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Große Baumschau in Cottbus

Baumkontrolleure des Eigenbetriebes der Stadt Cottbus Grün- und Parkanlagen begutachten auf dem Klosterplatz eine Sommerlinde. Dabei erfassen sie den Allgemeinzustand des Stammes und der Baumkrone, schätzen durch Abklopfen der Rinde den inneren Zustand der Linde ein und ermitteln durch äußere Inaugenscheinnahme das Circa-Alter des Baumes.
Baumkontrolleure des Eigenbetriebes der Stadt Cottbus Grün- und Parkanlagen begutachten auf dem Klosterplatz eine Sommerlinde. Dabei erfassen sie den Allgemeinzustand des Stammes und der Baumkrone, schätzen durch Abklopfen der Rinde den inneren Zustand der Linde ein und ermitteln durch äußere Inaugenscheinnahme das Circa-Alter des Baumes. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Wenn der Oktober beginnt, sind sie verstärkt in Cottbus unterwegs – die Männer mit Hubbühne, Schredder und Kettensäge. Vom 1. Oktober bis zum 28. Februar – wenn keine Vögel und Kleintiere in den Bäumen nisten – ist die Zeit der Baumpflege. Daniel Steiger

Doch, was ist erlaubt und was nicht? Und welche Regeln sind vor dem Einsatz der Kettensäge zu beachten?

Die RUNDSCHAU hat beim Grünflächenamt nachgefragt.

Wie viele Bäume gibt es in Cottbus überhaupt?
In Cottbus wachsen etwa 55 000 Bäume auf kommunalen Grünflächen. "Wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Aber sie wurden einfach noch nie vollständig gezählt”, sagt Petra Krzok vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen bei der Cottbuser Stadtverwaltung. In den Aufgabenbereich ihres Teams gehören alle Bäume auf Friedhöfen, Parkanlagen, an Straßenrändern und so weiter. Im Verhältnis zu vergleichbaren Städten gibt es in Cottbus sehr viele Bäume, versichert Petra Krzok. Und jeder dieser 55 000 grünen Riesen genießt die Aufmerksamkeit der Baumexperten. Etwa 27 000 Bäume sind im digitalen Baumkataster erfasst. Das sind alle Bäume, die ein Plättchen mit einer Nummer am Stamm in 2,50 Meter haben. Im Baumkataster wird vermerkt, wann der Baum kontrolliert wurde, was die Kontrolleure festgestellt haben und welche Pflegemaßnahmen angeordnet wurden. (Ein Beispiel für einen solchen Baumlebenslauf gibt es im Infokasten am Ende dieses Textes.) Irgendwann sollen einmal alle Bäume aus dem Verantwortungsbereich der Stadtverwaltung in diesem digitalen Baumkataster erfasst sein.

Wie werden diese Bäume gepflegt?
Die meisten der 55 000 Cottbuser Bäume werden jährlich kontrolliert. Petra Krzok: "Dabei machen wir aber durchaus Unterschiede. Jungbäume beispielsweise werden nur alle zwei, drei Jahre kontrolliert, auffällige ältere Bäume auch halbjährlich.” Kontrolle im Sinne der Cottbuser Baumschutzsatzung heißt, dass ausgebildete Baumkontrolleure die Bäume zunächst visuell vom Boden aus begutachten. Wie sieht der Stamm aus? Gibt es Auffälligkeiten am Stammfuß, der Krone oder dem Kronenansatz? Ist Pilzbefall erkennbar? Droht Totholz herunterzufallen? Das alles wird protokolliert. Wenn es notwendig ist, können die Baumkontrolleure weitere Untersuchungen vorschlagen. Petra Krzok: "Dann kommt beispielsweise eine Hebebühne zum Einsatz, um besser an auffällige Stellen heranzukommen. Oder es wird mithilfe von Schallwellen nach morschen Stellen etwa im Stamm gesucht.”

Wer kümmert sich in Cottbus um die Bäume?
Die Begutachtung der Bäume wird in Cottbus von zertifizierten Baumkontrolleuren durchgeführt. Diese Zusatzausbildung darf absolvieren, wer beruflich botanische Grundkenntnisse mitbringt. Zugelassen zu dieser Qualifizierung werden unter anderem Gärtner oder Land- und Forstwirte. "Früher gab es eine solche Ausbildung nicht”, erzählt Petra Krzok. In diesem jungen Fachbereich wächst das Wissen ständig, weil viele Kommunen den Baumschutz erst nach und nach als Aufgabengebiet übernommen haben.

Wie viele Bäume müssen in diesem Winter in Cottbus gefällt werden?
Nach Schätzungen des Fachbereiches werden das etwa 150 sein. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil durch einen kräftigen Herbststurm ja der ein oder andere Baum Schaden nehmen kann und der Einsatz der Kettensäge nötig wird. Wie jeder Bürger auch, muss sich die Verwaltung bei den Fällungen an die Regeln der im Jahr 2013 in Kraft getretenen Baumschutzsatzung halten. Darin ist beispielsweise geregelt, in welchen Fällen Ersatzpflanzungen nötig sind, wo die neuen Bäume in den Boden kommen müssen und wann der Baum auch wirklich als Ersatzpflanzung anerkannt wird. Im Paragraf 7 des Regelwerks heißt es: "Die Verpflichtung zur Ersatzpflanzung ist erfüllt, wenn die gepflanzten Bäume nach Ablauf von drei Jahren zu Beginn der folgenden Vegetationsperiode angewachsen sind. Sind die gepflanzten Bäume im maßgeblichen Zeitraum nicht angewachsen, ist die Ersatzpflanzung zu wiederholen.”

Die Baumschutzsatzung steht zum Download auf www.cottbus.de bereit.

Zum Thema:
Die Sommerlinde auf dem Klosterplatz trägt die Nummer 8. Der Baum ist 25 Meter hoch und wird von den Fachleuten jährlich kontrolliert. Im digitalen Baumkataster sind die Kontrolltage erfasst: 10. Juli 2013; 11. Juni 2014; 10. Juli 2015; 8. Juli 2016 und 9. Juli 2017. Zudem sind in der Datenbank auch die "Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherung" vermerkt: 2015 - Durchführung einer eingehenden Baumuntersuchung wegen Verdacht auf Kernfäule; 2017 Totholzentnahme und leichte Kroneneinkürzung zur Kirche.