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| 19:11 Uhr

Gründer
Intensivpflege ist nicht Ende des Lebens

 Jennifer Görzig und Stefan Töpfer, die Gründer und Geschäftsführer der LiF (Leben in Freiheit) Intensivpflege GmbH aus Cottbus.
Jennifer Görzig und Stefan Töpfer, die Gründer und Geschäftsführer der LiF (Leben in Freiheit) Intensivpflege GmbH aus Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Zwei junge Unternehmer haben sich auf das für Cottbus neue Geschäftsfeld der ambulanten Intensivpflege gewagt. Von Nils Ohl

„In meiner Familie war noch nie jemand Unternehmer“, sagt Stefan Töpfer. Trotzdem hat er, gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Jennifer Görzig, die Gründung gewagt. Die beiden Jungunternehmer führen jetzt die LiF Intensivpflege GmbH. Wobei LiF für „Leben in Freiheit“ steht. Mit ihrem Unternehmen haben sie sich dabei in das für Cottbus neue Geschäftsfeld der  ambulanten Intensivpflege gewagt.

„Damit haben wir uns, was die gesetzlichen Voraussetzungen betrifft, wohl mit das Schwerste vorgenommen“, meint Stefan Töpfer.

Private Erfahrungen

Als Hauptmotiv seiner Gründung nennt er die ganz privaten Erfahrungen mit seinem Vater. Dieser habe unter ALS gelitten, der gleichen Krankheit wie der Astrophysiker Stephen Hawking, und war Intensivpatient.

„Ich möchte solchen Menschen und ihren Angehörigen mehr bieten, als mein Vater hatte“, so Töpfer. Der Berufsweg des gebürtigen Cottbusers verlief zuvor in ganz anderen Bahnen  – als Tischler, später als Lagerlogistiker und Immobilien-Kaufmann – und zudem nach Berlin.

Seine Geschäftspartnerin Jennifer Görzig kennt er noch aus früheren Zeiten in Cottbus. Auch sie ging des Berufes wegen nach Berlin, allerdings von Beginn an in die Pflegebranche und hat alle Stationen vom Azubi bis zur Pflegedienstleiterin durchlaufen sowie fünf Jahre in Intensivpflege-Wohngemeinschaften gearbeitet.

Hilfe vom Gründungszentrum Cottbus

„Wir sind beide sozusagen Rückkehrer“, erklärt Jennifer Görzig lächelnd. Als Motiv dafür nennt sie die Familie und den Wunsch, hier etwas Eigenes aufzubauen.

Das Problem: Die beiden wussten was sie wollen, aber nicht, wie sie dahin kommen. Hier half der Kontakt zum Gründungszentrum Cottbus. „Wir haben viele Seminare absolviert, um den Business Plan zu entwerfen, Konzepte und Finanzierungen zu klären“, sagt Stefan Töpfer. Wobei er die kaufmännischen und Jennifer Görzig die pflegerischen Konzepte entwickelt hat. „Das war schon hart“, erinnerte sich diese. „Am Tag habe ich als Dozentin für Pflegeberufe gearbeitet und abends ging es zum Existenzgründerkurs.“ Aufgrund ihres spezifischen Geschäftsmodells konnten die beiden nicht allmählich beginnen, sondern mussten ihr Unternehmen mit Büro, Autos, Angestellten und allen bürokratischen Auflagen fertig aufgestellt haben, bevor sie starten durften.

„In der Gründungsphase verdienst du so kein Geld, hast aber trotzdem Kosten“, sagt Stefan Töpfer. Durchgehalten haben sie, weil sie an ihre Geschäftsidee glaubten.

Intensivpflege ist keine Pallativpflege

Seit 15. November 2017 ist LiF offiziell als ambulanter Dienst am Markt, 2018 kam Intensivpflege dazu, denn es brauchte noch spezielle Voraussetzungen, um die dafür nötige Lizenz zu erhalten. LiF beschäftigt inzwischen 24 Mitarbeiter und betreut rund 15 Patienten, davon drei Intensivpatienten, wobei für einen Intensivpatienten fünf Mitarbeiter vorgehalten werden müssen.

Die Intensivpflege erfordert unter anderem, dass der Patient rund um die Uhr betreut und seine Vitalzeichen und Körperzustände wie Atmung und Puls kontinuierlich kontrolliert werden. Das betrifft zum Beispiel Menschen mit Luftröhrenschnitt, mit Querschnittslähmung nach Unfällen oder bestimmte Schlaganfallpatienten. Den beiden ist wichtig zu betonen, dass Intensivpflege keine Pallativpflege ist.

Urlaubsreisen für Patienten möglich

„Das Leben ist bei Intensivpflege nicht zu Ende“, so Töpfer. „Wir sind vielmehr die verlängerten Arme und Beine des Patienten.“ So begleite LiF Kinder zu Schule, einen Patienten sogar zur Arbeit. „Und wir setzten unser Personal so ein, dass wir auch mal eine Urlaubsreise ins Erzgebirge oder an die Ostsee für unsere Patienten möglich machen.“

Begrenzender Faktor Personal

Wie Jennifer Görzig sagt, gibt es inzwischen viel mehr Kundenanfragen, als LiF abdecken kann. „Der begrenzende Faktor ist das Personal“, sagt sie. In der Intensivpflege dürfen nur qualifizierte Kräfte arbeiten.“ Ab 2020 will Lif daher auch selbst Ausbildungsbetrieb werden.

Der nächste Schritt soll eine Wohngemeinschaft für Intensivpatienten werden. Aber Stefan Töpfer bekräftigt: „Wir werden auf keinen Fall auf Kosten der Qualität wachsen, nur um Geld zu verdienen. Von unseren Vorstellungen, wie optimale Pflege sein soll, werden wir nicht abweichen. Es geht um hohe Lebensqualität für die Patienten und für die Mitarbeiter.“