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| 02:37 Uhr

42 Millionen Euro für Cottbuser Verkehrsknoten
Großer Bahnhof für den Bahnhof

So soll der Cottbuser Hauptbahnhof im Jahr 2020 aussehen. Alle Bahnsteige verfügen dann über ein Dach und einen Aufzug. Die Mittelinsel wird begrünt, und der Tunnel wird in Richtung Norden zum Spreewaldbahnhof verlängert.
So soll der Cottbuser Hauptbahnhof im Jahr 2020 aussehen. Alle Bahnsteige verfügen dann über ein Dach und einen Aufzug. Die Mittelinsel wird begrünt, und der Tunnel wird in Richtung Norden zum Spreewaldbahnhof verlängert. FOTO: Deutsche Bahn
Cottbus. Der Cottbuser Hauptbahnhof soll in fünf Jahren ein moderner Verkehrsknoten sein. Dafür investieren die Deutsche Bahn und die Stadt insgesamt 42 Millionen Euro. Die ersten Vorarbeiten laufen bereits. Peggy Kompalla

Treppe runter, Treppe rauf, Treppe runter, Treppe rauf und zwischendurch spurten. Dieses kraft- und nervenzehrende Gehetze kennt auch Kathrin Schneider. Heute ist die SPD-Politikerin Brandenburgs Verkehrsministerin und erreicht Cottbus am Freitagmorgen ganz bequem in einer Limousine. "Ich bin hier oft gerannt, um in den Zug nach Dresden umzusteigen", berichtet sie. Da ist das Bauschild der Deutschen Bahn noch verhüllt. Sie fügt an: "Es ist sehr wichtig und dringend nötig, das Areal neu zu ordnen. Denn das ist der Bahnhof mit den zweithöchsten Fahrgastzahlen in Brandenburg und ein wichtiger Umsteigepunkt für die gesamte Region."

Nahezu 12 000 Menschen nutzen den Bahnhof täglich. Das Land unterstützt die umfassende Erneuerung des Bahnhofs mit rund 13 Millionen Euro. "Das ist gut angelegtes Geld", verkündet die Ministerin in Richtung Joachim Trettin. Der Konzernbevollmächtigte der Bahn für das Land Brandenburg berichtet, dass die Erneuerung des Hauptbahnhofes rund 30 Millionen Euro kostet. Bis zum Jahr 2020 soll sie abgeschlossen sein. Die (Jahres-)Zahlen wurden ein bisschen gedreht - bereits im Jahr 2002 lagen Pläne für diesen Umbau vor.

Diesmal also wirklich, versichern alle Beteiligten. Erste Vorarbeiten laufen bereits, ergänzt Friedemann Keßler. Der Bahnhofschef für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern berichtet: "Die Kampfmittelsondierungen haben begonnen. Das wird noch bis zum Frühjahr dauern." Dann geht es an die Erneuerung der Bahnsteige. Sie werden alle mit Aufzügen ausgestattet und damit barrierefrei zugänglich. Darüber hinaus wird der Tunnel in Richtung Norden verlängert. Damit erfüllt sich ein jahrzehntealter Wunsch der Cottbuser, für den sich viele Bürger eingesetzt haben. Die Stadt wird sich an diesem Bauabschnitt mit knapp sechs Millionen Euro beteiligen. Im Nordbereich entsteht damit ein neuer Zugang inklusive Parkflächen.

Damit nicht genug. Die Stadt will im nächsten Jahr in das Baugeschehen eingreifen. Für zwölf Millionen Euro soll sich der Bahnhofsvorplatz - wo heute Autos parken und Taxis auf Fahrgäste warten - in einen Verkehrsknoten verwandeln. Umsteigen zwischen Fern-, Regional- und Stadtverkehr - also zwischen Zug, Straßenbahn, Bus und Auto - soll einfacher und bequemer werden. So wird den Plänen zufolge die Straßenbahn bis direkt vor das Bahnhofsgebäude vorfahren und der Busbahnhof von der Marienstraße zum Hauptbahnhof verlegt. Doch bevor die Kommune mit Baugerät anrückt, braucht sie einen Förderbescheid vom Land. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) ist zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass wir 2016 anfangen können." Auch ohne diese Zusage aus Potsdam sagt das Stadtoberhaupt: "Das ist ein großartiger Tag für Cottbus. Die Koordination der Bauprojekte wird ein spannender Prozess."

Für die Umweltschützer des Cottbuser BUND muss die Stadt ihre Pläne nachjustieren. Demonstrativ halten sie den angereisten Verantwortlichen Plakate vor. Johann Staudinger betont: "Wir wollen keinen Betonklotz ohne Charakter. Der Bahnhof sollte ein Aushängeschild sein, das Natur, Kultur und Pückler repräsentiert. Da muss noch einiges verbessert werden." Einen Wunsch ruft die Verkehrsministerin noch in Richtung der Bahnverantwortlichen: "Ich hoffe, dass im Zuge der Fernverkehrsoffensive der Bahn künftig noch ein paar mehr Züge Cottbus anfahren."

Zum Thema:
Der Umbau des Cottbuser Hauptbahnhofs läuft unter normalem Zugbetrieb.2016 steht zunächst der Umbau des Elektronischen Stellwerkes an, und an der Verlängerung des Tunnels wird gearbeitet. 2017 folgt die Erneuerung der Bahnsteige 9/10 und 7/8. Im Jahr 2018 sind die Bahnsteige 6 und 4/5 dran. 2019 die Bahnsteige 2/3 und 1. Im Jahr 2020 wird der Spreewaldtunnel abgerissen.