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Graue Mäuse gibt es genug

Ratzfatz grau: Die roten Haare sind weg, dabei machen sie doch den Mäuserich Zumpelchen aus.
Ratzfatz grau: Die roten Haare sind weg, dabei machen sie doch den Mäuserich Zumpelchen aus. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Kinder- und Jugendtheater Piccolo hat mit dem neuesten Puppenspiel "Zumpelchen" wieder einmal gezeigt, dass ein Kinderverstand mit viel Einfühlungsvermögen, Liebe zum Detail und kindgerechtem Schauspiel auch an ernsthafte Themen wie Toleranz, Akzeptanz und Individualismus herangeführt werden kann. Die Premiere am Sonntagnachmittag wurde vom sehr jungen Publikum gebührend gefeiert, von den Erwachsenen nicht minder. Jenny Theiler

Die Geschichte vom kleinen Mäuserich mit dem roten Fell ist 29 Jahre alt und stammt von der DDR-Kinderbuchautorin Waltraud Adler. Das Bühnenbild, sowie die Puppen wurden vom bekannten Bühnenbildner und Puppenbauer Christof von Büren gestaltet, der zum ersten Mal für das Piccolo-Theater arbeitete. Bemerkenswert ist das liebevoll bestückte Bühnenbild. Trotz der minimalistischen Ausstattung fiel die Detailverliebtheit auch den Kindern auf, sie wussten sofort, welcher Beruf die Hauptrolle spielt.

Frisörmeister Richard Klein, gespielt von Hauke Grewe, erzählt die Geschichte vom Zumpelchen in einer Rahmenhandlung, die gleichzeitig die kritische Erwachsenenebene widerspiegelt. Der Frisör schwärmt für das Fräulein Kuckuck, das sich ihre flammendroten Haare abschneiden und schwarz färben lassen möchte. Zumpelchen erlebt ein ähnliches Dilemma. "Wer solche roten Haare hat, wird nie eine richtige Maus!", heißt es immer wieder im 50-minütigen Stück. Regisseurin Ute Kotte bemerkte, dass auch heute noch viele Kinder mit roten Haaren verspottet werden. Einfach nur weil sie anders sind.

Andersartigkeit ist das zentrale Thema des Puppenspiels. Trotz oder vielleicht sogar wegen seines roten Fells ist Zumpelchen ein guter Freund von Kater Scharfauge. Dennoch wünscht sich Zumpelchen nichts sehnlicher, als grau wie alle anderen Mäusen zu sein. Doch erst als der Mäuserich endlich sein rotes Fell beim Frisör Klein losgeworden ist, begreift er, dass er für sein besonderes Aussehen sogar geschätzt wurde, ebenso wie der Frisör Klein das Fräulein Kuckuck für ihr rotes Haar liebt.

In der Geschichte des kleinen Mäuserichs, der zu sich selbst findet und lernt seine Eigentümlichkeit zu lieben, werden alle Emotionen bedient. Es wird gelacht und geweint, aber auch zum Nachdenken angeregt. Vor allem die erwachsenen Zuschauer schätzten die moralische Ebene des Stücks. "Mir haben die Witze für die Erwachsenen gefallen", erzählte Anett Schneider. "Ich möchte auch rote Haare haben", erklärte die achtjährige Charlotte Fröhlich. Eine Aussage über die sich vor allem Hauptdarstellerin Josephine Egri besonders freute.

Bis zum 11. Juni ist das Puppenspiel im Piccolo-Theater zu sehen.