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| 02:35 Uhr

Gordon Sherwoods "Blues Symphony" ist der Höhepunkt im 7. Philharmonischen Konzert

Masha Dimitrieva und Gordon Sherwood haben bei ihrer ersten Begegnung ganze neun Stunden am Klavier gesessen.
Masha Dimitrieva und Gordon Sherwood haben bei ihrer ersten Begegnung ganze neun Stunden am Klavier gesessen. FOTO: privat
Cottbus. Gordon Sherwood (1929 – 2013) hat sich selbst als "Der Bekannteste aller unbekannten Komponisten" bezeichnet. Der Film "Der Bettler von Paris", den Heiner Sylvester und Erdmann Wingert über ihn drehten, half. Zumindest fand Sherwood durch den Film die Pianistin Masha Dimitrieva. Sie ist am Freitag im Cottbuser Staatstheater die gespannteste Zuhörerin, wenn Sherwoods "Blues Symphony" uraufgeführt wird. Annett Igel-Allzeit

Die hellwachen blauen Augen, das wilde weiße Haar, die hagere Statur, das Bein, das er nachzog - so erinnert sich Masha Dimitrieva an ihre erste Begegnung mit dem amerikanischen Komponisten Gordon Sherwood. "Nach dem Film wollte ich diesen Mann kennenlernen. Ich hinterließ meine Adresse bei den Filmemachern. Da muss er gerade auf Korsika gewesen sein. Ein halbes Jahr später stand er vor meiner Tür und fragte, ob ich ihm etwas vorspielen möchte. Bach, Scarlatti, Skriabin. Von Stücken, die er nicht kannte, ließ er sich die Noten zeigen. Nach neun Stunden konnten meine Hände nicht mehr."

15 Jahre - bis zu seinem Tod am 2. Mai 2013 im Schongau - verband den komponierenden Weltenbummler und die Pianistin von der Krim, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt, eine intensive musikalische Beziehung. War er auf Reisen, kamen in Briefen seine Gedanken zu ihr, erzählte er von Missgeschicken, Literatur, Klängen. "Er hatte kein Handy, aber er hatte überall Freunde, wo ich ihn notfalls erreichen konnte", erzählt Masha Dimitrieva. Für alle Musik - quer durch die Geschichte und rund um die Welt - war er offen und verband sie in seinen Kompositionen - Boogie mit Kanon, Jazz mit Sonate. Sein Werkverzeichnis enthält derzeit 143 Einträge. Kammermusik, Orchesterwerke, eine Oper, Ballette, Tangos für die Harfe. Indische und arabische Klänge ließ er einfließen. Freunde mutmaßen, dass es das so schwer gemacht hat, die Musik zu seinen Lebzeiten bekannter zu machen. Sie lässt sich nur schwer einordnen, geht aber trotz komplizierter Struktur gut ins Ohr. Fasziniert hat Masha Dimitrieva auch seine Zahlenmagie. "Waren wir unterwegs, wollte er wissen, wie viele Kilometer der Ort von meinem Haus entfernt ist und wie viele Einwohner er hat - das schrieb er sich in ein Büchlein." Als seine Erbin steht sie vor viel Arbeit und freut sich auf Cottbus. Der Film "Der Bettler von Paris" wird im Foyer laufen.

Im 7. Philharmonischen Konzert wird Generalmusikdirektor Evan Christ auch Gershwins "Rhapsody in Blue", Luis Antunes Penas "1441" und Aaron Coplands "Appalachian Spring" vorstellen. Bei Copland hatte Sherwood einst Komposition studiert.

Zum Thema:
Zu erleben ist das 7. Philharmonische Konzert im Großen Haus des Cottbuser Staatstheaters am Freitag, 2. Mai, um 20 Uhr und am Sonntag, 4. Mai, um 19 Uhr. Karten für beide Termine sind erhältlich im Besucher-Service, Ticket-Telefon: 0355 78242424 und an der Abendkasse.