Manfred Kießling sitzt seit 2009 in der Peitzer Stadtverordnetenversammlung, hat dabei in den vergangenen Jahren vor allem die schwierige Haushaltslage der Stadt im Blick. Immer wieder prüft er daher kritisch, wo Geld ausgegeben wird - und wo Peitz eventuell seine Einnahmesituation verbessern kann. Mit dem Bauamtsleiter Jörg Exler hat er sich darüber derart entzweit, dass sogar der Staatsanwalt eingeschaltet wurde.

Kießling erinnert sich bis heute sehr genau an den Ursprung des Konflikts. "In einer Sitzung des Bauausschusses haben wir eine Prioritätenliste für Projekte vorgelegt bekommen. Dabei wurde eine Tür für die Malzhausbastei mit Kosten von 5000 Euro veranschlagt." Kießling stolperte über den hohen Preis, holte verschiedene Kostenvoranschläge von Metallbauern ein, die jeweils um die 2200 Euro für eine derartige Tür veranschlagten.

"In der nächsten Stadtverordnetenversammlung habe ich den Bauamtsleiter gefragt, ob er sich die Tür überhaupt mal angeschaut hat. Als keine Antwort kam, habe ich dann gesagt, dass er mit Geld rumschmeißt und es manchmal unnötig verballert. Dabei bräuchten wir das Geld an anderer Stelle dringend."

Einige Tage später bat Exler den SPD-Mann zum Gespräch und erklärte ihm, dass die Tür so teuer sei, weil auch eine Seitensicherung angebracht werden müsse. Er forderte den Abgeordneten auf, sich bei der nächsten Stadtverordnetensitzung für seine Worte zu entschuldigen, sonst würde er Anzeige erstatten. Kießling entschuldigte sich nicht. "Warum auch? Ich wurde gewählt, um die Verwaltung kritisch in ihrer Arbeit zu begleiten." Der Bauamtsleiter stellte Strafanzeige wegen "übler Nachrede". Manfred Kießling wurde zum Täter-Opfer-Ausgleich gebeten, um eine außergerichtliche Einigung zu ermöglichen. "Ich habe dort meinen Standpunkt erläutert, dann war Ruhe", erzählt der Peitzer.

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren inzwischen eingestellt. Manfred Kießling hofft auf eine öffentliche Entschuldigung des Bauamtsleiters. "In Peitz weiß jeder von der Anzeige, jetzt muss das aus der Welt." Jörg Exler aber denkt gar nicht an eine Entschuldigung. "Ich muss mir nicht alles bieten lassen. Der Vorwurf, ich werfe Geld zum Fenster raus, geht einfach zu weit. Das darf sich ein Stadtverordneter nicht so einfach herausnehmen." Zumindest der Staatsanwalt sieht das offenbar anders. Manfred Kießling auch. Er wolle weiter genau nachfragen, warum manche Projekte in Peitz so viel Geld kosten, an anderer Stelle aber unnötig wenig Geld eingenommen werde. "Das Thema Solaranlagen brennt uns schon lange auf den Nägeln", sagt er. Die Stadt hat zunächst einen Hektar Land für eine solche Anlage verpachtet - für 4000 Euro. Als der Pächter dann weitere Flächen brauchte, bekam er zusätzlich zwei Hektar angeboten - für 3500 Euro Pacht. Manfred Kießling: "Bei solchen Plänen kann ich nicht einfach den Mund halten, da muss ich immer wieder fragen, warum die Stadt einfach Geld verschenkt."