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| 16:59 Uhr

Größte Oppositionsgruppe im Bezirk

Die Montagsdemos haben in Cottbus spät begonnen. Doch dann waren sie, hier ein Bild vom 27. November 1989, umso machtvoller.
Die Montagsdemos haben in Cottbus spät begonnen. Doch dann waren sie, hier ein Bild vom 27. November 1989, umso machtvoller. FOTO: Erich Schutt
Cottbus. Die Umweltgruppe Cottbus war in der Endzeit der DDR die größte und wichtigste Oppositionsgruppe im Bezirk Cottbus. In diesem Jahr jährt sich ihre Gründung zum 30.Mal. Ulrike Elsner

Das hat eine kleine Gruppe von Cottbusern um den Bürgerrechtler und ehemaligen Pfarrer Christoph Polster zum Anlass für die Gründung der Initiative Aufarbeitung "Region Cottbus und die beiden deutschen Diktaturen" genommen. Es gehe um zeitgeschichtliche Forschung, Aufarbeitung von Geschichte und Bildung, erläuterte Christoph Polster bei der Vorstellung der Initiative am Dienstag im Stadthaus.

Wie der Sprecher der Initiative betonte, ist für die Zeit vom 13. bis 15. Oktober ein Veranstaltungswochenende geplant. Neben Bildungsveranstaltungen mit Schulen und Stadtspaziergängen zu historischen Orten der Aktionen der Umweltgruppe soll es Begegnungen mit Zeitzeugen und eine Podiumsdiskussion zur historischen Einordnung der Umweltgruppe in den Kontext der friedlichen Revolution geben. Ziel dieser Veranstaltungsreihe sei die Aufarbeitung und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Diktaturengeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere der SED-Diktatur, sowie die politisch-historische Bildung für junge Menschen und Multiplikatoren. "Wichtig ist uns der Brückenschlag zwischen Geschichte und Gegenwart", betonte Polster. Deshalb solle stets nach der aktuellen Bedeutung von Demokratie und Bürgerbeteiligung gefragt werden.

Für das Stadtmuseum ist die Bürgerrechtsbewegung nach den Worten von Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen, ein wichtiges Arbeitsfeld. Allerdings sei der Bestand an Dokumenten und anderen Zeitzeugnissen im Stadtmuseum und Stadtarchiv sehr lückenhaft. Deshalb ist das Material über diese Zeit aus dem Nachlass von Peter Model, Aktivist der Umweltgruppe, umso wertvoller. Darunter befinden sich auch Dokumente zur Fälschung der Ergebnisse der letzten DDR-Kommunalwahl.

Am Abend des 7. Mai 1989 hatten sich Mitglieder der Umweltgruppe Cottbus über ein Drittel der Wahllokale der Stadt verteilt. In vorbereitete Listen trugen sie die Ergebnisse der Stimmenauszählung ein. 570 Nein-Stimmen gegen die Einheitsliste der "Kandidaten der Nationalen Front" notierten sie insgesamt in rund 30 Wahllokalen. Zwei Tage später wurde das offizielle Wahlergebnis veröffentlicht. In den insgesamt 100 Wahllokalen der Stadt gab es danach angeblich nur 560 Nein-Stimmen.

Auch der Dokumentarfilm "Energie von unten - Cottbus 1989", den der Cottbuser Filmemacher Donald Saischowa gemeinsam mit Dagmar Lemke und Theresa Majerowitsch erstellt hat, soll für die museumspädagogische Arbeit genutzt werden.

Steffen Krestin betonte: "Wir wollen den Blick auf das gesamte 20. Jahrhundert richten." Außerdem sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, eigene Projekte zu verwirklichen, um sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen.