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| 02:35 Uhr

Gottesbücher für den Urlaubskoffer

Wenn die Urlaubszeit naht, überlegen sich die Menschen, was sie denn in dieser kostbaren Zeit des Jahres machen könnten, wozu sie in der übrigen Zeit des Jahres nicht hinreichend kommen. Ganz oben auf der Urlaubszeitvertreibsliste steht die sehr kluge Einsicht, "man könnte ja mal wieder ein Buch lesen.

" Ja, aber welches? Welches Buch ist so gut, dass es der hochheiligen Zeit des Urlaubs gerecht werden kann?

Beim Bestellen meiner Urlaubslektüre und dem Streifen durch meine Buchhandlung ist mir aufgefallen, dass es momentan überdurchschnittlich viele Bücher gibt, die das Wort "Gott" im Titel führen. Nun ja, das Wort; das muss noch nichts heißen - aber auffällig ist es schon, und da sind die fünf oder acht Luther-Biographien oder andere kluge oder dünne Publikationen zum Reformationsjubiläum nicht mitgerechnet. Gott im Titel eines Buches? Ob das mal gut geht: "Als die Götter noch mit Menschen rangen"; "Gott ist nicht schüchtern"; "Die Tage, die ich mit Gott verbrachte"; "Gott, hilf dem Kind"; "Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?"; "Homo deus"; "Nach Gott". So reich war meine optische Beute nach nur flüchtigem Schweifen durch die Auslagen und Regale. Und wenn man die Autoren noch hinzudenkt, dann ahne ich schon, dass nicht jedes dieser Bücher über Gott hält, was es verspricht. Vielleicht ist es auch nur ein Reizwort, um den Leser in die Seiten zu locken. Denn Gott, das verstehen wir schnell, ist "das missbrauchteste Wort der Sprache" - so sagt es der Philosoph Martin Buber. Aber dieses Wort reizt weiterhin Menschen, das Smartphone aus der Hand zu legen und bei einer entsprechenden Lektüre selbstständig zu denken und zu fühlen. Das schafft dieses Wort "Gott" immerhin noch! Wer hätte das gedacht!?

Zugegeben, es muss ja nicht immer die Heilige Schrift sein, obschon es schon das Beste ist, wenn es um Gotteslektüre geht. Manchmal schleicht sich die Gottesfrage durch andere Ritzen der Seele in einen Menschen zurück. Da öffnet manchmal ein Roman die längst verdrängte Sehnsucht, dass da mehr sein könnte als Selbstverwirklichung. Da spürt eine Novelle das Samenkorn in einem Menschen auf, das dieser unter Trauer und Schmerz hat vertrocknen lassen. Da lichtet ein faires Sachbuch die vernebelten Vorurteile vor dem Allmächtigen aus einer zu vordergründigen Weltsicht. Gotteslektüre kann anstrengend sein. Die Bibel ist es und andere Gottesbücher sind es eben auch. Aber wie fast jede Anstrengung lohnt die Lektüre. Im ersten Psalm wird schön - fast als Urlaubsidylle - beschrieben, wie ein Mensch ist, der Gottesbücher liest: "Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht." Das sind doch gute Aussichten für eine Urlaubsgotteslektüre! Wenn man so gestärkt und erholt wieder heimkehrt, war alles gut mit dem Urlaub und der Gotteslektüre.

Ihnen schöne Reise und gute Bücher - Gottesbücher!