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| 16:22 Uhr

Haus steht vor Eigentümerwechsel
Mieterbund ringt um Wohnprojekt

 Ein Transparent hängt an einem gegenüberliegenden Gebäude, nah am Bonnaskenplatz, wo das Karlstraßenfest stets stattfindet: „K 29 bleibt!“
Ein Transparent hängt an einem gegenüberliegenden Gebäude, nah am Bonnaskenplatz, wo das Karlstraßenfest stets stattfindet: „K 29 bleibt!“ FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Die Gründer des Karlstraßenfestes in Cottbus hoffen auf Hilfe für ihren bedrohten Verein.

Ein bedrohtes Wohnprojekt in Cottbus bekommt Hilfe vom Mieterbund. In der Karlstraße 29 leben 13 Menschen, die ihren Alltag auf drei Etagen so weit wie möglich gemeinsam gestalten. Sie haben auch das beliebte Karlstraßenfest ins Leben gerufen. Nun könnte ein Wechsel des Eigentümers samt Sanierung des Hauses und höherer Miete dazu führen, dass ihre Wohngemeinschaft auseinanderbricht.

Die Vorsitzende des Mieterbundes, Kerstin Kircheis, sagt dazu: „Es wäre schade, wenn das passiert, weil es sich um einen ganz besonderen Ort handelt, den es so nicht noch mal in Cottbus gibt.“ Kerstin Kircheis arbeitet für die SPD im Brandenburger Landtag mit. Sie will gemeinsam mit den Mitarbeitern des Rathauses nach einer Lösung suchen. Darüber hinaus hofft sie, dass sich die Stadtverordneten für das Wohnprojekt einsetzen, das seit dem Jahr 1992 besteht und offiziell als Verein eingetragen ist. Sein Name lautet: „Karlstraße neunundzwanzig e.V.“

Die Bewohner des Hauses kochen gemeinsam, sie wirtschaften gemeinsam, und sie helfen einander, wo sie können. Nun suchen sie jedoch selbst Unterstützung. Deshalb besuchte die Vorsitzende des Mieterbundes die Wohngemeinschaft am Dienstag. Erstaunt nahm sie zur Kenntnis, dass der Vermieter den Bewohnern mit einer Abmahnung untersagt hat, sich öffentlich zu äußern. „Euch grundsätzlich den Mund zu verbieten, das gibt’s nicht“, sagte sie.

Wohnmodell verschwindet

Wie Kerstin Kircheis berichtete, hatte sie selbst einen Brief an den bisherigen Vermieter geschickt, die Grund Union Immobilien GmbH, aber bislang keine Antwort erhalten. „Es hilft wohl nur noch öffentlicher Druck“, sagte sie im Gespräch mit den Mietern. „Wohngemeinschaften waren früher in Cottbus sehr beliebt, doch aufgrund von Modernisierungen verschwanden sie nach und nach.“

Auch die Cottbuser Theaterpädagogin Sarah Fartuun Heinze setzt sich dafür ein, dass das Kiezprojekt in der Karlstraße bleibt. „So viele Menschen hatten die Möglichkeit, einander hier zu begegnen“, sagte sie beim Besuch im Haus am Dienstag. „Wir brauchen unbedingt solche freien kulturellen Räume.“

Dabei haben die Mieter bereits signalisiert, dass sie das Haus selbst kaufen würden. In einem Brief an ihren bisherigen Vermieter heißt es: „„Dass nun jemand anderes den Zuschlag erhält, entsetzt uns erneut.“