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Grenzregion knüpft ernsthafte Wirtschaftskontakte mit Russland

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Cottbus/Forst/Kursk. Mit sehr konkreten Plänen ist eine Delegation aus Spree-Neiße und Cottbus von einer Reise ins russische Kursk zurückgekehrt. Dabei wurden ernsthafte Wirtschaftskontakte geknüpft, berichtet Dieter Friese. Peggy Kompalla

Er führte die Delegation als Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Europäische Grenzregionen an und bereitet den Gegenbesuch für den September vor.

Demnach hat Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken den Grundstock für einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Region Kursk gelegt. "Er will dort einen Betrieb für Gemüseanbau aufmachen", berichtet Friese. Deshalb gehörte ein Besuch an der Landwirtschaftlichen Akademie Kursk mit auf dem Plan. Dorthin geht in den nächsten Wochen eine Sendung mit mehreren Hundert Erdbeerpflanzen. "Es soll herausgefunden werden, welche Pflanzen unter den klimatischen Bedingungen am besten geeignet sind", erklärt Dieter Friese. "In Russland gibt es einen großen Bedarf an Gemüse. Da der Import aus der EU derzeit durch die Sanktionen nicht möglich ist." Deshalb wolle Ricken die Chance ergreifen, seine Geschäfte zu erweitern. In den nächsten Monaten will der Unternehmer vier Studenten von der Akademie als Assistenten der Geschäftsführung aufnehmen. "Sie sollen so ausgebildet werden, dass sie nach ihrem Abschluss den Betrieb in Russland leiten können." Sogar drei mögliche Standorte für den Gemüsebetrieb habe Ricken bereits in Augenschein nehmen können.

Der Nachholbedarf in Russland sei sehr groß, genauso wie die Staatsreserven, schildert Friese. Soll heißen: Geld für Investitionen ist da. "Aber der Markt liegt derzeit brach und die EU tut derzeit alles dafür, dass der künftig an China geht", sagt Friese mit bitterem Unterton. "Wir können als kleine Euroregion Spree-Neiße/Bober nicht dagegen anschwimmen. Aber es wurde uns bei allen Gesprächen sehr deutlich gemacht, dass man es uns hoch anrechnet, dass wir gerade zum derzeitigen Zeitpunkt ernsthafte Gespräche führen, in dem Russland nicht als Freund gilt. Aber die Vernunft wird wieder einziehen. Dann haben wir einen Fuß in der Tür."

Darüber hinaus hat die Delegation das College für medizinische Ausbildung in Kursk besucht. "Schon in den nächsten Tagen werden vier angehende Krankenschwestern aus Kursk für ein Praktikum nach Brandenburg kommen, um hier in Reha-Kliniken zu arbeiten." Das Ziel bei der Zusammenarbeit mit dem College sei jedoch viel größer. "Wir wollen eine größere Anzahl von Krankenschwestern nach ihrer Ausbildung für drei oder vier Jahre nach Brandenburg holen - auch in Krankenhäuser der Region", erklärt Dieter Friese. Das sei ein Gewinn für beide Seiten.

Die 400 000-Einwohner-Stadt Kursk verfügt über vier Universitäten. Mit dem Rektor der Südwestlichen Staatlichen Universität hat sich Dieter Friese getroffen und einen Besuch von BTU-Präsident Jörg Steinbach im Juni vorbereitet. "Die beiden haben eine Menge gemeinsame Themen zu beackern", prophezeit Friese nach seinem Besuch. Demnach gehörten zu den Schwerpunkten der Technischen Universität Kursk die Weltraum- und Materialforschung. Auch die BTU hat bereits Experimente auf die Raumstation ISS geschickt.

Zum Programm der deutschen Delegation gehörte darüber hinaus eine Besichtigung der Eisenerzgrube Michailowskij GOK in Schelesnogorsk. Dort könne im Tagebau noch in den nächsten 200 Jahren Eisenerz abgebaut werden. Die Betreiber hätten großes Interesse an deutscher Technik. Damit kann die Lausitz aufwarten, betont Dieter Friese.