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| 19:13 Uhr

Cottbus
Grünpflege soll angepasst werden

Erste Hilfe von der Feuerwehr: In diesem Sommer sind Anne Hackel und ihre Kollegen mehrmals zur Rettung der Straßenbäume ausgerückt.
Erste Hilfe von der Feuerwehr: In diesem Sommer sind Anne Hackel und ihre Kollegen mehrmals zur Rettung der Straßenbäume ausgerückt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Insektensterben und Dürre – Cottbuser drängen auf alternative Konzepte. Von Peggy Kompalla

Der Sommer hat es in diesem Jahr besonders gut gemeint. Monatelang Sonnenschein und kaum Regen. Das hat der Natur und damit auch dem städtischen Grün zugesetzt. Die bislang üblichen Pflegezyklen haben kaum geholfen. Deshalb fordert der Umweltausschuss ein Umdenken. Im Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen rennt der Ausschussvorsitzende Wolfgang Bialas (CDU) mit seinem Vorstoß offene Türen ein. Jetzt will er auch die Großvermieter mit ins Boot holen. Denn sowohl die GWC Gebäudewirtschaft Cottbus und die eG Wohnen sind im Umfeld ihrer Immobilien für die Pflege der Grünflächen zuständig.

Die Schilderungen des Sandowers Gert Brotzmann stehen exemplarisch für das Dilemma dieses Sommers. Er beklagt Ende September die Rasenmäher in seinem Wohnquartier zwischen Bodelschwingh- und Möbiusstraße. Die bliesen im Grunde nur Staub in die Luft. „Der Rasen ist doch wegen der Trockenheit überhaupt nicht gewachsen“, sagt er und schiebt mit Unverständnis nach: „Stattdessen hätten die doch lieber die Bäume wässern sollen.“ Dabei habe sich die Familie der Bäume selbst auch angenommen. „Aber wir können doch nicht täglich zehn Eimer Wasser durch die Gegend schleppen.“

Dabei hat die Firma im Grunde nichts falsch gemacht, sondern sich an vertragliche Abmachungen gehalten. Genau dort setzt nun der Umweltausschuss an. In einem Brief an die beiden Großvermieter bittet der Ausschussvorsitzende Bialas, die Unternehmen ihre Grünpflege neu zu organisieren. Dazu gehöre eine „witterungsbedingte Flexibiliät“ in den Verträgen mit den Fachfirmen – „damit Rasen gemäht wird, wenn vorher auch der Rasen gewachsen ist“.

Das ist allerdings nicht der einzige Punkt, der in der Grünpflege künftig Beachtung finden sollte. Die Stadtpolitiker wünschen sich mehr Naturbelassenheit. Das solle nicht nur der Pflanzenvielfalt dienen, sondern insbesondere auch den Insekten und Kriechtieren zugute kommen. So wünscht sich der Fachausschuss, dass die Großvermieter eine „differenzierte Pflegeintensität“ ihrer Flächen prüft. So sei für Rasenstreifen, die an Hecken oder Sträucher grenzen beispielsweise eine weniger intensive Pflege möglich.

Solch einen Vorstoß begrüßt auch der Sandower Gert Brotzmann. Er macht selbst einen Vorschlag: „An der Curt-Möbius-Straße gibt es eine Wiese, wo zwei Wohnblöcke standen. Warum muss die denn überhaupt gemäht werden? Sie würde sich durchaus als Bienenwiese eignen.“

Solche Hinweise nimmt der Bereich Grün- und Verkehrsflächen im Rathaus gern entgegen. Denn die Fachleute setzten sich längst mit alternativen Pflegekonzepten auseinander, wie Petra Krzok dem Umweltausschuss bei seiner jüngsten Sitzung erläutert. Dabei können beide Seiten profitieren – denn nicht nur die Natur wird schonender behandelt, sondern auch die Stadtkasse. Denn weniger beziehungsweise besser getaktete Pflege spart Geld. Das wird angesichts folgender Zahlen schnell deutlich. So ist die Stadt allein für rund 1,8 Millionen Quadratmeter Rasenflächen zuständig. Von denen werden bereits rund 20 Prozent maximal zweimal im Jahr gemäht. Petra Krzok betont: „Das ist aber nicht an allen Standorten möglich.“ Ein Beispiel sei die Puschkinpromenade, wo der Rasen eine beliebte Liegewiese ist und entsprechend kurz gehalten werden muss. „An anderer Stelle geht es um Fragen der Verkehrssicherheit – etwa bei Sichteinschränkungen.“ All das müssten die Fachleute in Erwägung ziehen bei der Verteilung der vier Pflegeklassen.

Die Stadt habe bereits mehrere Blumenwiesen angelegt. Dazu zählten die Pappelallee, aber auch der Anger in Schmellwitz. Auf Friedhöfen gebe es solche Wiesen, aber auch auf der Schlichower Höhe. Derzeit untersucht die Stadt mithilfe wissenschaftlicher Unterstützung mit dem Projekt Green Lab – grünes Labor – die Potenziale für alternative Pflegekonzepte in Schmellwitz.

Für die Stadt Cottbus übernehmen drei Firmen die Grünpflege. Die Verträge gelten noch bis zum Jahr 2021.