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| 18:45 Uhr

Grippe
Mehr als nur Hatschi

Die Grippewelle hat Cottbus noch immer voll im Griff. Eine leichte Entspannung gibt’s sagt das Gesundheitsamt. Die Arbeitgeber fordert die Influenza allerdings weiterhin heftig.
Die Grippewelle hat Cottbus noch immer voll im Griff. Eine leichte Entspannung gibt’s sagt das Gesundheitsamt. Die Arbeitgeber fordert die Influenza allerdings weiterhin heftig. FOTO: Maurizio Gambarini / dpa
Cottbus. 17 im Januar, 164 im Februar, 135 im März – und der ist noch lange nicht vorbei. Die Zahlen der Patienten, die seit Jahresbeginn mit der Diagnose Influenza – Grippe – laut Sprecherin Susann Winter im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK) behandelt werden, sind alarmierend. Da wundert es kaum, dass das Cottbuser Amtsgericht am Freitag öffentlich den Notstand ausrufen musste. 30 Bedienstete seien erkrankt, beim Publikumsverkehr müsse mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden, vermeldete Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr. Aussicht auf Besserung? Von Daniel Schauff, Annemarie Ziegler und Linda Kundisch

Ja – so zumindest lässt sich eine Information aus dem Gesundheitsamt deuten. Der zufolge gebe es zwar weiterhin neue Meldungen zu Influenza-Fällen in der Stadt, man beobachte aber einen leicht rückläufigen Trend, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann mitteilt. Auch die Stadtverwaltung sei von einem hohen Krankenstand betroffen, sagt er. Allerdings müsse man im Rathaus noch keinen Notstand ausrufen. Viele Kollegen würden die Aufgaben erkrankter Mitarbeiter übernehmen – die Stadt kommt ganz offenbar gut über die Runden.

Härter trifft es die Kitas. Aufgrund der Krankheitsfälle sei teilweise zu wenig Personal für die hohe Zahl an Kindern in den Einrichtungen gewesen, sagt Beatrice Strübing. Sie ist Sprecherin der Fröbel-Gruppe, die allein in Cottbus elf Kitas mit fast 1000 Plätzen betreibt. „Wir haben auch die Eltern teilweise gebeten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen“, sagt Beatrice Strübing weiter. „Dadurch, dass kranke Kinder in den Kindergarten oder kranke Erzieher zur Arbeit kamen, entstand ein Teufelskreis.“

Zugeschlagen hat die Grippe offenbar auch in den Cottbuser Schulen. Gerald Boese, Leiter des Staatlichen Schulamts: „Es sind zwar erhöhte Krankenfälle aufgrund der Grippewelle zu verzeichnen, aber keine Notstände an Schulen in Cottbus angezeigt worden.“ Damit ist die Situation an den Cottbuser Schulen zumindest entspannter als in Lübbenau (OSL) etwa. Dort mussten in den vergangenen Tagen ganze Schulklassen zu Hause bleiben, das Lehrerkollegium an der Werner-Seelenbinder-Grundschule war zur Hälfte dezimiert. In Senftenberg (OSL) kamen die Busse nicht – wegen vergrippter Fahrer.

Einigermaßen glimpflich kommt derweil die Leag durch die Grippesaison. 7,5 Prozent der Mitarbeiter waren im Februar krank geschrieben, teilt Leag-Sprecher Thoralf Schirmer mit. Ob sie alle wegen Grippe zu Hause geblieben sind, ist dem Unternehmen nicht bekannt – Diagnosen werden aus Datenschutzgründen beim Arbeitgeber nicht hinterlegt. Im Vergleich zu den Spätsommermonaten hat sich das Loch in der Leag-Personaldecke zwar deutlich vergrößert (August: 4,5 Prozent), im vergangenen Jahr im Februar aber waren gleich 8,1 Prozent der Leag-Mitarbeiter krank, demnach weit mehr als in diesem Jahr.

Ein Fall fürs Krankenhaus sind Influenza-Patienten allerdings meist nicht, wie CTK-Sprecherin Susann Winter erklärt. Das zeigen auch die Zahlen des Gesundheitsamts: Bis zum 1. März hatte das 320 bestätigte Influenzafälle gezählt, weit mehr also, als im CTK behandelt werden.

Meist handele es sich bei den Klinikfällen um Menschen mit weiteren Grunderkrankungen, Ältere oder Kinder. Die Klinik stellt die Grippe vor eine Herausforderung. „Wir haben versucht, die Influenza-Patienten in einem Schwerpunkt-Bereich zusammenzulegen – sofern das möglich ist“, sagt Susann Winter. Müssten weitere Erkrankungen behandelt werden, gelte: Influenza-Patienten liegen nur allein im Zimmer oder mit Patienten, die am gleichen Influenza-Typ erkrankt sind. Und sie ergänzt: „Der Bedarf an Mundschutz und Händedesinfektionsmittel ist derzeit besonders hoch.“

In allen Fällen helfen die Schutzmaßnahmen aber nicht. Auch das CTK habe derzeit einen erhöhten Krankheitsstand zu vermelden, sagt Susann Winter.