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Göttliche Möbel für die Synagoge

Mit den Glasscheiben verwandelt sich der schlichte Leuchter-Sockel in ein besonderes Möbelstück: Wieland Eschenburg, Marita Kuschela und Uwe Schurig (v.l.) passen die Verzierungen an.
Mit den Glasscheiben verwandelt sich der schlichte Leuchter-Sockel in ein besonderes Möbelstück: Wieland Eschenburg, Marita Kuschela und Uwe Schurig (v.l.) passen die Verzierungen an. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Seit fast zwei Jahren hat Cottbus wieder eine Synagoge. Trotzdem ist die Inneneinrichtung noch unvollständig. Einzig der Thoraschrein leuchtet. Er bekommt bald gute Gesellschaft. Diesen göttlichen Auftrag führen Meisterhände aus Cottbus und Burg aus. Peggy Kompalla

Möbel ist nicht nur Möbel. Besonders dann nicht, wenn es für ein Gotteshaus bestimmt ist. Das wissen Tischlermeister Uwe Schurig und Glasgestalterin Marita Kuschela. Ihre Hände fertigten bereits den Thoraschrein für die Synagoge in Cottbus. Nun kommen neue Einrichtungsgegenstände hinzu - der Thora-Tisch, ein Rednerpult, ein Tisch für die Modelle der Synagoge und ein Sockel für den Chanukka-Leuchter. Sie werden am 9. November - dem Jahrestag der Pogromnacht 1938 - in das Gotteshaus einziehen. Für diesen besonderen Gedenktag hat Bundespräsident Joachim Gauck seinen Besuch angekündigt.

Die Entwürfe für die Möbelstücke in der Synagoge stammen von Wieland Eschenburg, einem Freund und Förderer der Jüdischen Gemeinde. Als gelernter Orgelbauer widmete er sich einst dem christlichen Instrument. Mit dem gleichen Enthusiasmus arbeitet er nun an der Einrichtung für das jüdische Gotteshaus. Seine Überzeugungskraft bringt den Tischler sogar dazu, gegen Handwerkergrundsätze zu verstoßen. Die Glasgestalterin ist längst eine Expertin für Davidsterne. Die Drei sind ein Team. Das Projekt ist längst viel mehr als Arbeit - es ist Herzenssache.

Jedes noch so kleine Detail erhält ihre Aufmerksamkeit. Allein die Wahl des Holzes: Der Leuchter-Sockel besteht aus Zedernholz. "Es gilt als biblisches Holz", erklärt Tischler Schurig. "Weil es im Tempel Salomons verarbeitet wurde." Damit nicht genug. Wieland Eschenburg ergänzt: "Die Furnierplatten sind russische Birke. So hat die Gemeinde immer auch ein Stück Heimat bei sich." Den Sockel entlang läuft eine Rille. Ein handwerklicher Fehler? Mitnichten. "Das ist das Kernholz - der erste Jahrgang eines Baumes", erklärt Uwe Schurig. "Normalerweise würde es ein Tischler rausschneiden", sagt er mit einem Lächeln. "Wir haben es aber bewusst gelassen. Denn es ist der Anfang von allem. Den kann man nicht einfach wegnehmen."

Marita Kuschela legt purpurne Glasscheiben auf den Sockel. Es ist ein unregelmäßiges Muster, wie zufällig entstanden. Sie entgegnet: "Das ist der Grundriss der alten Synagoge." Sie zeigt die architektonische Skizze. Tatsächlich. Die vier Säulen sind zu erkennen, die Außenwände. "Die Brüche der Geschichte sollen gezeigt werden", sagt Wieland Eschenburg. Das Muster nimmt damit auch Bezug zum Thoraschrein. Seine Front ziert die Silhouette der alten Synagoge. Sie wurde am 9. November 1938 zerstört. Aus ihren Trümmern rettete in jener Nacht Malermeister Quitzke den Chanukka-Leuchter. Er wird nun auf dem Sockel Platz finden. "Der Maler war sehr mutig", sagt der Tischler. Wieland Eschenburg ergänzt: "Und er hatte auch eine Beziehung zur Schlosskirche. Er war für die Ausmalung verantwortlich." Das zeigen Dokumente, die sich in der Turmspitze fanden, als das Kreuz der Kirche für den Umbau zur Synagoge abgenommen wurde.

Die Einrichtung des Gotteshauses kostet insgesamt 96 000 Euro, berichtet Eschenburg. "51 000 Euro sind schon zusammengekommen." Und verbaut - von Cottbuser und Burger Meisterhänden. Sie wollen auch die beweglichen Trennwände herstellen. "Aber dafür fehlt noch ein bisschen Geld."

www.juedische-gemeinde-

cottbus.de