gestorben, doch seine Frau Rose, selbst eine Auschwitz-Überlebende, spricht noch immer mit den Schülern. Auch im Rahmen der Projekttage hatte sie eine Grußbotschaft per Video gesandt. Anschließend übersetzten die Fünft- und Sechstklässler englischsprachige Biografienkarten  von 150 Kindern, die den Holocaust nicht überlebten.

„Das waren wirklich dramatische Schicksale“, sagt Nocon. Berichtet wird beispielsweise von Kindern, die noch nicht einmal ein Jahr alt waren und dennoch in den Gaskammern getötet wurden. Andere Mädchen und Jungen wurden von den KZ-Wärtern zwar aufgepäppelt, aber nur um anschließend für Menschenversuche missbraucht zu werden. „Warum es damals kein Mitleid gab, haben viele der Schüler gefragt“, erzählt Nocon.

Das „Butterfly-Projekt“ wurde im Jahr 2006 von der Jewish Academy San Diego ins Leben gerufen. Die Lehrerin Jan Landau und die Künstlerin Cheryl Rattner-Price waren die Initiatorinnen. Inspiriert wurden sie von der Bauhaus-Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis, die Kindern im Konzentrationslager Kunstunterricht erteilte und selbst in Auschwitz ermordet wurde. Inzwischen beteiligen sich mehr als 200 Einrichtungen weltweit an dem Projekt, von Kanada bis Marokko, von Australien bis Frankreich und Polen.

Die Bewegte Grundschule ist die erste Einrichtung in Deutschland, die beim „Butterfly-Projekt“ mitmacht. „Wir sind zwar nur eine kleine Schule, doch wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Nocon. Ziel ist, die Schüler ihrem Alter entsprechend mit der Geschichte des Holocaust vertraut zu machen, um sie für die Gefahren von Hass, Diskriminierung zu sensibilisieren. Das Projekt soll den Kindern aber auch Mut machen, sich für Toleranz und Mitmenschlichkeit einzusetzen.

„Mittlerweile hat eine Art Holocaust-Müdigkeit eingesetzt“, bedauert Nocon. Auch die Zahl der Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben und darüber berichten können, wird immer geringer. Von der Familie Schindler weiß sie, dass diese die Nachrichten aus Deutschland sehr genau verfolgen und auch was in Cottbus passiert. Nocon hofft, dass sich auch weitere Schulen aus der Region an dem Projekt beteiligen.

Einen Vortrag über die Geschichte seiner Familie und sein Engagement für das Butterfly-Projekt wird Steven Schindler am 25. Januar an der BTU halten.

Der Dokumentarfilm „Not the Last Butterfly“ über das Projekt ist bereits einen Tag zuvor im Obenkino Cottbus zu sehen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.thebutterflyprojectnow.org oder frauf.69@gmx.de.