| 18:20 Uhr

Demonstration vorm Cottbuser Blechen-Carré
Großer Andrang bei Zukunft-Heimat-Protest

Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“ am Samstagnachmittag  vor dem Carl-Blechen-Carré in Cottbus. Laut Veranstalter waren 1500 bis 2000 Demonstranten gekommen.
Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“ am Samstagnachmittag vor dem Carl-Blechen-Carré in Cottbus. Laut Veranstalter waren 1500 bis 2000 Demonstranten gekommen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Nachdem es innerhalb von wenigen Tagen am Cottbuser Blechen Carré zu zwei Übergriffen von syrischen Jugendlichen auf Deutsche gekommen ist, hat das Bündnis „Zukunft Heimat“ am Samstagmittag zum Protest aufgerufen. Nach Auskunft von Anne Haberstroh, Vorstandsmitglied von Zukunft Heimat, sind 1500 bis 2000 Menschen diesem Aufruf gefolgt - offizielle Zahlen gibt es nicht. Eine Gegendemonstration hat nicht stattgefunden.

Aus Sicht der Redner, die während des Protests das Rednerpult betreten, seien nun vor allem die Politiker gefragt, durchzugreifen. „Es ist eine Schande, dass wir schon wieder hier stehen müssen“, sagt Birgit Bessin, die für die AfD im Brandenburger Landtag sitzt. Sie listet Vorfälle auf, in denen es Übergriffe von Syrern auf Deutsche gegeben hat.

Neben den beiden aktuellen Übergriffen in Cottbus - am Freitag vor einer Woche bedrohen drei syrische Jugendliche ein Ehepaar, einer davon zückt ein Messer; am vergangenen Mittwoch verletzt ein 15-jähriger Syrer einen 16-Jährigen Deutschen - verweist Birgit Bessin unter anderem auf die Vorkommnisse vom 29. Dezember 2017 (Syrer bewerfen einen Deutschen mit Böllern), am 23. Oktober 2017 (Prügelei von Syrern und Deutschen am Stadthallenvorplatz Cottbus) sowie den Mord an der 82-jährigen Rentnerin in Cottbus durch einen syrischen Flüchtling am 8. Dezember 2016. Aus Sicht der Afd-Politikerin mache dies deutlich, dass solche Vorkommnisse keine Einzelfälle seien. Sie sagt: „Jeder Einzelfall ist einer zu viel“ und erntet dafür Applaus aus dem Publikum.

Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“ in Cottbus FOTO: Von Michael Helbig

Christoph Berndt vom Bündnis „Zukunft Heimat“ forderte in seiner Rede den Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch auf, ein Konto für den am 17. Januar verletzten 16-jährigen Cottbuser einzurichten, damit dieser Kosten, etwa für eventuell nötig werdende kosmetische chirurgische Behandlungen, zahlen könne. Dafür wurden auch während der Demonstration Spenden gesammelt. Zudem müsse aus Sicht von Berndt auch eine Anlaufstelle für die eingerichtet werden, die Opfer von Gewalt durch Flüchtlinge geworden sind.

Flüchtlinge seien keine Bereicherung, sondern eine Bedrohung und auch der Vorwurf, die Politiker hätte ihr Volk im Stich gelassen, wurde von den Rednern formuliert. Aus dem Publikum waren immer wieder „Wir sind das Volk“- oder „Merkel muss weg“-Rufe zu hören. Massiv kritisiert wurde zudem ein Beitrag über die Vorfälle in Cottbus im rbb-Fernsehen. Dieser sei von der Regierung und der Redaktion beeinflusst gewesen und keinesfalls eine wahrheitsgetreue Bestandsaufnahme. Das Publikum quittierte diese Aussagen mit „Pfui“- und „Volksverräter“-Rufen. Nach RUNDSCHAU-Informationen wurden zudem anwesende rbb-Redakteure, die über die Demonstration berichten wollten, bedroht und beleidigt und bei ihrer Arbeit behindert.

Nach eineinhalb Stunden löste sich die Demonstration auf. Dem Aufruf von Anne Haberstroh zu Beginn der Demonstration friedlich zu bleiben, sind auch noch andere nicht gefolgt. So informiert die Polizei, dass nach Beendigung der Versammlung, gegen 15 Uhr, zwei Vorfälle bekannt geworden sind. Zum einen schubste ein 44-jähriger Mann eine auf einer Bank stehende Journalistin, die gerade fotografierte. Die Frau konnte sich abfangen und blieb unverletzt. Fast zeitgleich rempelte ein 25-jähriger Mann einen Sozialarbeiter an. Dadurch fiel dessen Smartphone zu Boden und wurde beschädigt.

Beide Tatverdächtige konnten durch Polizeibeamte in unmittelbarer Nähe gestellt werden. Es wurden Ermittlungen wegen Sachbeschädigungen und versuchter Körperverletzung eingeleitet. Weitere Störungen oder Straftaten sind der Polizei bisher nicht bekannt geworden.

(lsc)