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| 17:30 Uhr

BTU-Studenten stellen Einwohnern ihre Konzepte vor
Schmellwitz sucht sein grünes Herz

Erst durch die Luftaufnahme wird klar: Schmellwitz ist viel mehr als nur Neubauten. Der Stadtteil ist vor allem grün. Tatsächlich kommt nirgendwo sonst in der Stadt so viel Grün auf einen Einwohner.
Erst durch die Luftaufnahme wird klar: Schmellwitz ist viel mehr als nur Neubauten. Der Stadtteil ist vor allem grün. Tatsächlich kommt nirgendwo sonst in der Stadt so viel Grün auf einen Einwohner. FOTO: Falcon Crest Air GmbH / B.KUHN
Cottbus. BTU-Studenten haben alternative Pläne für Freiflächen im Stadtteil entwickelt. Nicht alle Ideen kamen bei den Einwohnern an. Das größte Problem sind allerdings die Besitzverhältnisse. Von Peggy Kompalla

Schmellwitz ist gerade ein grünes Labor. Fachleute suchen nach alternativen Pflegekonzepten für die großen Freiflächen im Stadtteil. Dabei sind frische Ideen gefragt. Die haben BTU-Studenten jetzt abgeliefert. Sie reichen von Weiden über Beete und Wald bis hin zu Kultur. Nicht alles kommt bei den Schmellwitzern an. Bei der Vorstellung am Mittwochabend in der Oberschul-Aula bekommen die Studenten ehrliche Antworten und viele Fragen zu ihren Konzepten. Es zeigt sich schnell: Die größte Hürde für eine Entwicklung im Stadtteil sind die Besitzverhältnisse der Freiflächen. Denn das Land, auf dem einst ein Haus stand, gilt weiterhin als Bauland. So verbirgt sich hinter den meisten zusammenhängenden Freiflächen in Wirklichkeit ein Puzzle verschiedener Eigentümer.

Angehende Stadtplaner und Architekten haben im Fachgebiet Landschaftsarchitektur von Professorin Anna Lundqvist in dem Stegreif Frei-Raum-Stadt Schmellwitz ihre ganz eigenen Ansätze zur Nutzung gefunden. Dafür blieben ihnen nur sechs Wochen Zeit. Nicht jede abgelieferte Idee ist neu. So haben die Schmellwitzer bereits Erfahrungen gemacht mit der „Essbaren Stadt“ – also Beeten und Obsthainen im Stadtteil. Bürgervereinschef Michael Tietz ist ehrlich: „Ich habe Zweifel an der Dauer eines solchen Projekts.“ Allerdings könne er sich Mietbeete, um die sich eine Person kümmert, gut vorstellen. „Vielleicht könnte man tatsächlich mit einem guten Beispiel beginnen.“ Ähnliche Ansätze verfolgt die Idee der städtischen Landwirtschaft.

Warum das Schmellwitzer Grün nicht beweiden? Diese Idee hat eine Studenten-Gruppe durchgespielt und kommt zu dem Schluss: Schafe wären in dem Stadtteil für die Landschaftspflege am besten geeignet. Für sieben Tiere auf der Weidefläche zwischen Gotthold-Schwela- und Ernst-Mucke-Straße fielen demnach jährlich rund 10 700 Euro an. Genau das Gegenteil von der Beweidung verfolgt das Konzept der Waldstadt, wobei der grüne Ring um Schmellwitz geschlossen werden könnte.

Am besten kommt bei den Schmellwitzern jedoch die kulturelle Zwischennutzung von Freiflächen an, nach dem Prinzip von Primawetter. Die Initiative belebte in Cottbus bereits das einst heruntergekommene Haus der Armee und die verlassene Kleingartensiedlung Abendfrieden. Solche „Raumpioniere“ können sich die Studenten gut für Schmellwitz vorstellen, wo sich die Einwohner zudem ein besseres Kulturangebot wünschen. Wobei es ein Leichtes sein kann, dass sich örtliche Akteure miteinklinken.

Professorin Lundqvist urteilt: „Eine Kombination aus den verschiedenen Szenarien wäre ein geeigneter Weg für eine Belebung und Weiterentwicklung des Ortsteils Schmellwitz.“ Bald wird es weitere Ideen geben. Denn auch das BTU-Fachgebiet Ökologie und Abfallwirtschaft wird sich mit Schmellwitz auseinandersetzen.