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| 01:28 Uhr

Großer Waldbrand besiegelt Schicksal der Lieberoser Heide

Andreas Weigelt.Foto: LR-Archiv/Helbig
Andreas Weigelt.Foto: LR-Archiv/Helbig FOTO: LR-Archiv/Helbig
Lieberose. Der Historiker Andreas Weigelt hat die Geschichte der Lieberoser Heide, speziell die der Anfänge des Truppenübungsplatz „Kurmark“, erforscht. Seinen Angaben zufolge sind unzählige Schicksale von Häftlingen aus dem Konzentrations-Außenlager Jamlitz mit dem Aufbau des riesigen Militärobjektes verbunden. Torsten Richter

"Auch die Bevölkerung in den umliegenden Orten musste leiden - und wehrte sich gegen die Willkür", erklärte der Forscher am Mittwoch während eines Vortrages. Ausstellung in Oberförsterei Der Ursprung des Truppenübungsplatzes bei Lieberose hatte den Überlieferungen zufolge mit einem gigantischen Waldbrand begonnen. Im Mai 1942 fraß sich dieser auf einer Fläche von rund 1700 Hektar von West nach Ost quer durch die Lieberoser Heide, ist in der kleinen Ausstellung im gemeinsam genutzten Gebäude der Oberförsterei Lieberose und der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (NLB) zu erfahren. Vor diesem Hintergrund gab der Lieberoser Historiker Andreas Weigelt vor den überaus zahlreich erschienenen Besuchern einen Überblick über die ersten Jahre des riesigen Truppenübungsplatzes. Demnach hatte Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, bereits Anfang 1943 vier große Übungsplätze in ganz Deutschland geplant. Einer von ihnen trug den Namen "Kurmark". Himmler wollte in der Nähe Berlins zumindest ein separates Schulungsgelände für seine SS schaffen, das er nicht mit der Wehrmacht teilen musste. Gegen Umsiedlung gewehrt Dazu hätten insgesamt 18 Dörfer, unter anderem Staakow, Reicherskreuz und Schönhöhe, umgesiedelt werden müssen. "Doch das ließen sich die Einwohner nicht bieten", hat Andreas Weigelt recherchiert. So habe die SS in Jamlitz sogar aus dem Saal der dortigen Gaststätte fliehen müssen. Darüber hinaus hätten dutzende Betroffene entsprechende Petitionen sogar an Adolf Hitler geschrieben. Drei Jamlitzer seien wegen ihres Widerstandes sogar für mehrere Monate ins Gefängnis gegangen. Schließlich seien die Umsiedlungspläne im November 1943 gestoppt worden. Der Aufbau des Truppenübungsplatzes ging nach Angaben des Lieberoser Historikers dennoch zügig weiter. So sei der bedeutendste Grundbesitzer der Region, der Graf von Schulenburg, enorm bedrängt worden, Waldflächen zu verkaufen. Außerdem seien sogar Kreisgrenzen für den Übungsplatz geändert worden. So habe der Gubener Kreis Teile des Lübbener Gebietes vereinnahmt. Ende des Jahres 1943 waren laut Andreas Weigelt die ersten Häftlinge in Jamlitz bei Lieberose im KZ "Zum kühlen Grunde" eingetroffen. Ein halbes Jahr später hätten die Transporte jüdischer Menschen von Auschwitz nach Jamlitz begonnen. "Damit geriet das Dorf aus seiner verschlafenen Lage in die Weltöffentlichkeit", resümierte Weigelt. Zeitzeugen erinnern sich Zum Vortrag waren auch mehrere Zeitzeugen gekommen, die das Häftlingselend mit eigenen Augen gesehen hatten. Dazu gehört Annemarie Gottschuld (81) aus Lieberose. Sie hat im Jahr 1945 eigenen Angaben zufolge auf dem Hauptverbandsplatz an der Leeskower Brücke bei Jamlitz gearbeitet. Ein Arzt habe sie damals auf die mit Chlorkalk getränkte Erde hingewiesen. "Dort sind unzählige Menschen begraben worden. Da war mir ganz anders zumute", erinnerte sie sich. Zu den Gästen zählte auch Revierförster Christian Göhler. Er ist eigenen Angaben zufolge vor Jahren bei Byhlen im Westteil der Lieberoser Heide zur Jagd gegangen. "Einiges habe ich bereits gewusst. Deshalb waren die Einzelheiten sehr interessant. Ich hätte aber gern noch mehr Informationen zur eigentlichen Übungsplatzgeschichte gehört", resümierte er. Torsten Richter