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Übung
Großalarm in der Krankenhausschule

Großalarm am CTK: An der Übung am Sonnabend waren insgesamt 300 Personen beteiligt. Weitere Fotos gibt es unter www.lr-online.de/bilder
Großalarm am CTK: An der Übung am Sonnabend waren insgesamt 300 Personen beteiligt. Weitere Fotos gibt es unter www.lr-online.de/bilder FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Cottbus, 6.15 Uhr sonnabends: Christian Rothbart, Leiter der Bildungseinrichtung der südbrandenburgischen Johanniter-Unfall-Hilfe, erzählt den Anwesenden in der Medizinischen Schule des Carl-Thiem-Klinikums (CTK), was bis dato ein Geheimnis war. Stephan Meyer

143 Personen haben sich an diesen Tag freiwillig dazu bereiterklärt, an einer großangelegten Katastrophenschutzübung teilzunehmen. Bislang bekannt war, dass die Schule evakuiert werden soll, und es zu einer Vielzahl an Verletzten kommt. Anlass für die Evakuierung soll nun ein fiktiver Amoklauf eines Schülers sein. Ein Grund für dieses Szenario sei gewesen, dass man eine Lage annehmen wollte, bei der keine große Feuerwehrunterstützung benötigt wird, erklärt Dr. Thomas Lembcke, ärztlicher Leiter des Cottbuser Rettungsdienstes, später. Hintergrund ist eine Überprüfung der derzeitigen Einsatzkonzepte auf ihre Realitätstauglichkeit. Involviert sind unter anderem die Stadt Cottbus, das CTK, die Schnelle Einsatzeinheit Sanität sowie die Medizinischen Task Force 18 (MTF). An der MTF sind die Katastrophenschutzverbände Südbrandenburgs beteiligt.

Alle Freiwilligen werden nun per Losentscheid in eine der Verletzungskategorien eingeteilt und entsprechend geschminkt. Nahezu die Hälfte gehört der Kategorie Grün, wenig bis gar nicht verletzt, an. Das Krankheitsbild reicht von ängstlich, verunsichert, über Schürfwunden und Hämatome bis hin zu Augenreizungen. Dass so viele in diesem Szenario kaum "verletzt" sind, wäre, laut Thomas Lembcke, auch in der Realität so. "Diese könnten aber auch unter Umständen im Realeinsatz große Probleme machen. Diese Patienten laufen dann eventuell auseinander oder behindern die Einsatzkräfte bei der Versorgung der anderen Patienten." Die "Gelben" haben es vor allem mit Frakturen und Schnittverletzungen zu tun. Knapp ein Drittel der Darsteller gehört der Kategorie "Rot" an. Organverletzungen, wie zum Beispiel Milzrupturen, machen sie zu Schwerverletzen.

Katastrophenübung beim CTK FOTO:

9 Uhr, nach knapp drei Stunden Vorbereitung, geht es los. Die Freiwilligen platzieren sich in den Fluren der Schule. Die Verletzten liegen dicht gedrängt. Eine Rettungskraft gibt zu verstehen, dass alle, die laufen können, ihm in den hinteren Teil des Flurs folgen sollen. Dort müssen sie ausharren und auf Unterstützung warten. Nun werden zuerst die liegenden Schwerverletzten versorgt, die oberste Priorität haben. Es dauert fast eine Stunde bis ein Notarzt die Patienten der Kategorie "Grün" und "Gelb" aufsucht, und sich ein Bild von deren Lage macht. "Im Ernstfall sind die Grünen die letzten, die versorgt werden", erläutert Notfallseelsorger Bernd Puhlmann, der mit seinen Kollegen wenig später eintrifft. Personen mit einem Verdacht auf Schock werden nun von ihm und seinen Kollegen betreut. Sie suchen das Gespräch und reden beruhigend auf die Betroffenen ein. Einige werden in einem separaten Raum geführt und betreut. Gegen 11 Uhr betritt Sebastian Tasler, mit aufgeschnittenem T-Shirt erneut den Raum. Als Schwerverletzter wurde er bereits abtransportiert und zu einem der Behandlungszelte gebracht. Im Verlauf der Übung ist die Notaufnahme überfüllt und die Patienten werden in Versorgungszelten auf dem CTK-Gelände, sowie in einem fiktiven Krankenhaus bei der Feuer- und Rettungswache 1 und in Neuhausen behandelt. Dorthin werden die Patienten mit einem Hubschrauber hingeflogen. Doch das blieb Sebastian erspart. "Ich habe es gerade mal bis ins Zelt geschafft, dort bin ich dann an einer Milzruptur und inneren Blutungen verstorben." Auch Todesfälle werden in solche Übung einkalkuliert.

Andere warten nach wie vor auf dem Abtransport. Einige unter ihnen fällt es schwer so lange einen Verletzten zu spielen, während andere in ihrer Rolle aufgehen. Ein Mädchen ruft panisch nach seiner Mutter. Währenddessen stören und behindern zwei andere Darsteller die Rettungskräfte. Gegen halb zwölf sind die meisten Schwerverletzten abtransportiert, und die restlichen Grünen und Gelben dürfen unter Begleitung das Gebäude verlassen. Ziel ist eine Sammelstelle auf dem CTK-Gelände, von der aus die Patienten in Versorgungszelte mit freien Kapazitäten gebracht werden. Kurz darauf wird die Übung beendet und die Darsteller werden zum Abschminken und zu einem anschließenden Mittagessen entlassen.

Die Übung ist ein Erfolg. Es habe, nach Angaben von Thomas Lembcke, gut funktioniert, die vorbereiteten Verletztendarsteller zu versorgen. Doch der ärztliche Leiter des Cottbuser Rettungsdienstes gibt zu, dass nicht alles geklappt hat. "Wir hatten Probleme, die wir jetzt im Nachgang genauer analysieren werden." Ein wesentliches Problem sei die Patientendokumentation gewesen. "Diesbezüglich müssen wir an dem Konzept noch mal arbeiten." Thomas Lembcke bedankt sich bei den Freiwilligen und vielen ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz.